Leistungssteigerung durch Stoffwechselprodukte?

dpa

Von dpa

Sa, 18. Juli 2015

Radsport

Froome-Kritiker legen nach / Van Avermaet gewinnt Etappe.

RODEZ (dpa). Im Mittelpunkt ständiger Doping-Anschuldigungen wird es Christopher Froome allmählich zu bunt. Mit großer Verärgerung hat der so überlegene Spitzenreiter der 102. Tour de France auf die Doping-Verdächtigungen gegen ihn und sein Sky-Team reagiert. Vor allem die Kommentare der Ex-Fahrer Laurent Jalabert und Cedric Vasseur seien ein starkes Stück. Doch damit nicht genug: Inzwischen wird Froome vorgeworfen, durch nicht auf der Dopingliste stehende, aber umstrittene Stoffwechselprodukte eine Leistungssteigerung zu erzielen.

Mit seinen unantastbaren Vorstellungen hat Froome jedenfalls die Schar der Zweifler wachsen lassen. Auch das Tour-Organ L’Équipe geht sehr distanziert mit dem wie ein Roboter auf dem Rennrad wirkenden Dominator um. TV-Experte Jalabert bewertete den überlegenen Sieg auf der ersten Pyrenäen-Etappe als "unangenehm anzusehen", was Froome erzürnte. "Ich bin richtig enttäuscht, weil viele Leute und Fans noch zu ihnen aufschauen und sie dann einen heutigen Fahrer, einen sauberen Fahrer und ein sauberes Team in Zweifel stellen", sagte der Brite in Richtung Jalabert und Vasseur.

Die Äußerungen des Ex-Weltmeisters Jalabert entbehren nicht einer gewissen Pikanterie. Erst vor zwei Jahren war bei Nachkontrollen der Frankreich-Rundfahrt 1998 herausgekommen, dass der Franzose mit dem Blutdopingmittel EPO nachgeholfen hatte, was dieser zuvor stets bestritten hatte.

Froome will mit dieser Ära nichts zu tun haben und bekräftigt, dass er sauber unterwegs sei. Neue Anschuldigungen kamen unterdessen vom belgischen Radsport-Trainer Paul van den Bosch. Der Coach behauptet, Froome hantiere mit sogenannten Ketonen. Dies sind Stoffwechselprodukte, die noch nicht auf der Dopingliste stehen. Laut Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel haben sie aber durchaus ihren Nutzen. "Ketone sind Stoffwechselprodukte, die entstehen, wenn Fette verbrannt werden. Sie helfen also, Zuckerdepots aufzubauen, die bei Dauerbelastung des Muskels von Vorteil sind", erklärte der Mediziner.

Für Sörgel wäre es "kein Wunder, wenn längst das biochemische Doping die Experimentierphase verlassen hat". Ketone kommen laut Sörgel aus der Bodybuilderszene. Bitter schmeckende Ketone-Getränke sollen aber nicht gerade billig sein, von 2000 Pfund pro Liter ist beim Internetportal Cyclingweekly.co.uk die Rede.

Greg Van Avermaet hat unterdessen am Freitag die 13. Etappe gewonnen. Der Belgier (Team BMC) holte sich nach 198,5 Kilometern von Muret nach Rodez den Sieg vor Peter Sagan (Tinkoff). Der Slowake bleibt im Grünen Trikot des Punktbesten vor dem Rostocker André Greipel (Lotto-Soundal). John Degenkolb (Giant-Alpecin) belegte im Tagesklassement Platz vier vor dem in Freiburg lebenden Paul Martens (Lotto-NL-Jumbo).



Gesamtklassement:1. Froome (Großbritannien/Sky) 51:34:21 Std.; 2. van Garderen (USA/BMC Racing) + 2:52 Min.; 3.
Quintana (Kolumbien/Movistar) + 3:09; 4. Valverde (Spanien/Movistar) + 3:58; 5. Thomas (Großbrit./Sky) + 4:03; 6. Contador (Spanien/Tinkoff-Saxo) + 4:04; 56. Buchmann (Ravensburg/Bora-Argon) + 1:12:55.