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26. November 2011

Wie der Blitz elektrisiert

BZ-VORSTELLUNG: Opel Ampera – ein Elektroauto mit überzeugendem Konzept und kleinen Macken.

  1. Foto: werk

  2. Foto: werk

  3. Nicht nur technisch, sondern auch optisch hebt sich der Ampera vom Mainstream ab. Foto: werksfotos

Nun muss er sich am Markt bewähren, der Opel Ampera, der, wie auch das Schwestermodell Chevrolet Volt, seit einigen Jahren die Automobilmessen rund um den Globus um den elektrischen Farbtupfer bereichert hat. Für 42 900 Euro kann sich der mutige Automobilist nun ein gutes Gewissen erkaufen und muss dafür nicht einmal unbotmäßige Einschränkungen seiner Mobilität oder seines Komforts erleiden.

Der Opel Ampera ist ein Elektroauto mit zusätzlichem Verbrennungsmotor. Anders als beim Hybridkonzept treibt der Verbrenner die Räder des Ampera nicht direkt an, sondern arbeitet als "Range Extender", als Reichweitenverlängerer also, für den 111 kW/150 PS starken Elektromotor. Geht die Kraft der Batterie zur Neige, treibt der Verbrenner einen Generator an, der die Akkus wieder auflädt.

Rein elektrisch kommt der Wagen mit großer Heckklappe in der Golf-Klasse nach Werksangaben maximal 90 Kilometer weit. Bei ersten Testfahrten im flachen Holland erwiesen sich rund 60 Kilometer als realistisch. Dann nimmt der 1,4 Liter große und 63 kW/86 PS starke Vierzylinder-Benziner seine Arbeit mit einem leisen Brummen auf und beendet das bis dahin lautlose Dahingleiten. Eine Geräuschlosigkeit, mit der so mancher Hollandradfahrer seine Probleme hatte: Es ist gewöhnungsbedürftig, unvermittelt einen Pkw neben sich zu spüren.

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Bis das Benzin verbraucht ist, kann der Ampera rund 500 Kilometer weit fahren. Opel gibt für ihn im Normzyklus einen Durchschnitssverbrauch von 1,2 l/100 km für die ersten 100 Kilometer an. Nur mit dem Verbrenner – also ohne die Batterie neu zu laden – sind es für die weiteren Strecken 4,8 bis 5,0 l/100 km.

Außerdem hat der Ampera-Fahrer die Möglichkeit, seinen Elektro-Opel an jeder 230-V-Steckdose wieder zu ertüchtigen. In manchen Freiburger Einkaufsmärkten werden bereits auch Parkplätze mit Ladestationen angeboten, die E-Autos während der Einkaufszeit kostenlos mit Strom versorgen. Der Haken dabei: Für das vollständige Laden reichen normale Einkaufstouren kaum aus, dauert es doch mehr als sechs Stunden.

Im normalen Betrieb macht der Opel Ampera richtig Freude. Der Elektromotor hat bereits bei Anfahrdrehzahl das volle Drehmoment und katapultiert den rund 1,7 Tonnen schweren Wagen regelrecht von der Ampel weg. Der Dauerlauf auf der Landstraße ist sehr entspannend und leise – auch wenn der Verbrennungsmotor arbeitet. Auf der Autobahn wird der Ampera bis 161 km/h schnell. Im Inneren unterscheidet den Ampera wenig von einem normalen Auto – es sei denn, der Fahrer schaltet das "Mäusekino" im Zentraldisplay ein, das den jeweils aktuellen Kraftfluss veranschaulicht. Ansonsten finden sich die üblichen Instrumente und Features. Die vier Sitzplätze sind ausreichend groß und komfortabel, auch der Kofferraum hat fast klassenübliche Größe. Das liegt daran, dass die Lithium-Ionen-Batterie für den E-Antrieb recht flach unter dem Kofferraumboden versteckt liegt.

Der geringe Verbrauch und die Alltagstauglichkeit des Ampera-Konzepts nötigen automobilen Umweltschützern Respekt gegenüber den Konstrukteuren des Ampera ab. Diese sitzen nicht in Rüsselsheim, sondern in Detroit, weil der Mutterkonzern General Motors Ideen und Personal für das Zukunftsgeschäft bei der Konzernzentrale angesiedelt hat.

Leider scheinen auch die Fertigungsingenieure den Umzug mitgemacht zu haben, denn der Test-Ampera war für den Fahrer zwar was die Antriebstechnik angeht ein Quell steter Freude, für den Qualitätseindruck des Testwagens galt das leider nicht. Neben diverser Karosseriegeräusche entsprachen Verarbeitungsnachlässigkeiten etwa am Armaturenträger oder die Abdeckung des Kofferraums nicht ganz dem hehren Anspruch der innovativen Schräghecklimousine. Das sollte mit dem Serienauto behoben sein, denn wer mehr als 40 000 Euro für ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse ausgibt, wird darauf zu Recht Anspruch erheben.



Autor: Frank Thomas Uhrig