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09. August 2012 10:24 Uhr

Kino

"Prometheus": Neuer Film von Ridley Scott

"Prometheus – Dunkle Zeiten" ist die Fortsetzung von Ridley Scotts berühmtem Science-Fiction-Film "Alien". An den Kinomythos von 1979 reicht der neue Film aber keineswegs heran.

  1. Tief im Universum erwartet die Besatzung der „Prometheus“ das Grauen. Foto: Fox

  2. Tief im Universum erwartet die Besatzung der „Prometheus“ das Grauen. Foto: dapd

  3. Tief im Universum erwartet die Besatzung der „Prometheus“ das Grauen. Foto: dapd

  4. Tief im Universum erwartet die Besatzung der „Prometheus“ das Grauen. Foto: dapd

  5. Tief im Universum erwartet die Besatzung der „Prometheus“ das Grauen. Foto: Fox

  6. Tief im Universum erwartet die Besatzung der „Prometheus“ das Grauen. Foto: dpa

Ridley Scott hat zwei große, stilprägende Science-Fiction-Filme gemacht: 1979 "Alien", drei Jahre darauf "Blade Runner". Ihre Rätsel geben diese ebenso düsteren wie bildgewaltigen Zukunftslegenden nicht ohne weiteres preis, sie sind zu Kinomythen geworden – und die nach wie vor anhaltenden Diskurse zu beiden Filmen können mittlerweile ansehnliche Bücherregale füllen. Jetzt nahm Scott, inzwischen 74 Jahre alt, sich noch einmal "Alien" vor, liefert eine Art Prequel zu dieser verstörenden Weltraumsaga, die ja auch noch in ihren diversen Fortsetzungen (mit anderen Regisseuren) sehr viel mehr war als bloß eine nervenfetzende Monsterhatz in den Weiten des Alls.

Ob sich jetzt an "Prometheus – Dunkle Zeichen" abermals fruchtbare Debatten anschließen, erscheint allerdings zweifelhaft. Denn diesmal übernehmen Scott und seine Drehbuchautoren Jon Spaihts und Damon Lindelof die Diskussionsleitung gleich selbst – und leider kommen die Dialoge, die sie da über gut zwei Stunden hinweg moderieren, kaum über naive Direktheiten hinaus. Woher kommen wir? Wer hat uns gemacht? Waren es Götter oder Ingenieure? Ein paar Geheimnisse, viele Gemeinplätze – philosophisch "anschlussfähig" ist das nur sehr bedingt.

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Ein Großmeister des Designs, der bis ins Letzte durchkomponierten Bildgestaltung ist Scott bei all dem immer noch. Auffällig allerdings, wie stark diesmal etliche der Bilder pathetisch auftrumpfen wollen, sich auf ihre unmittelbare Oberflächenwirkung verlassen. Sie schleichen sich nicht mehr hinterrücks an, sondern wollen frontal überwältigen. Zu den berühmten letzten Fragen, die hier so schlicht verhandelt werden, passt das wiederum ganz gut. Gleich die Eröffnungsszene zeigt unmissverständlich, wo es langgehen soll: ein unbelebter Planet, eine kosmische Flugscheibe, darunter leert ein bleicher Gigant zeremoniell eine Phiole. Dann zerbröselt dieser Außerirdische in einen Wasserfall hinein, löst sich in ein Gewimmel von DNA-Strängen auf. Voilà, das Leben ist auf der Erde angekommen – fast so beeindruckend wie der Schöpfungs-Auftakt von Kubricks "2001 – Odyssee im Weltraum".

Vertraute Motive und existenzielle Rätsel

Schnitt. Wir befinden uns im Jahr 2089 und erforschen mit einem Team von Archäologen eine Höhle auf der schottischen Insel Skye. Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) entdeckt mit ihrem Freund und Kollegen Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) uralte Felszeichnungen, in denen ein von kleinen Menschen umgebener Gigant auf eine ferne Sternen- oder Planetenkonstellation zeigt. Es muss die Heimat unserer Schöpfer sein und wohl auch eine Einladung. Scott sagt selbst, dass er hier durch Erich von Däniken angeregt wurde, den schlitzohrigen Fabulierer von der "Kosmischen Aussaat". Durch den Abgleich mit ähnlichen Bildern aus allen Weltgegenden lässt sich das Ziel exakt bestimmen, am 21. Dezember 2093 macht sich das Raumschiff "Prometheus" auf den Weg – also gut drei Jahrzehnte vor der folgenschweren Fahrt des Raumkreuzers "Nostromo" im ersten Teil der ursprünglichen Alien-Saga.

Viele Motive sind vertraut: das undurchsichtige Ränkespiel des mächtigen Weyland-Konzerns, an Bord vertreten durch die eiskalte Repräsentantin Meredith Vickers (Charlize Theron), oder der Androide (Michael Fassbender), der einer eigenen bedrohlichen Agenda folgt. Neu hingegen ist, dass die Alien-Monster nur am Rande interessieren – auch wenn sie zuletzt so vielgestaltig herumwuseln wie noch nie und natürlich wieder blutig die Mannschaft dezimieren. Nein, diesmal kommt Scott endlich auf die Spezies jener geheimnisvollen Weltraumfahrer zurück, deren Schiff im ersten Film die Monsterbrut beherbergt hatte – und die danach völlig in Vergessenheit geriet. Jetzt steht einer dieser riesigen "Space Jockeys" im Mittelpunkt, ein später Kollege des DNA-Spenders der Auftaktszene. Alle aber, die so etwas wie einen gütigen Schöpfer erwartet hatten, werden grausam aus ihren Träumen gerissen...

Auch "Prometheus" hat seine existenziellen Rätsel – aber allzu deutlich als bloßes Kalkül auf geplante Fortsetzungen. Seinen Schauspielern gibt Scott kaum Profilierungsmöglichkeiten, selbst Noomi Rapace (so stark in der "Millennium"-Trilogie) bleibt über weite Strecken blass. In Erinnerung bleiben bombastische Sets, in denen für den mehrdeutigen Zauber von Scotts frühen Meisterwerken kein Platz mehr ist.
– "Prometheus – Dunkle Zeiten" (Regie: Ridley Scott) läuft flächendeckend.

Autor: Jürgen Frey