Tourentipps

Für Wanderer sind die deutschen Grenzen offen

Deike Uhtenwoldt

Von Deike Uhtenwoldt (dpa)

Sa, 05. Mai 2018 um 10:00 Uhr

Reise

Seitdem das Schengener Abkommen die Grenzkontrollen innerhalb der Europäischen Union fast komplett beseitigt hat, haben es auch Wanderer deutlich einfacher. Ohne Probleme kommen sie auf grenzüberschreitenden Wanderwegen von Deutschland in zahlreiche Nachbarländer. Wir stellen sechs vor.

Gendarmenpfad

Gendarmstien, zu Deutsch Gendarmenpfad, klingt förmlich nach Grenze und folgt auf mehr als 70 Kilometern den Spuren der dänischen Grenzer auf der Nordseite der Flensburger Förde. Ein blaues Gendarmenmännchen weist den Weg zwischen Høruphav östlich von Sønderborg und Padborg.

Wer die Flensburger Förde ganz umwandern will, überquert den Grenzfluss Kruså (Krusau) über eine Holzbrücke. In Deutschland ändert der Weg dann zwar seinen Namen und das Logo, aber nicht die schönen Aussichten auf Wasser, Höhen und Hinterland: Der Fördesteig mit einer blau-weißen Ansicht der Flensburger Förde in der Beschilderung führt 70 Kilometer auf deutscher Seite weiter, über Flensburg, Glücksburg bis zum Leuchtturm in Falshöft, dem Endpunkt der deutsch-dänischen Ostseewanderung.

Töddenweg

Wandern, wo einst die Tödden wirkten: Das sind reisende Händler, die zunächst in Holland, dann in ganz Nordeuropa Leinenrollen verkauften. Ihren Spuren folgt der deutsch-holländische Handelsweg auf mehr als 200 Kilometern von Osnabrück bis Deventer. Wer lieber auf naturbelassenen Pfaden wandern und nicht auf asphaltierten Wirtschaftswegen radeln will, startet am besten erst in Rheine oder Bad Bentheim. Vom ehemaligen Dorf Gildehaus, heute ein Bentheimer Stadtteil, läuft man an der historischen Ostmühle entlang und blickt bis ins Tal der Dinkel in die Niederlande hinunter. Neben dem deutsch-niederländischen Handelsweg, der im deutschen Teil Töddenweg heißt, machen weitere Wege wie der Noaberpad (Nachbarschaftsweg, 415 Kilometer) oder der Kommiesenpad (Zöllnerpfad, 18 Kilometer und Rundwege) die deutsch-niederländische Grenze zum Thema.

Burgenweg

Grenzenlos von Burg zu Burg: Der deutsch-französische Burgenweg verbindet acht Ruinen zwischen dem Pfälzerwald und den Nordvogesen im Elsass. Wer sie alle in zwei oder drei Etappen auf 32 Kilometern nacheinander abwandert, findet viele Gemeinsamkeiten und kaum Trennendes. Schließlich ist der rote Sandstein mit seinen markanten Verwitterungsformen dies- und jenseits der Grenze gleichermaßen vertreten, bewaldete Bergkuppen, friedliche Täler und charmante Dörfer ebenfalls. Oben auf den verwitterten Burgtürmen wird man mit einem weitreichenden Ausblick für die Strapazen des Aufstiegs belohnt. Das gilt auch für das Friedenskreuz beim Grenzberg Maimont. Es erinnert daran, dass die Grenze nicht immer so offen und friedlich, sondern am Anfang des Zweiten Weltkrieges blutig umkämpft war.

Salzalpensteig

Hoch hinaus geht der 2015 eröffnete Salzalpensteig. Vom Chiemsee in Bayern führt er in 18 Etappen und 230 Kilometern bis ins Salzkammergut in Österreich. Das weiße Gold der Alpen ist denn auch der rote Faden auf dem Weg, es sorgte für Besiedlung, Handel und Wohlstand. Dass in Bad Reichenhall und Hallstatt bereits die Kelten Salz abbauten, wird aus den Namen abgeleitet – Hall ist das keltische Wort für Salz. Unterwegs kann man im österreichischen Salzmuseum in Grassau Soleleitungswege, Bergstollen und eine Solepumpstation besichtigen und versteht, warum Wasser und Salzgewinnung gekoppelt sind. Die Salzquellen und Vorkommen liegen zwischen Chiemsee, Königssee und Hallstätter See. Getrennt werden sie von einem Schlagbaum mit hölzernem Grenzhäuschen im Dorf Gmerk – rein historisch versteht sich.

Grenzer-Weg

Wandern auf einer Grenze, die es gar nicht mehr gibt, aber vor 30 Jahren noch unüberwindbar war? Die Rundwanderung Grenzer-Weg führt vom fränkischen Carlsgrün ins thüringische Schlegel und auf der anderen Seite wieder zurück. Dabei folgt der knapp 17 Kilometer lange Weg vor allem auf der bayerischen Seite dem ehemaligen Eisernen Vorhang, der heute als Grünes Band bezeichnet wird, einem zwischen Wachtürmen, Minen und Metallzäunen entstandenen Biotop. Unterschiede gibt es auch ohne Grenzpfosten nach wie vor, etwa zwischen oberfränkischem und thüringischem Dialekt oder der Wasserscheide. Während auf der nördlichen Hälfte des Weges die Bäche in Richtung Saale und Elbe fließen, sammeln sie sich südlich gen Main und Rhein. Der Rest ist Geschichte und wird beim Grenzer-Stammtisch ausgetauscht und verarbeitet.

Polen

Und unser östlicher Nachbar? Klar verlaufen durch Polen auch europäische Fernwanderwege. Aber einen deutsch-polnischen Wanderweg, der auch die wechselvolle Geschichte zum Thema macht, kann Maciej Rokita, Mitarbeiter in der deutsch-polnischen Touristinformation in Frankfurt an der Oder, nicht nennen. Er empfiehlt Pionierarbeit – die eigenen Grenzen im Kopf zu durchbrechen. Etwa indem man von der Kleiststadt Frankfurt auf der deutschen Seite über den Jakobsweg bis nach Lebus und weiter an der Oder entlang nach Kiez wandert – bis 1945 ein Stadtteil von Küstrin. Heute heißt die alte Festung Kostrzyn und bietet nicht nur grün bewachsene Ruinen in der Altstadt, die nach den totalen Kriegszerstörungen auch als Pompeji an der Oder bekannt wurden, sondern den Zugang zum Nationalpark Warthemündung. Der Park ist ein Paradies für Vögel und Wanderer, allerdings bei Hochwasser unpassierbar. Wer ihn trockenen Fußes passiert, kommt bis nach Warthebruch, das Friedrich der Große als Neu-Amerika trockenlegen ließ.