Zisch-Interview

So werden Polizeipferde ausgebildet und eingesetzt

Carolin Finkel und Anouk Strigel

Von Carolin Finkel & Anouk Strigel

So, 01. April 2018 um 15:15 Uhr

Zisch-Texte

Im Zisch-Interview erklärt Polizeihauptmeister Markus Heißler die Ausbildung der Polizeipferde und wie sie eingesetzt werden. Er ist Ausbilder der Polizeireiterstaffel Mannheim.

Die Zisch-Reporterinnen Carolin Finkel und Anouk Strigel aus der Klasse 4b der Turnseeschule in Freiburg haben sich beim Polizeirevier Freiburg-Nord mit Markus Heißler getroffen.

Zisch: Was ist das Tolle und Besondere an der Reiterstaffel?

Heißler: Das Tolle ist die Arbeit mit den Pferden natürlich. Alles wird mit dem Pferd gemacht. Wir fahren zwar mit Transportfahrzeugen zum Einsatzort, aber vor Ort reiten wir. Wenige Pferde können eine große Anzahl an Polizisten ersetzen. Ein Vorteil bei Veranstaltungen ist der Überblick vom Pferderücken aus. Aber auch praktisch: Stehen sich zum Beispiel zweihundert verfeindete Fußballfans gegenüber, reiten wir in einem Keil dazwischen und können die beiden Gruppen in einer Minute trennen. Zu Fuß bräuchte man sehr viel mehr Polizisten und es dauert länger.

Zisch: Warum wollten Sie zur Reiterstaffel?
Heißler: Es war schon immer mein Wunsch. Ich habe vorher privat Pferde gehabt und so konnte ich Privates mit Beruflichem verbinden.

Zisch: Seit wann reiten Sie?
Heißler: Ich reite seit 25 Jahren. Ich habe mit 20 Jahren damit angefangen.
Zeitung in der Schule

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Zisch: Was machen Polizeireiter?
Heißler: Wir sind häufig bei Großeinsätzen wie Fußballspielen und Demonstrationen im Einsatz. Dazu kommt der Streifendienst zu Pferd in Fußgängerzonen, im Wald und im Gelände, wo selbst Geländewagen nicht hinkommen. Außerdem machen wir Umweltschutzstreifen und Öffentlichkeitsarbeit wie Reitvorführungen bei Messen oder auch bei einer Landesgartenschau. In Freiburg unterstützen wir im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft die Polizeireviere.

Zisch: Hat es schon Verletzte durch die Pferde gegeben?
Heißler: Es ist höchstens mal passiert, dass ein Pferd jemanden auf den Fuß getreten ist. Auch wenn wir Menschen abdrängen müssen, gibt es selten mehr als ein paar blaue Flecken. Das Pferd hat ja keine scharfen Kanten. Ernstere Verletzungen gab es, soviel ich weiß, nicht.

Zisch: Warum gibt es die Reiterstaffel nur in Stuttgart und in Mannheim?
Heißler: Das ist eine schwierige Frage: Die Polizei ist Ländersache, Baden-Württemberg hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg zwei Polizeireiterstaffeln. Nach dem Krieg hat man sie wieder aufgebaut. Andere Bundesländer haben nur eine oder gar keine.

Zisch: Wie wird ein Pferd ausgebildet?
Heißler: Wir kaufen die Pferde ungefähr in einem Alter von vier Jahren. Nicht jedes Pferd ist tauglich, daher gibt es immer eine Probezeit von sechs Wochen mit dem Tier. Die Ausbildung dauert etwa eineinhalb bis zwei Jahre. Dann dürfen die jungen Polizeipferde langsam mit in den Einsatz, erst in den Wald oder auf Streife und später dann auch zu Fußballeinsätzen und Demonstrationen. Das ist natürlich stressiger für die Pferde, da müssen sie schon etwas Erfahrung haben.

"Räuber treiben wir mit dem Pferd in die Ecke." Markus Heißler


Zisch: Wie heißen Ihre Pferde?
Heißler: Heute dabei sind: Bardolino, ein Fuchs, Ludwig und Corleone, zwei Braune, und Panier, ein Rappe. Sie sind alle Warmblutpferde der Rasse Württemberger. Inzwischen gibt es aber auch Pferde von anderen Rassen bei der Staffel.

Zisch: Wie viele Polizeipferde und Polizeireiter gibt es in Baden-Württemberg?
Heißler: In Mannheim sind es 18 Polizisten und Polizistinnen und elf Pferde. In Stuttgart sind es zirka 30 Beamte und ungefähr 20 Pferde.

Zisch: Hat ein Pferd mehrere Reiter oder sind Sie allein für ein Pferd verantwortlich?
Heißler: Pferd und Reiter sollen zu einem guten Team zusammenwachsen. So hat jedes Pferd einen Stammreiter. Aber jeder Reiter muss bei uns jedes Pferd reiten können.

Zisch: Wie oft müssen Sie trainieren?
Heißler: Wir machen jeden Tag ein normales Reittraining und mindestens einmal die Woche gemeinsam ein zusätzliches Polizeitraining.

Zisch: Haben die Pferde Angst vor Blaulicht und Martinshorn?
Heißler: Wenn sie es nicht kennen, haben sie Angst. Unsere Pferde nicht, sie sind darauf trainiert. Auch Polizeipferde können natürlich erschrecken, bleiben aber trotzdem für den Reiter beherrschbar. Dafür machen wir Gewöhnungsarbeit.

Zisch: Ihr habt ja gar kein Lasso … Wie fängt man vom Pferd aus einen Räuber?
Heißler: Gute Frage. Stimmt, wir sind ja nicht im Wilden Westen. Wir versuchen ihn einzukreisen und entweder kommen Kollegen zu Hilfe oder einer springt ab und der andere hält das Pferd fest. Das ist aber eher selten. Normalerweise treiben wir die Räuber in eine Ecke und die Kollegen vom Streifendienst nehmen sie fest.

Zisch: Wie lange war Ihr längster Einsatz im Sattel?
Heißler: Das waren zehn Stunden bei einem Demonstrationseinsatz. Normal sind drei bis maximal fünf Stunden.

Zisch: Lerne ich besser Westernreiten oder die englische Reitweise, wenn ich Polizeireiter oder Polizeireiterin werden möchte?
Heißler: Es ist besser, man lernt die englische Reitweise. Unsere Pferde sind englisch ausgebildet.

Zisch: Welche Voraussetzungen braucht man, um bei der Reiterstaffel arbeiten zu können?
Heißler: Natürlich muss man Polizeibeamter sein. Nach der Ausbildung sollte man ein bis zwei Jahre Berufserfahrung im Streifendienst haben und auf E-Niveau reiten können. "E" ist die Einstiegsklasse bei Reitturnieren.

Zisch: Muss man eine Prüfung machen, wenn man zur Reiterstaffel möchte?
Heißler: Ja, das ist ein kleiner Einstellungstest, damit wir sehen, wie viel wir ausbilden müssen.