"Schwein gehabt!"

Larissa Loges

Von Larissa Loges (dpa)

Sa, 10. Februar 2018

Reise

Eine Reise in die salzhaltige Vergangenheit der Hansestadt Lüneburg ist ein Erlebnis für alle Sinne.

Die Eintrittskarte ist ein kleines Tütchen Salz. "Industriedenkmal, Deutsches Salzmuseum" steht darauf. Willkommen in der Salzstadt Lüneburg. Mehr als 1000 Jahre lang hat das "Weiße Gold" das Leben der Hansestadt bestimmt und ihren Bürgern Reichtum gebracht. Das Salzwerk stellte den Betrieb 1980 wegen mangelnder Rentabilität ein. Nun ist dort das Museum.

Begrüßt werden Besucher in der Ausstellung von einem monströsen, illuminierten Steinsalzklotz. Eine Rampe führt hinab in einen nachgebauten Stollen. Die Solequellen kamen nicht bis an die Erdoberfläche. Sie mussten unterirdisch durch Bergwerksstollen nutzbar gemacht werden.

Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Quellen in einen Solebrunnen geleitet und dann an die Erdoberfläche gefördert. Der Salzstock beginnt etwa 40 Meter unter der Erde, mindestens 4000 Meter reicht er in die Tiefe. Lüneburg ist also wahrlich auf Salz gebaut. Der Sage nach waren es pflanzenfressende Tiere, die den Menschen früher vielerorts den Weg zu salzhaltigen Quellen wiesen. In Lüneburg soll es ein Wildschwein gewesen sein. "Wir haben halt Schwein gehabt", sagt Stadtführerin Verena Fiedler. "Unser Bodenschatz, das Salz, hat Lüneburg in der Hanse nach vorn katapultiert. Nürnberg war im Mittelalter die reichste Stadt. Dann kam Lüneburg."

Nicht fehlen dürfen bei der Salzreise die Wildschweinknochen, die in einem kleinen Schrein unter der Decke des Rathauses baumeln. "Jäger erlegten im Wald eine Wildsau, deren eigentlich schwarz-braune Borsten eine weiße Kruste hatten: Salzkristalle", sagt Fiedler. "Pfiffig dachten sie, die muss sich in einer Salzquelle gesuhlt haben. Man grub dem Wasser nach und entdeckte die Quelle."

Der Grundstein für das Rathaus wurde 1230 gelegt wurde. 8000 Quadratmeter Regierungssitz, Wohlstand, so weit das Auge reicht. Salz war im Mittelalter wesentlich, weil es die einzige Chance zum Haltbarmachen von Lebensmitteln bot.

Das "Weiße Gold" ist omnipräsent in der Stadt mit ihren 76 000 Einwohnern. Es gibt zum Beispiel die Pralüne, eine schokoladige Salzpralinenkreation mit Saukopf. Ein Restaurant serviert Fisch in Salzkruste. Durch die Straße weht ein magischer Duft aus Süß und Lecker von der Lüneburger Bonbonmanufaktur. Salz-Lakritz-Pastillen, Salzlakritze, Lüneburger Salz-Stinte. Alles handgemacht.

Am Hafen zeigt Fiedler auf ein schmales, etwa 20 Meter langes, dunkles Holzboot. "Ein Ewer, ein Salzschiff. Darauf wurde das Salz als Schüttgut transportiert. Bis zu 20 Tonnen."

Entspannen können Touristen in der Salztherme Lüneburg. Baden, Saunieren, Wellness. "Früher war Lüneburg eine Salzstadt, nun ist sie auch Touristenstadt", sagt Henrik Rilke. Er ist Masseur und medizinischer Bademeister und pumpt wohlriechendes Massageöl aus einer Flasche. Das Salz darin regt die Durchblutung an. Am Ende eines langen Lüneburg-Tages fühlt man sich tatsächlich – sauwohl.

Info: Lüneburg Marketing, Am Markt 1, 21335 Lüneburg, http://www.lueneburg.info