Wie eine Oase der Ruhe

Falk Zielke

Von Falk Zielke (dpa)

Sa, 28. Juli 2018

Beruf & Karriere

Fahrer von E-Autos loben die Fahreigenschaften, kämpfen aber mit Problemen.

Heulende Motoren, quietschende Reifen, ein röhrender Auspuff: Für manche Autofans gehört so etwas zu einem echten Fahrzeug einfach dazu. E-Autos können da kaum mithalten. Elektroauto haben ihre ganz eigenen Fahreigenschaften.

Zum Beispiel die Beschleunigung. An der Ampel lässt man auch mit kleineren E-Autos größere Sportwagen durchaus mal stehen, sagt Christian Löer, Marketingchef von Jaguar Deutschland. Der Spaß am Fahren sei einer der großen Reize von Elektroautos, findet er: "Ich bin mit Autos aufgewachsen und hatte große Vorbehalte." Die waren sofort weg, als er das erste Mal in einem E-Auto fahren konnte. Den Sound eines V8-Motors vermisst er jedenfalls nicht.

Bei der breiten Masse ist diese Liebe noch nicht angekommen. Ein Grund ist nach Ansicht von Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen das derzeit noch knappe Angebot an unterschiedlichen Elektromodellen. "Das wird sich aber ändern müssen", sagt der Autoexperte.

Den Umstieg von einem Benzinauto auf ein elektrisches Fahrzeug hat auch der BMW-Manager Wieland Brúch nicht bereut. Rollen statt rasen – das ist ein Gefühl, das man als Fahrer von Elektroautos schnell bekommt. Schön sei, dass es leise sei. Im Vergleich zu herkömmlichen Autos mit Motorengeräusch seien E-Autos fast so etwas wie eine Oase der Ruhe.

Zwar ist der Sprint an der Ampel jederzeit möglich. "Ich muss das aber nicht ständig beweisen", sagt Brúch. Zumal zügige Fahrten auch am Ladezustand der Batterien zehren. Umgekehrt kann man mit vorausschauendem Fahren die Batterie immer auch ein wenig wieder aufladen; auch das mache einen Teil des Fahrspaßes bei Elektroautos aus. Denn E-Autos belohnen den Fahrer: In den Displays kann man zusehen, wie die Reichweite steigt oder die Ladekapazität der Akkus zunimmt.

Mitunter werden, wie zum Beispiel im BMW i3, für effizientes Fahren Sterne verteilt. Je länger man sparsam mit der Energie umgeht, je mehr bekommt man. Das spornt an. "Früher ging es darum, den Berg so schnell wie möglich hochzukommen", erzählt Brúch: "Heute freut man sich, wenn sich beim Runterfahren die Batterie wieder auflädt." Reichweite ist jedoch einer der kritischen Punkte bei der Elektromobilität. "Noch herrscht bei den meisten Kunden Angst vor zu geringer Reichweite", erklärt Gareth Dunsmore, Direktor Elektrofahrzeuge bei Nissan Europe. Aus seiner Sicht ist das aber ein vorübergehendes Problem. Denn mit jedem neu entwickelten Elektroauto nimmt auch die Reichweite zu. Der neue Nissan Leaf etwa kommt im Stadtverkehr nach Angaben des Herstellers inzwischen auf bis zu 415 Kilometer pro Akkuladung. Und Jaguar verspricht für den I-Pace sogar bis zu 480 Kilometer Reichweite.

Außerdem wird die Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren vermutlich ausgebaut werden. "Wenn es bald möglich sein wird, das Auto an der Straßenlaterne zu laden, wird das vielen Angst vor E-Autos nehmen", sagt Dunsmore. "Dann können Sie Ihr Fahrzeug aufladen, wenn Sie parken." Zur Tankstelle muss dann nicht extra gefahren werden.