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28. Januar 2013

140 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee

Während beim persönlichen Wasserverbrauch eifrig gespart wird, hinterlassen wir beim virtuellen Wasser riesige Fußabdrücke.

  1. Wird der Kaffee im regenreichen Hochland angebaut, Foto: MARIO LOPEZ

  2. wird von einem grünen Wasserfußabdruck gesprochen. Foto: TONY KARUMBA

Damit Sie morgens eine Tasse Kaffee genießen können, braucht es im Durchschnitt etwa 140 Liter Wasser. Nein, damit wird weder der Kaffee aufgesetzt noch die Tasse gespült – dieses Wasser spielt bereits beim Wachsen des Kaffeebaums eine Rolle. Und weil Sie das nie zu sehen bekommen, sprechen die Experten von sogenanntem virtuellem Wasser. "Dieses Modell soll dem Endverbraucher eine Vorstellung davon vermitteln, wie viel Wasser eingesetzt wird, bis ein Produkt schließlich daheim auf dem Tisch steht", sagt Markus Weiler, Professor für Hydrologie am Institut für Hydrologie der Universität Freiburg. Das heißt konkret: Wie viel Wasser nimmt ein Kaffeebaum während des Wachstums auf? Wie viel Wasser wird bei jedem einzelnen Herstellungs- und Verarbeitungsschritt der Bohnen benötigt? Wie viel Wasser kommt beim Verpacken, wie viel beim Versand des Kaffees zum Einsatz? Aus all diesen Werten wird dann errechnet, wie hoch der virtuelle Wasserverbrauch für ein Kilogramm Röstkaffee ist. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 18 925 Litern. Macht 140 Liter pro Tasse. "Solche Zahlen helfen den Menschen dabei, Produkte richtig zu bewerten und einschätzen zu können, mit wie viel – vielleicht unnötigem – Aufwand sie hergestellt worden sind", erklärt Weiler. Das trifft für Kaffee und das Steak zum Abendessen genauso zu wie für den neuen Familienwagen oder die Jeans zum Geburtstag.

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Wenn Konsumgüter die Ressource Wasser verbrauchen, hinterlassen sie damit Spuren im Kreislauf der Natur – deshalb spricht man von einem Wasserfußabdruck. Diesen Wasserfußabdruck müssen die Hersteller bisher nicht auf ihren Produkten angeben. Die Verbraucher haben als Anhaltspunkt daher nur die Jahreszeit und die Herkunft eines Produktes zur Verfügung, um sich eine Vorstellung vom virtuellen Wasserverbrauch zu machen. Generell gilt: Je mehr virtuelles Wasser für ein Kleid, einen Salat oder ein Kilogramm Fleisch verbraucht wird, umso problematischer und ökologisch fragwürdiger ist das
Produkt. Hier sollte man jedoch ein wenig genauer hinschauen und in grünes und graues virtuelles Wasser unterscheiden. Kakao zum Beispiel braucht enorm viel virtuelles Wasser, nämlich 19 928 Liter pro Kilo- gramm. Da der Kakaobaum aber hauptsächlich im tropischen Klima wächst und es dort reichlich regnet, muss er kaum künstlich bewässert werden. Sein Wasserfußabdruck ist also zu nahezu 100 Prozent grün. Gleiches gilt für Kaffee, der in Venezuela, Ecuador oder Tansania in tropischen Regionen angebaut wird. Wird Kaffee aber im Tiefland angebaut, in Gebieten mit Trockenwäldern und Savannen, wie das zum Beispiel in Brasilien der Fall ist, dann müssen die Bauern künstlich bewässern. Dieses Wasser würde an anderer Stelle meist dringender gebraucht, der Anteil des grauen Wassers am Wasserfußabdruck steigt also. Wer sich hier engagieren will, der sollte Kaffee aus Gebirgsländern bevorzugen und darauf achten, dass ein Bio-Siegel auf der Packung klebt. Denn wenn ohne Dünger und Pestizide produziert wird, wirkt sich das positiv auf den grauen Wasseranteil und somit mögliche Schädigungen der Umwelt aus. Doch auch umgekehrt sollten Verbraucher sich nicht täuschen lassen: Zwar verbrauchen die Erzeuger südspanischer Erdbeeren nur 206 Liter Wasser pro Kilogramm. Doch das wird – teils illegal – aus einem Schutzgebiet gezapft; ein ganz mieser Fußabdruck.

Die Deutschen sind zwar auf Rekordkurs in Sachen Wasser sparen – nur 121 Liter pro Kopf und Tag wurden 2012 gebraucht. Doch was das virtuelle Wasser angeht, besteht hier noch ordentlich Handlungsbedarf: Mehr als 5300 Liter pro Kopf und Tag verbrauchen wir nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Water Footprint Network. Das liegt an der zunehmend globalisierten Welt, dem veränderten Konsumverhalten und der Tatsache, dass wir uns frische Erdbeeren im Winter so schlecht verkneifen können.

Autor: cfr