Architektur im Blick

Bauhaus in Deutschland

Karen Willen

Von Karen Willen (dpa)

Sa, 09. Februar 2019

Reise

Weimar, Dessau, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und Friedrichshafen: Unterwegs auf den Spuren der Bauhaus-Architektur und des schnörkellosen Designs.

Türklinken, Pfeffer- und Salzstreuer in typischen unverschnörkelten Formen sowie einfache Siedlungsbauten mit bezahlbaren Wohnungen: Das ist Bauhaus. Der avantgardistische Stil der klassischen Moderne zeichnet sich aber auch durch schlichte Einzelvillen, durch Lampen und Möbelstücke aus, die heute noch Designklassiker sind. Das Staatliche Bauhaus wollte nach dem Ersten Weltkrieg neue Lebensverhältn
isse für alle gestalten und bei der Lösung der sozialen Frage helfen. Was aus diesem Aufbruch in die Neue Sachlichkeit geworden ist, zeigen viele Gebäude und Veranstaltungen in Deutschland unter dem Motto "Bauhaus 100".

Weimar
Die erste Station der Reise ist Weimar. Die Stadt, in der die Bewegung damals ihren Ursprung fand, beherbergt die älteste Bauhaussammlung und das erste Musterhaus: Exakt 100 Jahre nach der Gründung des Bauhauses öffnet am 6. April im neugebauten dreistöckigen Kubus das Bauhaus-Museum Weimar am Weimarhallenpark. Mit der Ausstellung "Das Bauhaus kommt aus Weimar" wird auf 1919 verwiesen. Damals holte der Leiter der Weimarer Kunstgewerbeschule, Henry van de Velde, den Architekten Walter Gropius, der als Mitbegründer der modernen Architektur gilt, in die Stadt. Geführte Bauhausspaziergänge zeigen zum Beispiel das streng geometrisch gestaltete Direktorenzimmer von Walter Gropius.
Dessau
Wohnen im Bauhaus in Dessau: Nachdem in Weimar die politische Rechte das Sagen hatte, entzog sie der fortschrittlichen Kunstschule die Gelder. Gropius verhandelte mit Frankfurt, entschied sich aber dann 1925 für Dessau als neuen Standort. Was dort vom Bauhaus zusammengetragen wurde, zeigt die Schau "Versuchsstätte Bauhaus", mit der am 8. September das Bauhaus-Museum Dessau eröffnet wird.

Im Studentenwohnhaus der ehemaligen Hochschule kann man das Bauhaus heute als Hotelgast originalgetreu erleben, mit Duschen auf dem Gang, was damals als fortschrittlich galt.

Während im Museum die Kunstrichtung in ihrer ganzen Vielfalt zu sehen ist, können sich Besucher im Stadtteil Roßlau in den sogenannten Meisterhäusern umsehen. Eine Architekturführung in der sehr geradlinigen Reihenhaussiedlung Dessau-Törten soll vermitteln, was das Bauhaus vor 100 Jahren für bezahlbar und modern hielt.
Berlin
Die größte Bauhaussammlung existiert in Berlin: Die international einflussreiche Hochschule bestand nur 14 Jahre, Berlin war ihre letzte Station. Die Nazis schlossen die Schule 1933, viele Lehrer gingen ins Ausland oder in die innere Emigration. Die größte Bauhaussammlung der Welt aber blieb in der Stadt. Daraus werden unter dem Titel "Original Bauhaus" ab September in der Berlinischen Galerie 14 Objekte und ihre Geschichte gezeigt. Eigens geschulte Gästeführer, sogenannte Bauhausagenten, bringen Besuchern unter anderem die Bauhauspädagogik nahe. So entstand eine der sechs Unesco-Welterbe-Siedlungen der Berliner Moderne, die Siemensstadt, unter direktem Bauhauseinfluss.

Es wird erklärt, wie innovativ und sozial die heute eher klein wirkenden Massenwohnungen damals waren. Das umgestaltete Bauhaus-Archiv in Berlin ist noch nicht fertig. Es wird bis 2022 saniert und um einen Museumsneubau erweitert.
Frankfurt am Main
Die erste voll elektrifizierte Siedlung steht in Frankfurt am Main: Während das Bauhaus in Dessau noch experimentierte, zog man in Frankfurt innerhalb von fünf Jahren 15 000 Wohnungen in 15 verschiedenen Siedlungen im Stil der Neuen Sachlichkeit hoch. Darunter die erste voll elektrifizierte Siedlung für die Mittelschicht, die Römerstadt. Das Deutsche Architekturmuseum am Museumsufer macht vom 23. März bis 18. August mit den damals innovativen Konstruktionsprinzipien vertraut.

Der Katalog dient gleichzeitig als Stadtführer zu den Bauten der Neuen Sachlichkeit in der Stadt. Ein paar Häuser weiter zeigt das Museum für Angewandte Kunst Bauhausikonen wie die Türgriffe von Ferdinand Kramer, die Zeiss-Ikon-Leuchten von Adolf Meyer und die Kaiser-Idell-Leuchten von Christian Dell. Ein komplett rekonstruiertes Haus kann man bei Führungen durch die Römerstadt besuchen. Die Tour gibt auch Einblick in heutige Wohnverhältnisse. Was die Bewohner an den 100 Jahre alten Bauten heute schätzen und was sie vermissen, ist im Historischen Museum vom 16. Mai bis 15. September zu erfahren.

Stuttgart
Das Vorbild für moderne Architektur in Stuttgart: Ludwig Mies van der Rohe als dritter Bauhausdirektor nach Gropius und Hannes Meyer empfahl sich 1927 mit der Leitung der international renommierten Werkbundausstellung Weissenhofsiedlung in Stuttgart. 17 Architekten aus fünf europäischen Ländern bestückten damals den Killesberg mit schnörkellosen Flachdachhäusern, einige Bauten wurden im Krieg zerstört und später ersetzt. In der Siedlung mit der minimalistischen Handschrift zeigt das Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret in der einen Hälfte die Geschichte der Siedlung und in der anderen die Wohnverhältnisse in ihrer ursprünglichen Farbigkeit und Möblierung. Wie Künstler heute über das Bauhaus denken, ist ab Juni in der Ausstellung "Weissenhof City" der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen.

Friedrichshafen
Das Zeppelinmuseum am Bodensee, selbst ein Beispiel der Bauhaus-Architektur, beschäftigt sich unter dem Titel "Ideal Standard" mit den formalen und ideellen Einflüssen des Bauhaus-Designs auf die zeitgenössische Kunst und setzt sich mit zentralen Fragestellungen der Gesellschaft auseinander.