Langfinger mit Ideen

Thomas Geiger

Von Thomas Geiger (dpa)

Sa, 15. September 2018

Auto & Mobilität

Die neuen Tricks der Autodiebe fordern Fahrzeugbesitzer heraus.

Dietrich und Brechstange haben ausgedient. Mit ihnen verschaffen sich nur noch wenige Kriminelle Zugang zum Auto. Profi-Knacker kommen längst mit dem Computer, sagen Experten. Doch es gibt Mittel, sich zu schützen.

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Zwar sind die Zahlen im vergangenen Jahr leicht gesunken. Doch unter dem Strich sind 2017 nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 18 000 kaskoversicherte Autos und darüber hinaus mehr als 100 000 Autoteile wie Airbags, Bordcomputer oder Dachgepäckträger aus Fahrzeugen gestohlen worden. Das macht im Schnitt 340 Autos in Deutschland am Tag und in Summe einen Schaden von 520 Millionen Euro, hat der Branchenverband ermittelt.

Die Zeiten, in denen Autodiebe die Fahrzeuge noch mit Dietrich und Brecheisen geöffnet und wie im Fernsehen mit zwei aus der Lenksäule gerissenen Kabeln gestartet haben, sind dabei freilich längst vorbei. Seit geraumer Zeit sind die Langfinger auf dem Technik-Trip und nutzen den Computer, um Fahrzeuge zu knacken. Besonders gefährdet sind dabei nach Angaben des ADAC Autos mit sogenannten Keyless-Go-Systemen, also mit Schlüsseln, die man nicht mehr aus der Tasche holen muss. Sie öffnen per Funksignal die Türen, sobald sich der Fahrer dem Fahrzeug nähert und starten den Motor einfach mit Knopfdruck.

"Der Trick bei Keyless-Diebstählen ist simpel", erklärt der ADAC: Die Funksignale des Autos zum Schlüssel werden verlängert, und der Dieb greift zu. Teuer sind die für die Funkverlängerung erforderlichen Geräte nicht. Sie lassen sich laut ADAC-Experten aus handelsüblichen Elektronikbauteilen von Laien selbst bauen.

Eine weitere gängige Methode ist nach Angaben der AXA-Versicherung eine Kopie des Schlüssels. Mit ihr lässt sich der Wagen bequem öffnen und die Wegfahrsperre deaktivieren. Deshalb gilt die Warnung: "Niemals den Schlüssel in fremde Hände geben." Ebenfalls mit Hilfe der Elektronik lasse sich das Verschließen des Wagens verhindern, so die Versicherung weiter: Dafür senden Diebe ein Störsignal, welches beim Verschließen des Autos mit der Fernbedienung das eigentliche Kommando blockiert. Das Auto bleibt offen. Der Dieb kann den Wagen dann problemlos öffnen. Begünstigt werde dieser Trick durch mangelnde Aufmerksamkeit der Autofahrer, warnen die Versicherungsexperten: Wenn man etwa beim Abschließen des Autos in Gedanken sei und nicht auf Blinksignale oder Klacken der Türverriegelung achte.

Gegen Gelegenheitsdiebe hilft mitunter ein einfacher Tipp: "Lassen sie keine Wertsachen sichtbar im Auto liegen", rät der GDV. So minimiere man die Verlockung und den Schaden: Mobile Navis, Smartphones, Laptops oder andere Wertsachen – kurzum alles, was nicht fest im Auto verbaut ist, werde von der Kasko-Versicherung nicht ersetzt.