06. August 2008
Schwindel, Zittern, Schweißausbruch
FREIBURG Designerdrogen, das heißt, synthetisch hergestellte Rauschstoffe, sind ein verbreiteter Bestandteil der Partyszene. Heute prüft der Bundesgerichtshof, ob die Strafbarkeit bei der Designerdroge Crystal Speed verschärft werden muss. Doch was enthält diese Droge eigentlich? Und welche Drogen gibt es sonst noch in der Szene? Wie gefährlich sind sie? Ein Überblick:
Amphetamin ("Speed"): Vollsynthetisches Amphetamin wird in der Partyszene als Speed bezeichnet. Es wird normalerweise als Pulver durch die Nase gezogen. Kurz nach der Einnahme werden mehr körpereigene Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin ausgeschüttet. Schmerzempfinden, Hungergefühl und das Schlafbedürfnis werden herabgesetzt, die Leistungsfähigkeit steigt. Amphetamine wirken sechs bis zwölf Stunden lang. Dabei erhöhen sich Atmung, Puls und Blutdruck. Speed wird fast immer gestreckt, daher ist unklar, wie viel Amphetamin man zu sich nimmt. Bei akuter Überdosierung kann es zu Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Erhöhung der Körpertemperatur, Schlaganfall und Netzhautschädigungen kommen. Die häufigste Todesursache bei Speed ist Herz- und Kreislaufversagen. Amphetamine machen nicht körperlich, aber psychisch abhängig.
Methamphetamin ("Crystal"): Unter der Bezeichnung Crystal Speed versteht man nahezu reines Methamphetamin in kristallisierter Form. Methamphetamin wirkt ähnlich wie Speed, aber deutlich stärker und länger (bis zu 30 Stunden). Deshalb besteht die Gefahr, dass Speed-Konsumenten Crystal viel zu hoch dosieren. Zeichen der Überdosierung sind Schwindel, Zittern, Schweißausbrüche, Blutdruckabfall und Erbrechen. Es können Hirnblutungen ausgelöst werden, die Lähmungen – auch lebensgefährliche Atemlähmungen – zur Folge haben. Bei häufigem Konsum führt Crystal zu körperlichem Verfall. Es kann zu schnellem Gewichtsverlust, Zahnausfall und dauerhafter Blutdruckerhöhung kommen. Wie bei Speed ist auch bei Crystal die Gefahr groß, psychisch abhängig zu werden. Allerdings ist die Verbreitung in Deutschland nicht sehr hoch. Laut Hans Cousto vom Verein Eve & Rave, der sich für sicheren Konsum in der Partyszene einsetzt, ist Crystal vor allem in den an Tschechien grenzenden Bundesländern Thüringen und Sachsen und in Nordbayern verbreitet. Denn in Tschechien werde die Droge hergestellt und sei zudem dort viel populärer als in Deutschland, so Cousto.
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Methamphetamin wurde als Medikament bis in die späten 80er Jahre unter dem Namen Pervitin eingesetzt. Es diente Soldaten ebenso wie Krankenschwestern bei der Nachtschicht als Durchhaltepille. Seit dem 1. März 2008 ist Methamphetamin kein verschreibungsfähiges Medikament mehr.
GHB/GBL ("Liquid Ecstasy"): Unter der Bezeichnung Liquid Ecstasy verbigrt sich Gammahydroxybuttersäure (GHB). Mit der Partydroge Ecstasy hat diese Substanz nichts gemeinsam. GHB fällt seit 2002 unter das Betäubungsmittelgesetz. Der Besitz des Grundstoffes Gamma-Butyrolacton (GBL) ist noch nicht strafbar, obwohl der Körper GBL nach der Einnahme in GHB umwandeln kann. GBL wird als Lösungsmittel in der Industrie angewendet.
Liquid Ecstasy stimuliert die Wachstumshormone und regt den Fettstoffwechsel an. In der Technoszene wird es zur Stimmungsaufhellung und Luststeigerung eingesetzt. Es wird flüssig eingenommen und wirkt etwa drei Stunden. Weil bei hohen Dosierungen schnell Müdigkeit einsetzt und die Droge nicht lange nachzuweisen ist, sind in jüngster Zeit auch Fälle von Vergewaltigungen nach der Verabreichung von GHB vermutet worden. In Kombination mit Alkohol oder Opiaten kann GHB tödlich wirken. Der regelmäßige Konsum von GHB kann zu Schlaflosigkeit und psychischer Abhängigkeit führen.
MDMA, MDE, MDBD ("Ecstasy"): Unter der Bezeichnung Ecstasy werden verschiedene Substanzen verkauft. Die Dosierung kann enorm schwanken. Ecstasy gehört zu den Amphetaminabkömmlingen und bewirkt die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin, der für die Erzeugung von Glücksgefühlen verantwortlich ist. Das Einfühlungsvermögen wird gesteigert, Aggressionen und Ängste gemindert. Da die körpereigenen Warnsysteme ausgeschaltet werden, kann es zu einer Austrocknung des Körpers oder Hitzeschlägen kommen. Experten vermuten, dass ein langjähriger Konsum Hirnschäden verursachen kann. Bei Dauerkonsumenten wurden Gedächtnisstörungen und andere Leistungsminderungen des Gehirns nachgewiesen. Ecstasy macht ebenfalls nicht körperlich abhängig. Es besteht aber die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit.
Weitere Infos unter drugcom.de;
mind-zone.org; eve-rave.net
Autor: Laetitia Obergföll





