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02. August 2008

Wie Freiburg noch grüner werden könnte

BZ-Gastbeitrag: Eicke R. Weber möchte den Spitzenplatz der Umweltstadt erhalten und macht dazu Vorschläge

Vor drei Wochen konnte man in San Francisco überall in der Innenstadt Passanten mit Tragetaschen sehen. Auf der einen Seite das Bild der Intersolar-Ausstellung, auf der anderen in großen Lettern "Green City Freiburg". Der amerikanische Fernsehsender Fox, der den Republikanern nahesteht, strahlte vor zwei Wochen in seinen Abendnachrichten eine sehr positive Würdigung der Umweltleistungen Freiburgs aus. Und vergangene Woche kam der japanische Innenminister nach Freiburg. Er berichtete, dass sein Premierminister ihm klargemacht habe, dass es weltweit nur sechs Städte gebe, die man unbedingt besuchen sollte; Freiburg sei eine davon.

Diese Erfahrungen aus nur den vergangenen drei Wochen zeigen, dass es Freiburg gelungen ist, weltweit einen guten Ruf als eine Stadt zu erlangen, in der Umweltschutz und nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen beispielhaft vorgelebt werden. Dazu haben sicher viele Leistungen und Initiativen von Bürgern sowie auch der Stadtverwaltung und des Oberbürgermeisters entscheidend beigetragen. Auch die nun weltweit bekannte Intersolar, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, die Universität und zahlreiche weitere Organisationen und Institute haben sicher Wichtiges zu diesem Ruf beigetragen. Ganz besonders erwähnen möchte ich dabei den Architekten Rolf Disch. Er hat in Freiburg mit beispielhafter Architektur Niedrig- und Nullenergiehäuser gebaut und sogar Positiv-Energiehäuser, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Damit hat er wichtige und weltweit beachtete Beispiele solarer Architektur geschaffen.

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Die Frage ist aber, wird dieser Ruf erhalten bleiben? In den vergangenen Monaten konnte man häufig auch von anderen Städten wie Marburg und Tübingen hören, die sich mit innovativen, auch kontroversen Maßnahmen im Feld der nachhaltigen Energieverwendung zu profilieren versuchen. Wir sollte darüber nachdenken, wie Freiburg bei dieser Konkurrenz seinen einmaligen Ruf erhalten kann.

Die Leivision sollte Freiburg als Niedrig- und später Nullenergie-Stadt sein, jedenfalls was fossile Energien angeht. Derartige Konzepte werden bereits für Retortenstädte in Abu Dhabi oder auch in Asien geplant. Aber eine bereits bestehende Stadt in diese Richtung zu entwickeln, ist eine neue Herausforderung. Dafür gibt es wohl keine bessere Stadt als Freiburg.

Start könnte eine Energieanalyse sein, die den augenblicklichen Energieverbrauch bestimmt und dann jährlich den Fortschritt beim Energiesparen publiziert. Der zweite Schritt müsste ein Masterplan sein, in dem Vorschläge zu effizienterer Energienutzung sowie zur Erzeugung der noch erforderlichen Energie aus erneuerbaren Quellen zusammengestellt werden. Dazu gehört auch ein Zeitplan. Als Ziel wären zehn Jahre oder das Jahr 2020 sehr attraktiv.

Dazu einige Vorschläge: Beginnen sollte man mit einer Kampagne zur energetischen Sanierung des jetzigen Gebäudebestandes. Es sollte darüber nachgedacht werden, wie durch finanzielle Anreize den Hausbesitzern wie auch Mietern eine entsprechende Sanierung attraktiv gemacht werden kann. Durch das Vergeben vielleicht sichtbar angebrachter grüner, gelber und roter Plaketten könnte sozialer Druck erzeugt werden. Die Vorschriften für Neubauten sollten in Richtung auf Nullenergiehäuser entwickelt werden. Zusätzlich könnte sich die Stadt stärker auf dem Gebiet der Erzeugung erneuerbarer Energien engagieren. Alle Möglichkeiten der Nutzung von Wasserkraft und Solarenergie im Stadtgebiet wie auch außerhalb sollten genutzt werden. Ein interessantes Nahziel könnte eine Solaranlage sein, welche die Freiburger Straßenbahn zu 100 Prozent mit Solarstrom versorgt.

Autos sollten in der Stadt elektrisch fahren
In den kommenden Jahren werden wir auch die Einführung von sogenannten Plug-in-Hybridautos erleben, die elektrische und Verbrennungsmotoren haben und Batterien, die 20 bis 50 Kilometer elektrische Fahrt erlauben. Mit solchen Autos könnten wir in Freiburg sicher einen großen Teil des täglichen Berufsverkehrs rein elektrisch fahren, und wenn im Stadtgebiet Solartankstellen das Aufladen erlauben, wäre wenigstens der Verkehr Montag bis Freitag rein elektrisch möglich. Wenn solche Autos allgemein erhältlich werden, könnte auch die Innenstadt solchen Elektro- beziehungsweise Hybridautos vorbehalten werden.

Die Umsetzung einer solchen Vision wird viele weitere Ideen erzeugen. Damit könnte die Rolle Freiburgs als führende Green City erhalten bleiben.

– Der Autor leitet das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg.