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21. Januar 2012

Das Wohnmobil kann jetzt sogar in See stechen

Neuheiten auf der CMT: Die Hersteller von Reisemobilen haben vor allem an Details getüftelt, um mehr Platz und einen größeren Komfort zu bieten.

Viele der unzähligen Premieren, die die Wohnmobilhersteller für die erste große Messe des Jahres – die CMT in Stuttgart – versprechen, entpuppen sich als kosmetische Korrekturen. Die wirklich interessanten Neuheiten muss der Besucher oft unter der Haube oder dem Aufbau suchen: Euro-5-Motoren, Fahrwerksverbesserungen von Alko und Goldschmitt oder das Automatikgetriebe beim neuen 2,3 Liter-Ducato-Motor – leider allzu oft nur gegen Aufpreis erhältlich.

Doch selbst beim serienmäßigen Basisfahrzeug entfernen sich zumindest Komfort und der Fahrerkabine immer weiter vom spartanischen Transporter. Kein Wunder, tritt doch jeder zweite Ducato seine erste Fahrt zu einem Reisemobil-Hersteller an.

Apropos Trends: Die Zahl der Mobile mit beheiztem Doppelboden wächst. Offensichtlich setzt sich auch bei den Käufern die Einsicht durch, dass Winterurlaub Spaß macht, ohne Doppelboden aber ein zweifelhaftes Vergnügen ist. Vom bequem erreichbaren Stauraum ganz zu schweigen. Immer üppiger werden die Nasszellen, etwas großspurig "Raumbad" genannt. Was meistens heißt, dass man sich in der Dusche umdrehen kann, ohne mit den Zahnbechern in Konflikt zu geraten.

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Wie bei der CMT schon Tradition, hat sich Dethleffs Gedanken über die Zukunft gemacht. Das Ergebnis dieser Überlegungen, wie immer im Eingangsbereich präsentiert, heißt Evan und sieht aus wie die Kombination aus integriertem Wohnmobil, Campingbus mit Aufstelldach und Transporter mit Hecktüren, durch die sich auch größere Lasten schieben lassen.

Aktueller als diese Studie ist eine verblüffend einfache Idee aus Isny. Der neue Dethleffs Esprit hat einen zwölf Zentimeter kürzeren Kopf. Das aktuelle Ducato-Modell ist durch eine arg wulstige Front 34 Zentimeter länger als der bis 2005 gebaute. Die Allgäuer spendieren der Fiat-Front deshalb einfach eine flachere Kunststoffschürze. Das sieht nicht nur besser aus, sondern sorgt auch für Raumgewinn zugunsten des Aufbaus. Zwölf Zentimeter mehr Länge sind beim Wohnraum-Design ein schöner Zugewinn.

Euramobil hat das Thema Wellness entdeckt. Nachdem die Pfälzer beim Caravan-Salon in Düsseldorf mit ihrem langen Spa-Integra Aufsehen erregt hatten, kommt jetzt der teilintegrierte (und bezahlbare) Contura mit Massagematratze und Infrarotkabine.

Eine große Klappe für die Frischluft-Fans

Der dampflose Saunaersatz für eine Person ist in die Nasszelle integriert. Funktionieren kann das allerdings nur, so lange das Mobil an einer Steckdose hängt – also alles andere als mobil ist. Eine große Klappe riskiert Chausson beim teilintegrierten Sweet Maxi. Hier lassen sich 1,8 Meter der linken Seitenwand komplett aufklappen, etwas für Frischluft-Fans. Die spektakulärste Neuheit kann man nicht kaufen, sondern (vorerst?) nur mieten und damit die Mecklenburgische Seenplatte mit dem schwimmenden Wohnmobil erkunden: Der Freecamper ist ein Floß mit 60 PS, auf dem ein Wohnmobil bis 3,5 Tonnen und 8,5 Meter Länge Platz hat und als komfortable Kajüte dient. Er sticht im Frühjahr in See. Die Preise liegen von 425 Euro für ein verlängertes Wochenende bis 1250 Euro für eine Woche in der Hochsaison.

Gediegen neu kommen einige mittelpreisige Integrierte angefahren. Hymer hat den Alkoven komplett aus dem Programm gestrichen und dafür die B-Klasse zum Exsis-i geschrumpft. Dieser ist kürzer, schmaler, leichter und wendiger: 6,20 Meter lang, 2,12 Meter breit und 2,77 Meter hoch – für französische Autobahngebühren nicht unwichtig. Auch der neue Sky von Knaus hat ein "i" in der Typenbezeichnung. Neben verschiebbaren Wänden fürs Bad hat er ein Hubbett im Bug, das sich so weit absenken lässt, dass eine Leiter überflüssig ist.

Wer in einer Stadt wohnt, nicht unbedingt einen ganzen Fuhrpark unterhalten will, sondern ein universelles Fahrzeug sucht, muss nicht zwangsläufig den spartanischen Campingsbus nehmen. Ein Pick-up mit aufsetzbarer Kabine ist eine komfortable Alternative. Tischner liefert die als Trail 290 S für den neuen VW Amarok – und bietet mehr Komfort als jeder Campingbus auf VW-Basis. Apropos Pick-up: Eine alte Idee aus der Neuen Welt hat der walisische Hersteller für Europa neu belebt. Die Fifth Wheel Company baut geräumige Auflieger, die im Unterschied zu den US-Importen durchaus bezahlbar sind. Der Pick-up lässt sich wie ein Pkw nutzen, wenn der Auflieger auf dem Campingplatz abgestellt ist.

Kleinserien-Hersteller Wochner aus Markdorf am Bodensee erreicht bei der neuen Mujaro-Serie Längsbetten und üppige Kopffreiheit im Alkoven nicht durch ein stark gewölbtes Dach, sondern durch das Kappen der Fahrerkabine. Zudem bieten die wintertauglichen Monocoque-Aufbauten die Wahl zwischen Front- oder der wieder beliebten Hecksitzgruppe.

Bürstner in Kehl, Erfinder des Hubbetts im Teilintegrierten und Marktführer in diesem Segment, kämpft jetzt bei der Fahrzeugausstattung mit dem Gewicht. 60 bis 110 Kilo werden verschiedene Typen durch einen GFK-Boden leichter. Doch jedes gewonnene Kilo, das das Mobil von der 3,5-Tonnengrenze trennt, wird für die immer beliebteren Pedelecs und E-Bikes gebraucht, von denen zwei mit Zubehör und verstärktem Träger locker einen Zentner auf die Waage bringen, die während der Fahrt geladen werden, was die Bordbatterien schont. Und was sicher bald ebenso eifrig kopiert wird wie das Hubbett.

Die CMT in der Messe Stuttgart ist noch bis Sonntag, 22. Januar, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter http://www.messe-stuttgart.de/cmt

Autor: Rolf Müller