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11. Juli 2012

Arbeiten trotz Pflege

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer profitieren von besserer Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

  1. Häusliche Pflege und Berufstätigkeit ist nicht immer einfach in Einklang zu bringen. Foto: dpa

Familienfreundlichkeit zahlt sich für deutsche Unternehmen heutzutage mehr denn je aus. Darunter fällt zunehmend auch das Thema Angehörigenpflege. Während für Familien mit Kindern eine Vielzahl von flexiblen Modellen angeboten wird, wird dem Thema noch nicht überall die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei können schon einfache Lösungen schon viel bewirken.

Laut einer vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegebene Studie sind 67 Prozent der 25- bis 39-Jährigen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bereit, ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Pflegende Mitarbeiter zu unterstützen wird zum Wettbewerbsvorteil. "Der demographische Wandel und der Fachkräftemangel fordern die Unternehmen zum Umdenken heraus", prognostiziert Christiane Siebert. Sie entwickelt für Unternehmen Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege.

Und auch der Gesetzgeber hat darauf reagiert: Seit 2008 haben pflegende Arbeitnehmer durch das Pflegezeitgesetz (PfZG) einen Rechtsanspruch auf Pflegezeit, wenn sie einen Angehörigen zu Hause pflegen. Der Begriff Angehörige wurde weit gefasst, indem neben engen Verwandten auch unverheiratete Lebenspartner, dessen Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder, aber auch Schwieger- und Enkelkinder dazuzählen. Bis zu sechs Monaten können sich Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber ganz oder teilweise freistellen lassen. In dieser Zeit müssen sie jedoch auf ihr Gehalt verzichten.

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Mit dem neuen Familienpflegezeitgesetz (FPfZG), das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, geht der Gesetzgeber noch einen Schritt weiter: Beschäftigte können bis zu 24 Monate ihre Arbeitszeit auf mindestens 15 Stunden pro Woche reduzieren. Damit ihnen dadurch keine enormen finanziellen Einbußen entstehen, bekommen sie bei 50 Prozent Arbeitszeit 75 Prozent ihres Gehalts. Nach Ende der Familienpflegezeit – sollte der Arbeitnehmer wieder voll arbeiten – erhält er monatlich weiterhin drei Viertel des Lohns. Einen Rechtsanspruch auf die Familienpflegezeit gibt es jedoch nicht.

Pflege ist jedoch nicht zeitlich begrenzt, Dauer und Umfang sehen unterschiedlich aus. Der Durchschnittszeitraum beträgt in den meisten Fällen mehr als zwei Jahre, aber auch mehr als zehn Jahre sind keine Seltenheit, und das ein bis sieben Stunden pro Tag, sieben Tage pro Woche. Pflege verlangt viel von den Angehörigen ab, sowohl körperlich, psychisch als auch sozial. "Das eigene Leben ist irgendwann nicht mehr gestaltbar. Alles dreht sich nur noch um die Pflege", sagt Siebert. Profitieren würden Seiten, weder Mitarbeiter noch Arbeitgeber hätten wirtschaftliche Verluste. Überlastete Mitarbeiter seien gefährdet, krankheitsbedingt auszufallen, Konzentrationsdefizite bei der Arbeit könnten dauerhaft Qualitätsverluste mit sich bringen. Auch die damit verbundene Rekrutierung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter kann auf Dauer kostspielig werden.

TIPP: URLAUBSVERTRETUNG

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf 28 Tage bezahlte Urlaubsvertretung im Jahr. Dies heißt dann Ersatz- oder Verhinderungspflege. Die Kosten in Höhe bis zu 1550 Euro übernimmt die Pflegekasse auf Antrag. Voraussetzung für die Leistung ist, dass die Pflege mindestens schon ein Jahr lang angedauert hat. Die Ersatzpflege kann entweder von einer professionellen Pflegekraft oder von einer sonstigen Person aus dem Umfeld des Gepflegten übernommen werden.  

Autor: BZ

Autor: Sandra Megahed