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07. November 2016

"Nicht nur auf Trends achten"

Interview mit Juwelier Roland Schillinger über Trauringkauf im Internet und warum eine große Auswahl gut ist.

  1. Roland Schillinger Foto: Promo

Glitzernde Brillanten, mehrfarbiges Gold oder schlicht Platin – die Auswahl kann schwierig sein, wenn man auf der Suche nach dem einen Ehering ist. Juwelier Roland Schillinger aus Ettenheim steht Paaren mit Rat und Tat zur Seite. Im Gespräch mit Lissi Savin berichtet er von Vorsteckringen und der Zukunft des Trauringmarkts.

BZ: Sie bieten 8000 Ringe an – eine große Auswahl. Überfordert das nicht manche Paare?
Roland Schillinger: Wenn Kunden das erste Mal hier sind, sind sie im ersten Moment total überrascht. Dann heißt es oft: Oje, so viele Ringe – wie sollen wir da den richtigen finden? Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die Kunden sich meist innerhalb einer halben bis einer Stunde entschieden haben. Die große Auswahl macht es sogar einfacher. Sie schauen sich die Ringe an und legen diejenigen, die ihnen gefallen auf eine Ablage. Wenn sie alle angesehen haben, werden die Ringe verglichen, und das Paar kann die finale Entscheidung treffen.

BZ: Haben Ihre Kunden genaue Vorstellungen oder brauchen sie Tipps?

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Schillinger: Ein Drittel hat ungefähre Vorstellungen. Sie wissen zum Beispiel, dass sie einen Ring in Weißgold wollen, die Dame möchte ein Brillant, der Herr einen schlichten Ring. Die Details erklären wir den Kunden – etwa die Unterschiede zwischen Palladium, Platin, Gold und Silber.

BZ: Welche Trends gibt es zurzeit?
Schillinger: Ringe mit vielen Brillanten sind gerade im Kommen. Man kann mit fünf oder zehn Steinen anfangen, und dann immer einen Stein nachfassen. Ein anderer Trend ist, dass Paare nicht mehr den identischen Ring tragen. Das kommt auch daher, dass der Verlobungsring einen ganz neuen Stellenwert hat. Wie in Amerika kann er ungefähr drei Monatsgehältern entsprechen. Jetzt verstärkt sich der Trend immer mehr, dass der Trauring als Vorsteckring gekauft wird. Außerdem gibt es einen Vorsteckring fürs erste Baby. Den trägt man dann zum Verlobungs- und Trauring dazu.

BZ: Sollte man auf Trends achten?
Schillinger: Bei einem Trauring sollte man immer nach dem persönlichen Gefühl gehen, und nicht nur auf Trends achten, weil die sich jährlich ändern. Einen Trauring kauft man aber fürs ganze Leben.

BZ: Bekommen Sie Geschichten über die Heiratsanträge mit?
Schillinger: Ja, das wird meistens im Urlaub gemacht. Viele machen den Antrag in einer Kirche, an einer Treppe, wo der Mann plötzlich niederkniet oder beim Abendessen in einem schönen Restaurant. Vor dem Antrag kommen Frauen auch schon mal bei uns ins Geschäft und sagen: Sollte mein Freund mal kommen, könnte mir dieser Ring gut gefallen.

BZ: Bei Ihnen kann man auch online Ringe bestellen. Kann man dadurch dasselbe Resultat erzielen wie im Studio?
Schillinger: Wir haben online 15 Ringkonfiguratoren, an denen man beispielsweise die Farbe und die Breite ändern kann. Es besteht auch die Möglichkeit, Streifen hinzuzufügen, aber sobald die Ringe individuell sein sollen, muss man ins Geschäft. Es gibt zum Beispiel verschiedene Hersteller, die unregelmäßige Ausbuchtungen oder schrägverlaufende Muster auf Ringen anbieten. So etwas können Sie am Computer nicht gestalten.

BZ: Werden in Zukunft Trauringe nur noch online gekauft?
Schillinger: Seit zwei Jahren hat sich der Trend in die andere Richtung gedreht. Der Umsatz geht aus dem Netz in die Geschäfte. Mittlerweile eröffnen Firmen, die früher nur im Internet verkauft haben, vor Ort Geschäfte, damit sie Kunden beraten können. Beratung ist für uns das Wichtigste.

Autor: bz