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02. Januar 2016

Auf Sparflamme

Jüngst zeigte eine Studie: Viele Erdgaskunden zahlen zu viel / Wie der Wechsel zu einem günstigeren Tarif oder Anbieter funktioniert.

20 Millionen Haushalte heizen hierzulande mit Erdgas. Eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion zeigte vor einigen Tagen: 2015 gaben die Versorger ihre niedrigeren Einkaufspreise kaum an die Kunden weiter. Für viele Verbraucher könnte daher ein Anbieterwechsel besonders interessant sein – laut Stiftung Warentest sind mehrere Hundert Euro Ersparnis möglich. Verbraucherschützer raten aber, die Tarife gut zu studieren.



Wie groß ist die Auswahl

an Gasanbietern?

Der Erdgasmarkt hat sich seit der Liberalisierung in den 90er-Jahren grundlegend gewandelt. Heute gibt es laut Vergleichsportal Verivox mehr als 900 Anbieter, die in Deutschland Erdgas vertreiben. Sie arbeiten meist regional. Immerhin etwa 95 Anbieter gibt es demnach im Durchschnitt je Postleitzahlengebiet.



Wie finde ich den günstigsten

unter den seriösen Gasanbietern?
Preisvergleichsrechner wie Verivox oder Check24 finden sich im Internet. Dort geben Nutzer den Jahresverbrauch in Kilowattstunden und die Postleitzahl ein. Sie erhalten eine Liste der Anbieter samt Konditionen. Wenn auf der Gasrechnung der Verbrauch nur in Kubikmetern angegeben ist, kann dieser Wert mit 9,2 multipliziert werden, um einen annähernden Wert in Kilowattstunden zu erhalten. Verbraucher sollten sich darüber im Klaren sein, dass die kostenlosen Vergleichsportale im Internet zwar sehr hilfreich bei der Suche nach dem besten Gasanbieter sein können, dass sie sich aber per Provisionen sowie Werbung von Gasanbietern finanzieren. Die Standardsuche bei den Vergleichsportalen ist deshalb häufig so voreingestellt, dass nicht zwangsläufig der beste und langfristig günstigste Tarif oben angezeigt wird. Verbraucherschützer raten Nutzern, die Voreinstellungen der Suche zu kontrollieren und die angebotenen Vorschläge kritisch zu überprüfen. Am besten zwei Portale benutzen! Wichtig: Tarife mit Vorkasse sollten in jedem Fall bei der Suche ausgeschlossen werden. Sie können ein Hinweis auf unseriöse Geschäftsmodelle von Billiganbietern sein. Bei einer Insolvenz eines solchen Anbieters ist das Geld oft weg.

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Wie viel kann ich sparen?
Wer in der teuren Grundversorgung seines lokalen Gasanbieters ist, kann bei diesem bleiben, sollte aber dringend in einen günstigeren Tarif wechseln. Was einen Wechsel zu einem anderen Anbieter betrifft, so hat der Hamburger Energiefachmann Steffen Bukold im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion herausgefunden, dass die Preisunterschiede einzelner Anbieter in einer Region bei gleicher Leistung nicht selten mehr als zehn Prozent ausmachen. Laut der Stiftung Warentest lohnt sich der Wechsel vor allem mit Blick auf Wechselboni. Besonders hoch sind demnach Sparmöglichkeiten für Kunden, die bereit sind, ihren Tarif jährlich zu wechseln (Finanztest, Heft 11/2015). Boni werden Neukunden in der Regel im ersten Jahr gewährt. Wer im Blick hat, wann das erste Jahr im neuen Tarif um ist, kann mit einem Wechsel zu einem anderen Anbieter wieder aufs Neue einen Bonus kassieren. Einige Musterkunden mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden könnten demnach mehr als 400 Euro sparen. Für Gaskunden, die ihren Tarif nicht oft wechseln wollen, kann es sich lohnen, nach grundsätzlich preiswerten Tarifen zu suchen. Hierzu einfach bei Vergleichsportalen wie Verivox in den Sucheinstellungen die Wechselboni ausschließen! Der Musterkunde kann dann immerhin noch 237 Euro im Jahr sparen.

Wie lange sollte ich

mich künftig binden?
Die Stiftung Warentest empfiehlt Tarife mit einer mindestens zwölfmonatigen beziehungsweise über die gesamte Laufzeit reichenden Preisgarantie. Die Erstvertragslaufzeit sollte nicht länger als zwei Jahre sein, die Kündigungsfrist bei maximal sechs Wochen liegen. Meiden sollten Kunden Pakettarife über eine bestimmte Gasliefermenge. Denn bei niedrigerem Verbrauch gibt es hier kein Geld zurück.



Wie funktioniert der Wechsel?
Der neue Anbieter übernimmt nach Vertragsschluss in der Regel kostenlos die Abwicklung. Dafür fragt er beim neuen Kunden dessen persönliche Daten sowie die Kundennummer beim bisherigen Anbieter und die Nummer des Gaszählers ab.



Wie schnell komme ich aus
meinem Vertrag heraus?
Das hängt vom Tarif ab. Wer noch nie gewechselt hat und noch in der Grundversorgung ist, kann jederzeit mit einer Frist von 14 Tagen kündigen. Ansonsten steht die Kündigungsfrist im Vertrag. Bei jeder Preiserhöhung hat jeder Kunde das Recht auf eine sofortige Kündigung.



Könnte ich ohne Gas dastehen?
Nein, auch bei Problemen während des Wechsels oder bei einer plötzlichen Pleite des neuen Anbieters kann das nicht passieren. Der lokale Versorger ist gesetzlich verpflichtet, alle Haushalte in seinem Gebiet mit Energie zu versorgen, auch wenn er nicht mehr deren Vertragspartner ist. Er darf dann den teuren Grundpreis fürs gelieferte Gas verlangen.

Autor: dpa/AFP/bür