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30. Juni 2012

Manager in den Schnittstellen

BZ-SERIE "Herausforderung Führung" (5): Führen im Team.

  1. In funktionierenden Teams weiß jeder um seine Aufgabe – die Führungskraft ermöglich es dabei jedem Teammitglied, seine Stärken bestmöglich einzubringen. Foto: Uwe Tittel /nordpool/ddp

Lieber ein Knöllchen als ein Gespräch mit dem Chef - das ist das Ergebnis einer Umfrage der Personalberatung DDI Deutschland, Meerbusch. Selten wurden Manager und Politiker, die Führungsleistung zu erbringen haben, so kritisch hinterfragt wie in der gegenwärtigen Situation. Aber selten war Führung, die Orientierung und Perspektive bietet, so wichtig wie heute. In der Serie beleuchten wir Aspekte der Herausforderung Führung.

Das Umfeld, in dem Unternehmen heute agieren, ist von global schneller Veränderung, hoher Komplexität und vernetzten Prozessen gekennzeichnet. In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse immer stärker durch gut aufgestellte Teams und deren reibungslose Kooperation geprägt. Die Teammitglieder kommen dabei nur zum Teil aus dem eigenen Unternehmen, sondern auch noch von Partnerunternehmen in Arbeitsgemeinschaften oder Subunternehmen.

Für die Führungskraft bringt dies weitere Herausforderungen mit sich: die Führung von Projektteams mit disziplinarisch unterstellten Mitarbeitern, zusätzlich mit freien Projektmitarbeitern auf Zeit und Abruf. Wie aber funktioniert dann Führung?

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Regel Nummer 1: Das Team hat klar definierte, herausfordernde Ziele und sinnvolle Aufgaben. Diese sind zum Teil durch die Auftraggeber vorgegeben, werden aber durch den Teamleiter in Zusammenarbeit mit der Gruppe erarbeitet und feinjustiert. Die Führungskraft hat im Idealfall Einfluss auf die Teambesetzung gehabt und dabei kompromisslos auf die passende Personalauswahl gesetzt.

Regel Nummer 2: Das Team ist fachlich kompetent, beherrscht die aktuellen wie auch zweckmäßigen Arbeitsmethoden und -techniken. Ferner passen die Mitglieder im Mix der persönlichen und sozialen Kompetenzen gut zueinander. So sind die Rollen klar verteilt und jeder weiß um seine Aufgabe.

Regel Nummer 3: Wenn die Besten im Team sind, der Kompetenzmix stimmt, dann gilt das Prinzip Selbstverantwortung der Mitarbeiter. Gerade in Projektteams ist es die Aufgabe der Führungskraft, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle möglichst frei von externen Störungen ihre Arbeit verrichten können. Den Worten und Versprechungen müssen hierbei immer die Taten folgen. Die Führungskraft wird zum Schnittstellenmanager, um die Ressourcen zur Leistungserbringung sicherzustellen. Die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Mitarbeiter wird nicht infrage gestellt, vielmehr wird ihnen die Möglichkeit der Leistungserbringung durch die Leitung organisiert. Dies befördert gute Ergebnisse und den internen Teamwettbewerb.

Regel Nummer 4: Das Team muss gewinnen, aber interner Wettkampf muss sein. Die unterschiedlichen Stärken und Kompetenzen der Mitarbeiter werden zur Entfaltung gebracht, die Mängel offen besprochen. Die moderierende Teamleitung hat es verstanden, die notwendige Wertschätzung der unterschiedlichen Fähigkeiten bewusst und diese wirksam werden zu lassen. Kritik am Kollegen ist damit möglich, aber alle wissen um die Möglichkeiten und Grenzen.

Regel Nummer 5: Es sollte auf natürliche Teambildung vertraut werden. Die Mitarbeiter fühlen sich wohl, durch das offene Führungsklima steigt die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Gleichzeitig loten die Beteiligten gerade in der Schlussphase von zeitlich befristeten Projekten ihre Leistungsgrenzen aus, wenn dies für die Zielerreichung erforderlich ist.

Regel Nummer 6: Die eigene soziale Identität ist Teil der Gruppenidentität. So wie jeder Einzelne nach positiver Identität strebt, wird diese auch im Team gesucht. Bei attraktiver Aufgabenstellung und erlebtem Erfolg steigert sich der Zugehörigkeitsanspruch. Die eigene Gruppe wird als überlegen wahrgenommen, hebt das eigene Selbstwertgefühl und man bevorzugt die Mitglieder der eigenen Gruppe.

Regel Nummer 7: Emotionalität befördert das Führungsklima. Deshalb macht es sehr viel Sinn, in zusammengewürfelten Strukturen das Zusammenwachsen des Teams zu Beginn der Startphase zu fördern. Dies muss nicht der kostspielige Segelausflug sein. Eine Hüttenwanderung mit Selbstverpflegung und Übernachtung lässt Teammitglieder, die noch nie zuvor miteinander gearbeitet haben, schneller zueinander finden.

Regel Nummer 8: Interne Kommunikation, besonders die informelle, ist entscheidend. Damit wird die Basis für die Kultur des Informationsaustauschs in der künftigen Zusammenarbeit und für den Erfolg gelegt.

Der Gastautor ist selbstständiger Berater für Personalmanagement. Der sechste Teil dieser Serie erscheint am 28. Juli.

Autor: Rudolf Kast