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12. Juli 2017

Auch Pflege ist Vertragssache

Einen ambulanten Pflegedienst finden.

  1. Wer einen ambulanten Pflegedienst beauftragt, sollte Leistungen vorher im Vertrag festlegen. Foto: Angelika Warmuth (dpa)

Ein ambulanter Pflegedienst kann Pflegebedürftigen und deren Angehörigen helfen, den Alltag in den eigenen Wänden zu meistern. Was Betroffene bei der Suche nach einem Anbieter beachten sollten und was in dem Vertrag stehen sollte, benennen Pflegeexperten.

Bevor Pflegebedürftige nach einem ambulanten Pflegedienst suchen, sollten sie zwei Fragen klären: Welche Hilfe brauche ich? Was davon sollen professionelle Pflegekräfte übernehmen? "Die Leistungen müssen zu den individuellen Anforderungen passen", sagt die Pflegerin Astrid Schulze. "Muss der Pflegebedürftige beatmet werden, sollte der Anbieter darauf spezialisiert sein."

Außerdem wichtig bei der Auswahl: "Der Pflegedienst sollte nicht allzu weit weg sein", rät Schultze. "Damit er auch in Notfällen schnell helfen kann." Adressen von Anbietern in Wohnortnähe finden Betroffene über die Pflegekassen, Pflegestützpunkte oder online über die Weiße Liste (http://www.weisse-liste.de

Verglichen werden sollten mehrere Angebote. Petra Hegemann, Leiterin des Projekts Pflegeverträge der Verbraucherzentrale: "Idealerweise lassen sich Interessierte einen konkreten Kostenvoranschlag von dem Anbieter erstellen, der zu den eigenen Bedürfnissen passt." Um einen ersten Anhaltspunkt zu bekommen, kann man bei den Pflegekassen nach Preisvergleichslisten fragen.

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Bevor Pflegebedürftige einen Vertrag unterschreiben, sollten sie den Anbieter um ein persönliches Gespräch bitten. "Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Pflegedienst vorab bei einem Hausbesuch kostenlos und ausführlich über seine Leistungen informiert", sagt Schultze. Wichtig: Mündliche Vereinbarungen sollten schriftlich im Vertrag festgehalten werden. Der Grund: "Kommt es zu Schwierigkeiten, gilt nur die schriftliche Vereinbarung", sagt Eugen Brysch aus dem Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Mündliche Vereinbarungen durchzusetzen wird schwierig."

Nur Pflegebedürftige unterschreiben Vertrag

Interessierte sollten auch nach den Kompetenzen des Personals fragen. "Es ist gut zu wissen, welche Leistungen von Hilfskräften und welche von Fachkräften durchgeführt werden", sagt Schultze. Auch die Haftung muss geregelt sein: Der Pflegedienst sollte diese auch bei einfacher Fahrlässigkeit nicht ausschließen. "Das gilt etwa für den Punkt Schlüsselverlust", sagt Hegemann. UAch muss schriftlich fixiert sein, was in Ausnahmefällen gilt, etwa bei einem Krankenhausaufenthalt. "In der Regel ruht der Vertrag dann", erklärt die Verbraucherschützerin. Die entscheidende Frage lautet: Bis wann kann man dem Pflegedienst kostenlos absagen? "Die Frist dafür sollte nicht länger als 24 Stunden betragen."

Noch ein Tipp: Pflegebedürftige sollten im Vertrag besser keine Vorauszahlungen oder Abschlagsrechnungen mit dem Pflegedienst vereinbaren. "Auch hier gilt der Grundsatz: Erst die Leistung, dann die Bezahlung", sagt Brysch. Denn: "Geht der Pflegedienst in die Insolvenz, ist das vorausgezahlte Geld weg", warnt er.

Ist die Entscheidung gefallen, sollte nur der Pflegebedürftige den Vertrag unterschreiben. "Andernfalls kann der Pflegedienst auch gegenüber dem Angehörigen finanzielle Ansprüche geltend machen", erklärt Hegemann. Am Ende muss der Pflegebedürftige ein Exemplar des Vertrags erhalten. "Damit hat er den Beweis über die vereinbarten Leistungen in den Händen", sagt Brysch. So kann er Ansprüche leichter geltend machen und Details zu den Vertragsbedingungen nachlesen.

Der Pflegebedürftige kann den Vertrag jederzeit fristlos kündigen. Für den Pflegedienst sollte hingegen eine möglichst lange Kündigungsfrist gelten. "Vier bis sechs Wochen sind empfehlenswert", sagt Hegemann. "Oder der Anbieter darf erst kündigen, wenn die weitere Versorgung des Pflegebedürftigen gesichert ist", sagt sie. Dann kann man bei Problemen in Ruhe einen anderen Anbieter suchen.

Autor: Isabelle Modler (dpa)