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16. August 2013

Reise

Frauenchiemsee und Herrenchiemsee: Eine begnadete Region

Benediktinerinnen hinter Klostermauern, Märchenkönig Ludwig II. und viel Fisch: Ein Besuch auf Frauenchiemsee und Herrenchiemsee.

  1. Kleines Eiland: Nur 620 mal 300 Meter misst die Fraueninsel im Chiemsee, auf der 300 Menschen leben. Foto: dpa

  2. Idylle am Ufer des Chiemsees: Abendstimmung auf der Fraueninsel Foto: dpa-tmn

Am Abend wird es still auf Frauenchiemsee. Ganz still. Die Wellen des Chiemsees plätschern sanft gegen die Bootsstege, ein paar Jogger drehen ihre Runden auf dem Uferpfad. Nur 620 mal 300 Meter misst die Fraueninsel mit ihren 300 Einwohnern, 50 Häusern, zwei Hotels und vier Gasthäusern.

"Wir leben in einer begnadeten Region, wir haben den See und die Alpen", sagt Monika Huber in ihrem Inselladen. Vor mehr als 30 Jahren kam die gebürtige Münchenerin auf die Fraueninsel, heute führt sie als Inselguide Besuchergruppen. Bei dem Rundgang entlang der farbenfrohen Blumengärten tauchen die Gäste ein in die Geschichte der Insel – und des benachbarten Herrenchiemsee: Bereits um das Jahr 625 entstand das dortige Kloster. 782 folgte die Gründung des Konvents auf Frauenchiemsee. Im Jahr 1803 wurden die Klöster aufgelöst, das Augustiner-Chorherrenstift auf der Herreninsel in ein Schloss umgestaltet. Auf der Fraueninsel gab es schon 1837 wieder Nonnen, heute leben dort 23 Benediktinerinnen.

"Über viele Jahrzehnte hat die Insel ihr Gesicht gewandelt", sagt Monika Huber. Früher arbeiteten Handwerker für das Nonnenkloster auf der Fraueninsel. Heute leben die Insulaner vom Tourismus. "Die allermeisten Besucher bleiben nur ein paar Stunden. Aber es gibt auch Urlauber, die schon als Kinder mit ihren Eltern kamen und nun Jahr für Jahr mit ihren Familien wiederkehren", erzählt Huber.

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Die besondere Stimmung der Insel genießen sie während der Hochsaison im Juli und August erst am Abend, wenn die letzten Schiffe mit den Tagesgästen – bis zu 10 000 Besucher – in Richtung Festland abgelegt haben. Liebhaber der Fraueninsel reisen daher erst im Spätsommer auf das Eiland.

Ruhe und Besinnung bieten die Benediktinerinnen hinter den Klostermauern neben dem Kirchturm des Inselmünsters. Der Kampanile mit seiner barocken Zwiebelhaube gilt als Wahrzeichen des Chiemgaus. Besucher können nach Absprache einen oder mehrere Tage im Kloster verbringen. Mehrere Male im Jahr bietet Schwester Magdalena samstags den Tageskurs "Ein stiller Inseltag" an. Dabei sollen die Teilnehmer Abstand von ihrem Alltag gewinnen, die besondere Atmosphäre der Fraueninsel erspüren, Ruhe und Stille erleben, um wieder sich selbst, den Mitmenschen und Gott begegnen zu können. "Frauenchiemsee ist einzigartig. Wir haben Abstand zum Festland. Wer lange hier lebt, für den wird die Insel zur Heimat", sagt Schwester Magdalena, die hier seit 55 Jahren zu Hause ist.

Gar seit 500 Jahren fischt die Familie von Thomas Lex im bayerischen Meer, in dessen sauberem Wasser sich 28 Fischarten tummeln. Überwiegend Renken, aber auch Barsche, Zander und Aale zappeln in den Stellnetzen und Reusen. Um 5 Uhr in der Früh fahren Vater Thomas Lex und sein Sohn Florian aufs Wasser hinaus und holen die Netze ein. Thomas Lex schwärmt: "Wenn die Sonne über dem See aufgeht und der Tag anbricht, erleben wir Stimmungen von ungewöhnlicher Schönheit."

Wie die Fischerfamilie Lex blickt auch Keramikermeister Georg Klampfleuthner auf eine lange Tradition zurück: Schon seit 1609 besteht die Inseltöpferei und wird seit 1723 von Generation zu Generation in der Familie weitergeführt. Handgeformte Kacheln für Badezimmer und Kachelöfen gelten als die Spezialität der Klampfleuthners. Dafür reisen die Kunden von weither auf die Fraueninsel, um mit dem Meister Formen und Farben abzusprechen.

Auf der benachbarten Herreninsel strömen die Besucher in Scharen zum Schloss von König Ludwig II., dem Märchenkönig der Bayern. Der kunstsinnige Monarch ließ den Palast mit dem Barockgarten und den Wasserspielen ab 1878 als Abbild des Schlosses von Versailles errichten – zu Ehren des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Manches geriet noch prunkvoller als das Original. 98 Meter misst der große Spiegelsaal mit 17 Bogenfenstern, 33 Glaslüstern und 44 Standleuchtern für insgesamt 1848 Kerzen.

Acht Jahre lang bis zum Tod des Königs 1886 wurde an dem Schloss gebaut, es blieb unvollendet. Nur neun Tage soll der Märchenkönig auf der 240 Hektar großen Insel verweilt haben, schon bald nach seinem Tod wurde es für Besucher geöffnet.

"Der Reiz von Herrenchiemsee liegt im Nebeneinander des barocken Schlossgartens und der urtümlichen Landschaft", sagt Jakob Nein. Der Landschaftsgärtner ist einer der 30 ständigen Bewohner auf der Insel. Den mehr als 100 Jahre alten Mischwald mit Eichen, Buchen, Eschen und Weiden durchstreifen Wanderer auf dem acht Kilometer langen Rundweg. Vom südlichen Aussichtspunkt Ottos Ruh eröffnet sich das imposante Alpenpanorama mit der Kampenwand, dem Hausberg des Chiemgaus.

Jüngere Geschichte wurde auf Herrenchiemsee ebenfalls geschrieben: Im August 1948 kam im Alten Schloss der Verfassungsausschuss der Ministerpräsidentenkonferenz der westlichen Besatzungszonen zusammen. Nach diesen Beratungen entstand das Grundgesetz, das im Mai 1949 in Bonn verabschiedet wurde. Eine Ausstellung in dem ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift erinnert an den wegweisenden Schritt zur Bundesrepublik Deutschland.

Inseln im Chiemsee

Reiseziel: Frauenchiemsee – auch Frauenwörth oder Fraueninsel genannt, Herrenchiemsee, die Krautinsel und die winzige Insel Sahara sind die Eilande im mit 84 Quadratkilometer größten See Bayerns, dem Chiemsee.

Anreise: Mit dem Auto über München, anschließend über die A 995 und die A 8, Ausfahrt 106 Bernau am Chiemsee, Richtung Prien bis Gstadt. Dort gibt es Parkplätze und Schiffsverbindungen nach Frauen- und Herrenchiemsee. Die Inseln sind bis auf den Lieferverkehr autofrei. Mit dem Zug über München und Rosenheim Richtung Salzburg bis Prien. Von dort fahren Linienbusse bis Gstadt. Die nächstgelegenen Flughäfen sind München und Salzburg.

Reisezeit: Hauptsaison ist Juli/August und zur Weihnachtszeit.

Unterkünfte: Auf Herrenchiemsee und der unbewohnten Krautinsel bestehen keine Übernachtungsmöglichkeiten.

Auskunft: Chiemsee-Alpenland

Tourismus, Felden 10, 83233 Bernau am Chiemsee, Tel. 080/51965550,

E-Mail info@chiemsee-alpenland.de,

Internet: http://www.chiemsee-alpenland.de www.chiemsee-inseln.de  

Autor: dpa

Autor: Bernd F. Meier (dpa)