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18. April 2014 19:52 Uhr

Kriminalität

Raubüberfälle in Freiburg: Ermittler fahnden nach Minderjährigen

Mehr Diebstähle, mehr Überfälle: Seit Anfang des Jahres ist die Gegend um den Hauptbahnhof ein unsicheres Pflaster geworden. Die Polizei rät nun sogar, den Stühlinger Kirchplatz nachts zu meiden.

  1. Eine Serie von Straftaten beschäftigt die Polizei: Die Freiburger Altstadt ist derzeit ein gefährlicheres Pflaster als sonst. Betroffen ist auch der Stühlinger Kirchplatz. Foto: Michael Bamberger

Die Täter schlagen immer nachts zu. Die Tatorte liegen in der Altstadt, im Bereich Hauptbahnhof sowie am und auf dem Stühlinger Kirchplatz. Es geht um Diebstahl und um Raubüberfälle. Erbeutet werden fast immer die Handys der Opfer, oft auch Bargeld. Im Visier der Ermittler stehen sehr junge männliche Flüchtlinge aus Nordafrika, deren Zahl in jüngster Zeit stark angestiegen ist. Die Stadt Freiburg räumt Probleme in den Unterkünften ein. Und die Behörden wirken mit der Betreuung der jungen Männer überfordert.

Ein 39-jähriger Freiburger wollte nur kurz zwei Pizzen holen, Samstagabend vor zwei Wochen gegen 22.30 Uhr. Unter der Stadtbahnbrücke überfiel ihn eine Gruppe junger Erwachsener, schlug ihn zusammen. Die Angreifer traten noch gegen den Wehrlosen, als er schon am Boden lag. Dann zogen sie ihm den Geldbeutel aus der Hosentasche.

Ein Tag davor war ganz in der Nähe am Busbahnhof beim Hauptbahnhof ein 55-Jähriger von drei jungen Männern überfallen und zu Boden gestoßen worden. Auch ihm nahmen die Räuber Geldbörse und Handy ab. Am vergangenen Sonntag früh um 4.30 Uhr dann die nächste Attacke: Dieses Mal traf es vor dem Konzerthaus einen 19-Jährigen. Wieder waren es mehrere Männer, wieder griffen die Täter zielgerichtet nach dem Smartphone.

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Tathäufung seit Jahresanfang

In keinem dieser Fälle wurden die Täter bislang ermittelt und festgenommen. Aber: Anhand der Aussagen der Opfer und Zeugen geht die Polizei davon aus, dass es sich bei den Tätern um möglicherweise teils noch minderjährige Jugendliche handelt, die in jüngster Zeit als sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Freiburg gekommen sind. "Wir haben seit Jahresanfang eine Tathäufung", räumt Polizeisprecher Dirk Klose ein. Genaue Zahlen lägen aktuell noch nicht vor.

Nach BZ-Recherchen geht es um mehr als drei Dutzend Täter, die in den Fokus der Polizei geraten sind. Es handelt sich um junge Flüchtlinge, die zumeist aus Marokko, Algerien oder Tunesien stammen. Die Kripo hat eine Ermittlungskooperation begonnen, an der auch die beiden Freiburger Polizeireviere Nord und Süd und das Revier Breisach beteiligt sind. Ein erfahrener Ermittler spricht mit Blick auf die hohe Zahl der Fälle Klartext: "Wer nachts alleine unterwegs ist, der sollte den Stühlinger Kirchplatz meiden."
"Die Täter treten in der Gruppe auf und suchen gezielt die Opfer aus."Dirk Klose, Polizeisprecher

Sicher zuordnen kann die Polizei der Tätergruppe aus Nordafrika eine Vielzahl von Diebstählen, die in Discos und Kneipen, aber vor allem auf offener Straße auf der Kajo oder im Bermuda-Dreieck verübt werden. "Die Täter treten stets in der Gruppe auf und suchen sich die Opfer gezielt aus", so Polizeisprecher Klose. Frauen gehören zur Zielgruppe oder männliche Nachtschwärmer, die alkoholisiert wirken.

Die Diebe schlagen zu einem Zeitpunkt zu, bei dem die Reaktionsfähigkeit ihrer Opfer wegen der vorgerückten Uhrzeit beeinträchtigt ist. Dann wird um eine Zigarette gefragt, zum Dank folgt eine Umarmung. Vorsicht, Falle: Denn danach ist meist das Handy aus der Jacken- oder Umhängetasche verschwunden.

Über die Tätergruppe, über ihre Verbindungen weiß man noch wenig. Fest steht nur: Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge ist stark gestiegen: Kamen im Jahr 2010 nur acht in Freiburg an, werden es in diesem Jahr über 100 junge Männer sein, berichtet Edith Lamersdorf, Sprecherin der Stadt Freiburg. Die jungen Männer stranden fast ausnahmslose ohne Papiere, oft besteht Zweifel am behaupteten Alter. Dann lassen die Behörden eine Altersfeststellung vornehmen.

Besonderer Schutz

Minderjährige Flüchtlinge genießen einen besonderen Schutzstatus. Sie erhalten Jugendhilfe und ein Taschengeld. Die Betroffenen werden auch in einer eigenen Einrichtung untergebracht, nicht in Flüchtlingswohnheimen. "Wir wissen, dass es aktuell Probleme gibt", sagt Stadtsprecherin Lamersdorf. Offensichtlich handle es sich um eine andere Klientel, als bei den bisherigen minderjährigen Flüchtlingen. Bürgermeisterin Gerda Stuchlik wolle sich demnächst vor Ort in der Unterkunft ein Bild machen.

Eile scheint geboten, die Polizei hat bis dato wenig Hilfe. Als auf der Kajo jüngst drei minderjährige Diebe um 4.15 Uhr ertappt wurden, kamen sie zur erkennungsdienstlichen Behandlung aufs Polizeirevier. Dort zeigte sich: Einer aus dem Trio war zur Rückführung ausgeschrieben, doch die Bundespolizei wollte ihn nicht abholen. Beim zweiten Täter hielt sich der angerufene gesetzliche Betreuer für nicht mehr zuständig.

Beim Dritten gab es zwar einen Betreuer, aber dem dauerte das Prozedere auf dem Revier zu lange. Um 7.30 Uhr musste die Polizei alle drei Männer in den frühen Freiburger Morgen ziehen lassen.
Minderjährige Flüchtlinge in Freiburg

Unbegleitete Minderjährige sind unter 18-Jährige, die ohne ihre Eltern oder Personensorgeberechtigten außerhalb ihres Herkunftslandes Schutz vor Verfolgung suchen. Für die unter 16-jährigen unbegleiteten Flüchtlinge muss ein Antrag auf vorläufige Pflege gestellt werden. Diese übernimmt das zuständige Jugendamt. 2010 wurden in Freiburg acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gezählt, im Jahr 2011 dann schon 43. Die Zahlen stiegen auf 51 (2012) und 78 (2013).

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Autor: Joachim Röderer