Indischer Ozean

Reisetipps für Mauritius: Blauer geht nicht

Simone Andrea Mayer

Von Simone Andrea Mayer

Di, 10. Juli 2018 um 18:58 Uhr

Reise

Eine Reise nach Mauritius: Unterwegs auf dem Inselstaat im Indischen Ozean, wo die bekannteste Briefmarke der Welt herkommt .

Mauritius ist eine Reise ins Blaue. Da ist der alles überspannende Himmel, der nicht einfach irgendwie blau ist. Er ist tiefazurblau am Morgen und strahlend himmelblau am Mittag. Nachmittags wird sein Blau oft von weißen Wolken, die wie Zuckerwatte aussehen, unterbrochen, manchmal wird der Himmel auch von grauen Schauerwolken bedeckt. Aber das stört kaum. Mit Wolken wirkt ein Foto immer ein klein wenig spannender. Auch bei paradiesischen Stränden.

Und da ist das Blau des Meeres rund um den Inselstaat im Indischen Ozean, der geografisch zu Afrika gehört. Über den Korallenriffen nimmt das Wasser ein intensives Türkis an, an tiefen Stellen einen Azurton und bei Bewölkung ein eindringliches Graublau. Blauer geht nicht.

Um vorweg die Größenverhältnisse deutlich zu machen: Mauritius ist etwas kleiner als das Saarland. Da eignet sich das Auto ganz gut zum Vorankommen, auch weil zumindest die großen Schnellstraßen teilweise besser in Schuss sind als viele deutsche Autobahnen. Spannend ist auch eine Fahrt mit dem öffentlichen Bus, das Liniennetz weit verzweigt. Wer etwas mehr Zeit einplant und es ab und an nicht scheut, auch mal ein paar Meter zu Fuß zu gehen, sieht viel und hat dazu noch Bewegung. Mauritius ist ein Paradies, das erobert werden will.

Deshalb lassen wir auch den Osten der Insel, der von fantastischen Stränden, aber auch von luxuriösen Hotelkomplexen dominiert wird, schnell hinter uns. In Grand Baie im Inselnorden ist es noch ein wenig authentischer und günstiger dazu, auch wenn sich das einst gottverlassene Dorf längst zu einem angesagten Hotspot gemausert hat. Im Zentrum haben viele kleine Cafés geöffnet und Restaurants, die für ihre exotische Küche bekannt sind.

Der Ort ist bei den Einheimischen wegen der vielen Bars und Clubs beliebt. Da kann es schon mal recht quirlig und turbulent zugehen. Wer es beschaulich mag, kann sich in einem der Gasthäuser am Ortsrand in Richtung der Landzunge Pointe aux Canonniers einnisten. Außerhalb des Zentrums ist Grand Baie nämlich noch das, was es vor der Entdeckung durch den Pauschaltourismus war: ein Dorf, in dem es um nichts anderes geht als um den Fischfang und das süße Nichtstun in der Sonne.

An der Hauptstraße steht ein tamilischer Tempel hinter einer rot-weiß-gestreiften Mauer mit Türmen, die von Hunderten von Figuren übersät sind. Ein Spaziergang durch die engen Gassen in Richtung Meer bietet sich an. Auch wenn es so aussieht, als wären hier nur Privatgärten – keine Scheu, einfach weitergehen! Der Weg führt über öffentliches Gelände, nur dass sich die Menschen die letzten Meter zwischen ihren Grundstücken und dem Wasser zu eigen gemacht haben.

Unten am Meer findet abends und an Wochenenden das Leben statt: Die Männer stehen vor Sonnenuntergang an der Kaimauer und werfen die Angeln aus. Dazu dudeln kitschige Liebeslieder aus einem Ghettoblaster. Der Schmalz tropft nur so. Die Alten sitzen schwatzend auf weißen, schon etwas in die Jahre gekommenen Plastikstühlen und kommentieren den Tagesfang der Jungen. Kinder fahren auf kleinen Rädern vorbei.

Dem kleinen, teils etwas baureifen Weg lässt sich über Kilometer folgen. Am meisten Spaß macht es, sich in einem der kleinen Supermärkte ein kühles Bier zu kaufen und sich an einer belebten Ecke zu den Menschen zu gesellen. Ich lese ein gutes Buch und komme nicht umhin, ab und zu aufzublicken, um das Treiben zu beobachten. Das Ganze ist ein recht preisgünstiges Vergnügen: 50 Cent fürs Bier und noch einmal 40 Cent für leckere Bananenchips mit Chili drauf – die Reise ins Blaue muss nicht unbedingt teuer sein. Mauritius ist in diesem Punkt besser als sein Ruf. Und die Touristen werden geschätzt. Jeder Besucher wird freudig, aber mit der nötigen Distanz gegrüßt. "Wir leben vom Tourismus, er gehört einfach dazu, aber wir drängen uns den Menschen nicht auf", sagt der Reiseführer Sameer Takun. "Ich denke, gerade deswegen kommen viele unserer Gäste auch immer wieder gerne."

Weiter östlich, im Stadtzentrum von Grand Baie, starten jeden Morgen die Katamarantouren. Bis zu zehn Boote fahren in einer Kolonne raus aufs Meer. Mittagessen, Getränke und – je nach Boot – viel Partylaune inklusive. Dabei sind die anderthalb Stunden auch spannend: Das Schiff steuert vorbei an der Felseninsel Gunners Coin zu den unbewohnten Eilanden Ile Plate und Ile Gabriel. Aus dem türkisfarbenen Meer tauchen plötzlich die beiden Eilande auf. Das Wasser ist glasklar, der Strand weiß und feinsandig – baden und schnorcheln hat selten mehr Spaß gemacht. Takun hat noch einen weiteren Tipp parat: "Wer es schafft, sich beim Schnorcheln etwas von der Gruppe abzusetzen, kann Meeresschildkröten aufspüren. Die schwimmen den Menschenmassen normalerweise eher davon."

Mit Glück und je nach Saison lassen sich in der Umgebung der Inseln Wale oder Delfine entdecken – und ein extra Ausflug dafür einsparen. Immer mit dabei sind fliegende Fische, die viele Meter weit über dem Wasser gleiten können. "Der schönste öffentliche Strand der Insel ist die Blue Bay", sagt Takun. Viele Hotels organisieren Tagestouren zu der Bay und von dort aus Fahrten auf die winzigen Ile de deux Cocos. Schon für ein paar Euro lässt sich mit einem der Glasbodenboote durch die Bucht und über die weißen Korallen schippern. Tipp: Den Bootsführer um einen Stopp zum Schnorcheln bitten.

Im Wasser ist immer irgendwie auch auf dem Wasser: Segeln ist auf Mauritius Nationalsport. An wechselnden Orten finden regelmäßig Regatten statt. Drumherum entwickeln sich oft lebhafte, kleine Volksfeste, die Einblicke in die heimische Kultur und Lebensart möglich machen. Mit typischen kulinarischen Angeboten, aber auch viel unbrauchbarem Tand, den fliegende Händler verkaufen wollen. Nicht vergessen: Ein Tütchen der frisch gekochten und deshalb weichen Erdnüsse probieren!

Mauritius ist für seine satten Farbtöne bekannt, aber es geht noch bunter: Im Pamplemousses Botanical Garden im Norden – die älteste Anlage dieser Art auf der Südhalbkugel – entfacht ein Blütenmeer seine schier unglaubliche Farbenpracht. Wasserlilien, Leberwurstbäume, deren Blüten tatsächlich an kleine Würste erinnern, und insgesamt 80 verschiedene Palmenarten – es gilt einige Schätze zu entdecken in diesem botanischen Kleinod.

Am Wochenende ist der Garten gut besucht. Unter der Woche verlieren sich die einzelnen Naturliebhaber jedoch in den mit hohen Bäumen gesäumten Alleen und auf den geschlungenen Pfaden entlang kleiner Tümpel. Dort wachsen üppige Seerosen, ihre Blätter haben einen Durchmesser von bis zu zwei Metern. Das ist die Gelegenheit für ein gemütliches Picknick, der Abstecher zum Gehege der freundlich dreinblickenden Riesenschildkröten in der Parkmitte lohnt sich ebenfalls.

Mauritius ist eine dieser paradiesischen Inseln, die vor allem für ihre Traumstrände bekannt sind. Aber sie bietet mehr – in ihrem Inneren auch eine wunderschöne, grüne Bergwelt. Panoramablicke inklusive. Einen spektakulären Ausblick auf den Le Pouce genießen Besucher etwa von der ehemaligen Kolonialvilla Eureka in Moka. Das mit Originalmöbeln aus dem 19. Jahrhundert eingerichtete Gebäude mit seinem kreolischem Restaurant wirkt allerdings etwas heruntergewirtschaftet.

Wandern geht auch: Den Bergen fehlt es jedoch an markierten Wanderpfaden, und so wird aus Sicherheitsgründen meistens eine Tour mit Führer empfohlen. Auf das Wahrzeichen der Insel, den 556 Meter hohen Le Mourne Brabant, darf man erst gar nicht ohne lizenzierte Begleitung. "Es handelt sich um ein Weltkulturerbe", erläutert unser Guide Yan die Bedeutung des Bergs. "Hier oben haben sich einst geflohene Sklaven versteckt und aus Verzweiflung teils auch in den Tod gestürzt." Je höher es geht, desto felsiger und karger wird die Landschaft. Stellenweise sind die Flanken so steil, dass man beide Hände und Yans Klettertipps einsetzen muss, um sich sicher zu fühlen. Gutes Schuhwerk an den Füßen ist eine Grundvoraussetzung.

Die rund zweistündige Anstrengung bei schwüler Hitze lohnt sich: Auf dem Weg, vor allem aber oben am Gipfelkreuz, wird die Schönheit der Insel noch einmal deutlich. Der Blick geht auf tiefgrüne Hänge, weiße Strände mit Korallensand, das Türkis der flachen Buchten, das dahinter liegende Graublau der Meerestiefen und den azurblauen Himmel mit seinen weißen Wolkentupfen. Wer etwas Glück hat, sieht sogar einen Regenbogen. Bunt und das Paradies verheißend.

Spätestens jetzt ist nachzuvollziehen, wie es dem amerikanische Schriftsteller Mark Twain ergangen sein muss, als er auf seiner Weltreise Mauritius besucht hat: "Zuerst wurde Mauritius geschaffen, dann das Paradies. Aber das Paradies war nur eine Kopie von Mauritius", soll er gesagt haben. Dem ist nichts hinzuzufügen.