Lebensretter mit Knall

Claudius Lüder

Von Claudius Lüder (dpa)

Sa, 11. August 2018

Auto & Mobilität

Der Airbag bleibt gern im Verborgenen und zündet nur im echten Notfall.

Pflicht ist er nicht, dennoch rollt heute kein Auto mehr ohne Airbag vom Band. Der Luftsack ist ein wichtiger Teil der Sicherheit und wird an immer mehr Stellen im Auto verbaut. Hinter dem Auslösen steckt Pyrotechnik.

"Ein elektrischer Impuls sorgt dafür, dass ein Festtreibstoff entzündet wird. Das dadurch freigesetzte Gas strömt dann in den Luftsack", erläutert Matthias Boljen vom Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik in Freiburg. Es führt für die Airbag-Hersteller Belastungstests der verbauten Materialien durch.

Beim Luftsack handelt es sich in der Regel um Kunstfasergewebe. Entfaltet sich so ein Sack, muss er erheblichen Belastungen standhalten können – und das auch nach Jahren, in denen er zusammengefaltet hinter einer Blende steckt. Grundsätzlich werden die Airbagmaterialien laut Boljen weltweit den hohen Qualitätsansprüchen gerecht. Deshalb müsse kein Autofahrer Bedenken haben, dass sein Airbag einmal nicht wie gewünscht funktioniert. Auch könne ein Airbag nie platzen, da er über Auslassöffnungen verfügt, die dafür sorgen, dass eingeführtes Gas wieder austreten kann.

"Airbags sind für die Lebenszeit eines Autos ausgelegt und bedürfen keiner speziellen Wartung", sagt Mirko Gutemann vom Airbag-Hersteller ZF Friedrichshafen. Die Fahrzeugelektronik überprüft das Airbagmodul. Gibt es ein Problem, werde das im Cockpit über eine Kontrollleuchte angezeigt. Wer etwa bei einem Gebrauchtwagen die Airbags überprüfen will, kann hierzu in einer Fachwerkstatt einen Funktionstest machen lassen. "Dort kann getestet werden, ob die Signale für die korrekte Auslösung des Airbags sauber übertragen werden", erklärt Gutemann.

Ausgelöst wird ein Airbag über Sensoren. "Hierfür sind ganz erhebliche Negativbeschleunigungen notwendig, die jenseits denen einer Vollbremsung liegen", erläutert Boljen. Auch müssten mehrere Sensoren gleichzeitig dieselben Beschleunigungswerte messen. Bei leichteren Rangierunfällen etwa löst ein Front-Airbag nicht aus.

Ist der Luftsack einmal aufgegangen, kann und darf er nicht wiederverwendet werden. "In so einem Fall muss das komplette Airbagmodul mit Luftsack, Gasgenerator und Steuergerät ersetzt werden", sagt Gutemann. Da Airbags nur bei wirklich schweren Unfällen auslösen, gebe es immer auch erhebliche äußere Beschädigungen am Fahrzeug. Oft bleibe dem Auto dann nur die Schrottpresse.

Der Klassiker ist der Front-Airbag, der für den Fahrer im Lenkrad und den Beifahrer in der Armaturenblende integriert ist. Er wird seit gut 30 Jahren serienmäßig verbaut, hinzugekommen sind diverse andere Systeme. "Beim Seitenaufprall werden beispielsweise im Sitz integrierte Seiten-Airbags verbaut, zudem gibt es noch seitliche Airbags für den Kopfschutz, die im Dachhimmel integriert sind", sagt Gutemann. Knie-Airbags wiederum werden in der unteren Armaturentafel eingesetzt und sollen bei einem Crash die Sitzposition des Fahrers günstig beeinflussen und so Verletzungen vorbeugen. Ein weiterer Trend: sogenannte Center-Airbags zwischen Fahrer und Beifahrer.