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11. November 2017 18:30 Uhr

Übersicht

Spannende und skurrile Museen in Berlin abseits des Mainstreams

Es gibt mehr als Nofretete: In Berlin gibt es neben den gängigen Museen noch viele weitere zu bestaunen – an der Zahl 210. Einige der ungewöhnlichsten und weniger beachteten Häuser.

  1. Büste der Nofretete. Foto: dpa

Das Neue Museum mit einer Ausstellung über Nofretete kennt fast jeder. Auch das Naturkundemuseum mit seinen Dino-Skeletten ist weit über die Stadtgrenzen bekannt, ganz zu schweigen vom Bode Museum oder der Neuen Nationalgalerie. Doch es gibt auch weniger bekannte Ausstellungshäuser in Berlin. Laut dem Hauptstadtportal berlin.de gibt es sage und schreibe 210 Museen, Sammlungen, Dokumentationszentren und Gedenkstätten.

Das Computerspielemuseum
Nimrod gilt als das erste Computerspiel der Welt. Als es bei der Industrieausstellung 1951 in Berlin gezeigt wurde, versuchte sich auch Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Heute können Besucher des Computerspielemuseums Nimrod ausprobieren. Insgesamt 300 Raritäten und Kuriositäten aus der Zockergeschichte hat die Museumsleitung zusammengetragen, von Retro-Spielautomaten wie Donkey Kong oder Space Invaders, Klassikern wie Pacman oder Bomb Jack bis zu einem 3-D-Simulator der ersten Stunde von 1994.

Das Machmit!-Museum
Spielerisch lernen machen Kinder ganz nebenbei. Doch in diesem Haus können sie nicht ganz alltägliche Dinge ausprobieren und erforschen. Dauerhaft können sie einen Seifenladen, eine Druckerei und ein Spiegelkabinett erkunden. Zusätzlich werden zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr organisiert, die komplexere Zusammenhänge mit Schwerpunkt Ökologie und Umweltschutz vermitteln.

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Das Museum der Unerhörten Dinge
Die Geschichten dahinter sind in diesem Haus oft wichtiger als die zur Schau gestellten Gegenstände. Warum sonst sollten ein scheinbar unbedeutendes Horn eines Auerochsen oder ein Werbekugelschreiber ausgestellt sein? Das Museum selbst spricht von einer "Wunderkammer aus allen Bereichen des Lebens" mit Dingen, "denen in der lauten Welt oft nicht zugehört wird". Was nicht heißt, dass nicht auch Exponate mit populärem Hintergrund ihre Geschichte erzählen – ein Brief von Sigmund Freud zum Beispiel oder eine Schreibmaschine des Philosophen Walter Benjamin.

Die Museumswohnung
Wer die Drei-Raum-Wohnung mit 61 Quadratmetern im Plattenbau Hellersdorfer Straße 179, Parterre rechts, betritt, wird in die Wohnkultur der DDR befördert. Von der Tapete über den Fußbodenbelag bis hin zu den Lichtschaltern und dem Toilettenbecken stammt alles aus DDR-Produktion. Auch die Utensilien sind retro: Ein Salzstreuer, der einst 4500 Mark teure Chromatfarbfernseher oder der in der DDR meistverkaufte Kunstdruck "Junges Paar am Strand" von Walter Womacka. Einst gab es 42 000 dieser Wohnungen vom Typ WBS 70 in Hellersdorf, informiert der Betreiber, die Stadt und Land Wohnbautengesellschaft. Davon sei die im Jahr 2004 eröffnete Museumswohnung die letzte "Platte", die originalgetreu erhalten ist.

Schwules Museum
Weltweit sei es "eine der größten und bedeutendsten Institutionen für die Archivierung, Erforschung und Vermittlung der Geschichte und Kultur der LGBT*I*Q-Communities", so das Museum über sich selbst. Das Kürzel steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transexuell/Transgender und Intersexual, das Q für queer, einst ein Schimpfwort, heute gängige Selbstbezeichnung unter Homosexuellen. Im Jahr 1985 gegründet, erneuert sich das Museum mit wechselnden Ausstellungen, Veranstaltungen und Vorträgen ständig neu. So hält zum Beispiel Christine Kirchhoff von der Berliner International Psychoanalytic University am 8. Januar 2018 den Vortrag "Schon wieder Freud? Zur Aktualität der drei Abhandlungen zur Sexualtheorie".
Urban Nation
Erst Mitte September 2017 eröffnet, ist das Street-Art-Haus in Schöneberg neu in der Kulturlandschaft Berlins. "Das Museum, das es gar nicht geben dürfte", lautet der Slogan. Gemeint ist der Widerspruch von Straßenkunst in geschlossenen Räumen. Um diesen Effekt abzumildern, verwenden die Betreiber variable und mobile Elemente der Fassade des Gründerzeitbaus für die Ausstellung. Im Innern können Besucher die Werke von einem Galeriesteg aus betrachten. Oft entfaltet die Street-Art erst aus der Distanz ihre Wirkung. Dauerhaft sehen Besucher Fotografien von Martha Cooper. Die Fotojournalistin begann früh, Entstehung und Entwicklung der urbanen Kunst festzuhalten.

Deutsches Spionagemuseum
Besucher können dort die raffinierten, teils skurrilen Methoden von Agenten "multimedial und interaktiv aufdecken". Der Standort passt schon mal: Bis 1989 verlief dort die Berliner Mauer, selbst einer der größten Auslöser geheimdienstlicher Aktivitäten zwischen Ost und West. Doch Deutschlands einziges Spionagemuseum spannt den geschichtlichen Bogen weiter: Denn Späher, Spitzel, Kodierer und Täuscher gibt es schon lange und nicht erst seit den Aktivitäten der NSA. Es gibt Multimedia-Anwendungen und 3-D-Brillen. So können Gäste Geheimcodes dechiffrieren, ihre persönlich genutzten Passwörter knacken lassen oder Webseiten hacken. Zu den Exponaten zählt auch Hitlers Chiffriermaschine Enigma sowie vieles aus dem Repertoire von Spionen – etwa einen Regenschirm mit Giftpfeil oder "verwanzte" Lederschuhe.

Autor: Stefan Weißenborn (dpa)