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22. Oktober 2012 17:51 Uhr

Amtsgericht Emmendingen

Raserprozess: Wurde Zeugin durch Verteidigung beeinflusst?

Im Strafprozess um den Feuerunfall auf der B3 bei Denzlingen hat die Ex-Freundin des Angeklagten ausgesagt. Dabei kam heraus: Die Verteidigung hatte sich zuvor mit der Zeugin getroffen.

  1. Die Unglücksstelle: Nach dem schweren Unfall am 23. Januar war die Feuerwehr stundenlang mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Zwei Menschenleben konnte auch sie nicht retten. Foto: Andrea Steinhart

Wer ist der Mann, der am 23. Januar an dem folgenschweren Unfall mit zwei Toten auf der B3 beteiligt war? Ein vom Einsatz in Afghanistan traumatisierter Soldat? Oder ein rücksichtsloser Raser? Eine Einschätzung sollte am Montag vor dem Amtsgericht die Ex-Freundin des Angeklagten geben. Dabei stellte sich heraus: Die junge Frau war bereits am Freitag im Büro des Verteidigers befragt worden – in Anwesenheit des Angeklagten. Der Staatsanwalt spricht von einer "ungeheuren Verfehlung".

Anzeige bei der Anwaltskammer?

Für Oberstaatsanwalt Matthias Rall ist klar: Die Befragung durch Verteidiger Peter Ockenfels nur wenige Tage zuvor habe die junge Frau beeinflusst. "An was erinnert sie sich und was wurde ihr einsouffliert?" Der Ex-Freundin zufolge hatte der Angeklagte sie via SMS gebeten, am Freitag zu seinem Verteidiger zu kommen. Da sie den Weg nicht kannte, hätten sie sich an einer Tankstelle getroffen und seien gemeinsam zur Kanzlei gefahren. Das Gespräch habe etwa 40 Minuten lang gedauert.

"Was der Gipfel ist: Es fand im Beisein des Ex-Freundes statt", betonte Rall. Er überlege, Anzeige gegen Ockenfels bei der Anwaltskammer zu erstatten. Der Verteidiger wehrte sich gegen die Vorwürfe: Es sei seine Pflicht, zu ermitteln. Er habe die Zeugin ermahnt, die Wahrheit zu sagen. "Fühlten Sie sich beeinflusst?" "Nein", erklärte diese. Warum aber der Angeklagte bei dem Gespräch dabei gewesen war – die Antwort auf diese Frage blieb Ockenfels schuldig.

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"Bei Gewitter begann er zu zittern", Ex-Freundin
Vier Jahre lang waren der 25-jährige Zeitsoldat und die gleichaltrige Französin ein Paar. Sie hatten sich ein Jahr vor seinem Abflug nach Kabul kennengelernt. "Als er zurückkam, war er nicht mehr derselbe", sagte die Zeugin. Nach seiner Rückkehr im Mai 2009 habe er Menschenmengen gemieden, sei nicht mehr ausgegangen, schnell wütend geworden und habe unter Albträumen gelitten. "Bei Gewitter begann er zu zittern." 2011 habe sich sein Zustand gebessert. "Er konnte sich wieder vorstellen, ein Leben zu führen." Doch die ständigen Streitereien hätten Spuren hinterlassen. "Seine Freunde waren ihm auch wichtiger als ich." Die beiden trennten sich.

Tempo 150 schon zwischen Emmendingen und Wasser?

Trotzdem war sie es, die der Angeklagte unmittelbar nach dem Unfall noch auf der B3 vom Handy aus anrief. "’Ich hatte einen Unfall, komm nach Freiburg’, sagte er – und legte auf." Danach habe sie ihm beigestanden, habe Angst gehabt, er würde sich etwas antun. "Er sagte mir, er sei bei dem Unfall zwischen 120 und 130 gefahren." Sie habe ihm geglaubt. "Ich habe nie erlebt, dass er zu schnell unterwegs war." Eine Aussage, der später die Mutter des Angeklagten im Zeugenstand widersprach. Die Freundin habe sich bei ihr über den rasanten Fahrstil des Sohnes beschwert – und das nicht nur einmal.

Gehört wurde am Montag auch ein weiterer Unfallzeuge. Dem Kenzinger zufolge waren die beiden getunten Wagen schon auf dem zweispurigen Teil der B3 zwischen Emmendingen und Wasser an ihm vorbeigerast. "Die hatten etwa Tempo 150 drauf." Eine Zahl, die der von Verkehrsexperten ausgewertete Bordcomputer des Nissan bestätigt. Bislang hatte der Angeklagte angeben, sein Freund habe ihn ab Vörstetten bedrängt – und er habe deshalb aufs Gas gedrückt.

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Autor: Alexandra Sillgitt


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