Aprilscherz

Regierungspräsidium sperrt Schauinsland für Wanderer – dauerhaft

Oliver Huber

Von Oliver Huber

So, 01. April 2018 um 08:00 Uhr

Freiburg

Bislang war der Freiburger Hausberg fest in der Hand von Wanderern. Damit ist nun Schluss. Nach einem Beschluss des Regierungspräsidiums haben dort ab sofort nur noch Mountainbiker freie Fahrt.

Dies war unser Aprilscherz 2018. Vielen Dank an alle, die so unterhaltsam darauf reingefallen sind. Hier kommt die Entwarnung: Der Schauinsland bleibt Wanderern weiterhin zugänglich.

Die Nachricht kommt überraschend und hat sich doch angedeutet: Es grummelte schon lange in der Freiburger Mountainbike-Szene. Renitente Wanderer würden die Wege vom Gipfel hinab ins Tal versperren, hieß es immer wieder. In der Vergangenheit kam es nicht selten zu Konflikten. Die einen Freizeitsportler wollten freie Fahrt, die anderen pochten auf die sogenannte Zwei-Meter-Regel, die die Nutzung von schmalen Wanderwegen für Biker einschränkte. Doch damit ist nun Schluss.

Schritt in Richtung fahrradfreundliche Region

Das Freiburger Regierungspräsidium geht nun den nächsten Schritt in Richtung fahrradfreundliche Region Freiburg. Mit einer deutschlandweit einmaligen Entscheidung sperrt die Behörde einen ganzen Berg für Fußgänger. "Beschleunigung statt Entschleunigung, das ist nun die Devise", begründet ein Amtssprecher die Maßnahme in einer Mitteilung. Die neue Regelung tritt demnach schon Anfang Mai in Kraft. Möglichen Protesten von Seiten der Wanderer sehe man gelassen entgegen.

Bestehende Wanderwege sollen in den nächsten Monaten sukzessive zu mountainbikefreundlichen Strecken umgebaut und entsprechend neu beschildert werden. Die gelben Rauten werden nach und nach ganz vom Schauinsland verschwinden. Angesicht der Unmenge an Wegen brauche man allerdings einige Zeit und bitte daher um Geduld. Neben einfachen Strecken werden auch weitere anspruchsvolle Downhill-Trails entstehen. Wie in der Vergangenheit bereits erfolgreich praktiziert, sollen wieder Experten aus Kanada eingeflogen werden (Rückblick) und beim Ausbau helfen.

"Wir haben faktisch jeden Trampelpfad als Wanderweg deklariert" Schwarzwaldverein
Abgesprochen wurde die Aktion im Vorfeld auch mit dem Schwarzwaldverein. Traditionell den Wanderern verpflichtet, musste der Verein eingestehen, die Sache mit den gelben Rauten in der Vergangenheit übertrieben zu haben. "Wir haben faktisch jeden Trampelpfad als Wanderweg deklariert und so den quasi natürlichen Bewegungsdrang der Biker massiv eingeschränkt. Spannungen waren unvermeidbar, doch die werden nun ja mit der neuen Regelung abgebaut. Wir hatten schließlich lange genug unseren Spaß", verlautet es aus dem Vorstand.

Schwarzwaldverein zeigt Verständnis für Sperrung:



Deutscher Alpenverein wurde überrollt

Überrollt von der Ereignissen wurde hingegen die Freiburger Sektion des Deutsche Alpenvereins. Hier sind neben Wanderern und Kletterern auch mehrere Hundert Mountainbiker organisiert. Von Seiten des DAV war zunächst keine offizielle Stellungnahme zu erhalten, man sei im Vorfeld schließlich nicht in die Planungen eingebunden worden. Hinter vorgehaltener Hand ist jedoch zu hören, man befürworte die Entscheidung, traue sich aber nicht es zuzugeben – aus Rücksicht auf die "Knickerbocker-Fraktion" in den eigenen Reihen.

Als Chance sieht die Gastronomie derweil die zu erwartende MTB-Schwemme am Freiburger Hausberg. Die Traditionsgaststätte an der Holzschlägermatte hat jedenfalls schon ihre Speisekarte angepasst. So sollen Bike-Burger, Kettenbier und Pedalpuffer hungrige Radsportler anlocken. "Große Sprünge waren mit den Wanderern in den vergangenen Jahren eh nicht mehr zu machen. Die hatten oft genug ihre eigenen Vesper dabei und haben dann nur noch unsere Toilette benutzt", sagte der Wirt eines Ausflugslokals gegenüber der BZ. Mit den Mountainbikern soll nun alles besser werden. Die hätten noch richtigen Durst.

Ladestation für E-Biker auf dem Gipfel

An der Bergstation der Schauinslandbahn steht seit einige Tagen eine mobile Radwerkstatt bereit. Wer oben mit dem Rad einen Defekt hat oder auch nur kurz den Luftdruck überprüfen will, dem wird hier von einem ausgebildeten Zweiradmechaniker geholfen. Zum Service gehört auch eine Ladestation für E-Biker, deren Nutzung bis auf weiteres kostenlos ist. Die Anlage, an der bis zu sechs Elektroräder gleichzeitig geladen werden können, wird von der Badenova gesponsort.



Apropos Schauinslandbahn: Für die Fahrt nach oben gelten ab sofort vergünstigte Bike-Tarife. Radler zahlen für die Bergfahrt 5 Euro inklusive ihrem Sportgerät. Wanderer, die sich oben in der für sie freigegebenen Zone bewegen wollen, zahlen die bisher geltenden Tarife. Der Weg von der Bergstation bis zum Aussichtsturm (Eugen-Keidel-Turm) bleibt für Wanderer auf einem markiertem Weg weiterhin begehbar. Ein vernünftiger Kompromiss, wie es aus dem Regierungspräsidium heißt.

Betreten die Spaziergänger allerdings die Sperrzone, wird es mitunter teuer. Für Ersttäter steht ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro im Raum. Bei Mehrfachvergehen soll zusätzlich die Regiokarte eingezogen werden. Soweit muss es aber nicht kommen: Eine neue Karte mit allen Wegen und der Sperrzone für Fußgänger ist in Planung. Sie soll noch vor den Sommerferien auf den Markt kommen.

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