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23. Oktober 2010

Die Terrorwaffe des kleinen Mannes

Laserpointer machen Himmel, Straßen und Fußballplätze unsicher – warum ein harmloses Professorenwerkzeug zum gefährlichen Lichtschwert werden kann .

Ein heller Strahl am dunklen Himmel. Wie ein endloses Lichtschwert aus "Star Wars" sieht es aus, nur etwas schmaler. Was nach einem Gerät aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist in jedem Büro weltweit zu Hause. Fast jeder, der Präsentationen hält, nimmt die zivile Version eines Lichtschwerts in die Hand – einen Laserpointer. Doch auch wenn man mit einem normalen Leuchtstift nicht die dunkle Seite der Macht bekämpfen kann, so ist er doch auch zum Missbrauch geeignet.

In den letzten Jahren wurden die praktischen Leuchtstifte immer mehr zu einem Ärgernis. Erst vorletzte Woche blendeten Unbekannte den Piloten einer Lufthansa-Maschine über Unterfranken in 10 000 Metern Höhe. Für solche Attacken sind nicht die einfachen Laserpointer, wie es sie im Schreibwarenladen zu kaufen gibt, verantwortlich. Sie haben eine zu geringe Leuchtkraft. Illegal importierte Geräte, welche die in Deutschland zugelassene Stärke von maximal einem Milliwatt bei Weitem überschreiten, können aber problemlos ein Cockpit in mehreren Hundert Metern Höhe erreichen und den Piloten ablenken oder blenden.

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Jörg Handwerg, Pressesprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, beobachtet das Problem mit den Laserpointern mit Sorge. "Fälle, in denen Piloten im Landeanflug mit den Lasern geblendet werden, treten immer öfter auf", sagt Handwerg. Allein 40-mal wurden im Jahr 2009 dem Bundesamt für zivile Luftfahrt in der Schweiz derartige Zwischenfälle gemeldet – Tendenz steigend. Der Pilot könne so abgelenkt werden, dass er die Kontrolle über das Flugzeug verliert oder es werde die Sehkraft durch den hellen Strahl beeinträchtigt, warnt Handwerg. "Wir haben aber noch keine praktikable Möglichkeit der Prävention gegen solche Laser-Attacken gefunden." Filter auf den Cockpit-Scheiben wären als Schutz gegen die Attacken denkbar, doch die Laserstärke sei so unterschiedlich, dass es keinen einheitlichen Filter für die Fenster gäbe.

Doch nicht nur Flugzeug-Piloten werden mit starken Laserpointern geblendet. Auch Autofahrer, Zugführer und Rettungshubschrauberpiloten sind Opfer von solchen Attacken geworden. In der Nähe von Osnabrück verlor kürzlich ein Busfahrer angesichts des Laserpointer-Strahls mehrerer Jugendlicher kurzzeitig die Kontrolle über den Bus – zum Glück ohne schlimme Folgen."Es kam auch schon vor, dass Rettungseinsätze mit dem Hubschrauber abgebrochen werden mussten, weil der Pilot durch den Strahl nicht mehr richtig sehen konnte", berichtet Jörg Handwerg. Selbst Fußball-Torhüter müssen sich inzwischen vor Laserlicht fürchten.

Auch Wolf-Dieter Ebersbach vom Flughafen Baden-Baden hat Erfahrungen mit dem gefährlichen Spielzeug gemacht. "Zum Glück fliegen immer zwei Piloten zusammen, so dass einer einspringen kann, wenn der andere geblendet ist", sagt Ebersbach. Bisher habe man nur zwei Fälle gehabt, bei denen Unbekannte versucht hätten, den Piloten im Landeanflug auf den Flughafen zu blenden. Den Tätern sei man aber nicht habhaft geworden, so der Pressesprecher Ebersbach.

Erlaubt sind in Deutschland lediglich Laserpointer mit einer Stärke bis zu einem Milliwatt. Was für ein Schaden im menschlichen Auge mit so einem Strahl angerichtet werden kann, hängt von der Stärke des Lasers und der Dauer der Bestrahlung ab. Thomas Neß, Oberarzt der Sektion Retinologie/Netzhauterkrankungen der Uni-Augenklinik in Freiburg schließt Verletzungen mit einem gewöhnlichen Laserpointer aus dem Handel aus. Im normalen Alltag könne einem Erwachsenen mit einem Laser mit bis zu einem Milliwatt Stärke nichts passieren. Zudem würde der Schließreflex so schnell greifen, dass es zu keiner Verletzung kommen könne. Bei Kleinkindern müsse man jedoch aufpassen, da der Reflex noch nicht ausgereift ist.

Wenn jedoch ein stärkerer Laser das Auge treffe, werde in der Schicht unter der Netzhaut die Energie des Lasers absorbiert und dadurch die Schicht mit den Sehzellen erhitzt und verbrannt, erklärt Neß. Es können sich Narben bilden, welche die Sehkraft beeinträchtigen. Solch eine Verbrennung fände allerdings erst bei einer Laserstärke ab 300 Milliwatt statt, betont Neß. Eine Verletzungen, die er selbst aus seinem ärztlichen Alltag nur von Bundeswehr-Soldaten und deren leistungsstarken Laserziel-Systeme kennt.

Der Import und Handel von Laserpointern mit mehr als einem Milliwatt ist nicht grundsätzlich verboten. Privatpersonen benötigen allerdings einen Berechtigungs-Nachweis, um stärkere Laser erwerben zu können. Aus Fernost lassen sich aber Leuchtstifte mit einer Stärke von mehreren hundert Milliwatt bestellen. Im Alltag sind solche stärkeren Pointer oft gar nicht mehr zu benutzen, da ihr Lichtstrahl Papier entzünden oder sogar CD-Hüllen durchbrennen kann .
"Wir finden häufig Laserpointer, die über die zugelassene Stärke gehen", sagt Christine Kolodzeiski, vom Hauptzollamt in Frankfurt am Main. Bis jetzt habe man allein im Lufthansa-Cargo-Center 200 Stück abgefangen. In einem anderen Teil des Zollamtes kam eine Großlieferung mit 931 Pointern an. "80 Prozent davon überschritten die zugelassene Stärke", so die Pressesprecherin.

Ende August hat man in Karlsruhe zwei Männer dabei erwischt, als sie einen Straßenbahnfahrer mit einem Laserpointer blendeten. Der Laser war über einem Milliwatt stark. Sie müssen mit einer empfindlichen Strafe rechnen. "Das kann als ein gefährlicher Eingriff in den Flug- oder Straßenverkehr eingestuft werden und wird dann mit einer Geld- oder sogar Freiheitsstrafe geahndet", sagt Fritz Bachholz, Pressesprecher der Polizei Karlsruhe. Da der Straßenbahnfahrer in die Augenklinik gebracht werden musste, erwarte die beiden nicht nur ein Verfahren wegen Eingreifen in den Bahnverkehr, sondern auch wegen Körperverletzung.

Autor:                     Von Anna Schneider