Urlaub als Probefahrt ins mobile Vergnügen

Rolf Müller

Von Rolf Müller

Sa, 29. Juli 2017

Reise

Für den ersten Wohnmobilurlaub empfiehlt sich ein Mietmobil.

Der Wohnmobilurlaub erlebt derzeit einen beispiellosen Boom – was auch negative Folgen hat: Lieferengpässe bei neuen Fahrzeugen, einen leergefegten Gebrauchtmarkt mit überhöhten Preisen sowie übervolle Stell- und Campingplätze. Da bietet sich erst einmal das Mieten eines Wohnmobils an, was ohnehin sinnvoll ist, will man damit nur einmal im Jahr in Urlaub fahren – oder nicht ganz sicher ist, ob das auf Dauer Spaß macht.

Die erste Frage gilt dem Führerschein. Wer vor dem 1. Januar 1999 den alten "Dreier" gemacht hat, darf Mobile bis zu 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fahren. Für alle Besitzer der EU-Führerscheinklasse B ist bei 3,5 Tonnen Schluss. Da die Mietmobile meist 3,5-Tonner sind, ist das in der Regel kein Problem. Allerdings gilt bei vielen Vermietern ein Mindestalter, gelegentlich auch ein Höchstalter.

Die zweite Frage gilt dem Wohnmobil-typ. Vermietet werden meist Alkoven und Teilintegrierte. Alkovenmobile mit dem Hauptbett über dem Fahrerhaus und Stockbetten für Kinder im Heck sind ideal für Familien. Teilintegrierte sind für Paare sinnvoll, sie sind niedriger und gehen sparsamer mit dem Sprit um. Wer nach oder durch Frankreich reist, fährt damit noch aus einem zweiten Grund günstiger. Denn bei Fahrzeugen über drei Meter Höhe werden die Autobahngebühren richtig teuer. Für Familien wäre in diesem Fall ein Teilintegrierter mit Hubbett zu empfehlen. Da finden dann auch vier Personen Schlafplätze.

Es gibt höchst unterschiedliche Vermieter, vom Automobilclub über Wohnmobilhändler mit Mietfahrzeugen, spezielle Vermieter und immer häufiger private Anbieter. Während bei den Profis die Fahrzeuge Vollkaskoversicherung mit mehr oder weniger großer Selbstbeteiligung haben, muss man bei privaten Anbietern unbedingt darauf achten, dass die Versicherung auch für die Vermietung gilt. Sonst bleibt der Fahrer im Falle eines Unfalls auf den Kosten sitzen.

In einem Wohnmobil steckt viel Technik und nicht nur eine Bedienungsanleitung, sondern ein ganzer Stapel. Fürs Fahrzeug, für Heizung und Warmwasser, für Herd, Kühlschrank, Ladegerät etc. Deshalb sollte man bei der Übergabe auf eine gründliche Einweisung durch den Vermieter achten und sich nicht vor Nachfragen und Notizen scheuen. Ein Merkzettel mit den Abmessungen – Höhe, Breite, Länge – empfiehlt sich für Womo-Neulinge auf dem Armaturenbrett. Damit vermeidet man unter anderem, mit dem Wohnmobil gleich in der ersten Unterführung stecken zu bleiben oder in Autobahnbaustellen auf der meist zu schmalen Überholspur einen Strafzettel zu riskieren. Wer unterwegs technische Probleme und Fragen hat, kann auf Stell- und Campingplätzen mit erfahrenen und freundlichen Mobilisten rechnen, die gerne Tipps geben oder helfen.

In jedem Fall muss man bei der Übergabe auf Schäden durch Vormieter achten und exakt im Übergabeprotokoll festhalten. Das gilt auch fürs Innere des Mobils. Denn mögliche Schäden an Mobiliar und Technik sind von der Fahrzeugversicherung nicht gedeckt und werden bei der Rückgabe von der Kaution abgezogen, die grundsätzlich fällig ist. Keile, ein Wasserschlauch und Elektrokabel sollten in jedem Mietmobil vorhanden sein, dazu natürlich Verbandskasten, Warndreieck und -westen sowie die Warntafel für den Fahrradträger, falls vorhanden.

Ist der Vertrag unterschrieben und steht das Mietmobil vor der Haustür, dann muss es bestückt werden, was davon abhängt, wie es etwa mit Geschirr und Besteck bereits gefüllt ist. Eine entsprechende Liste sollte man rechtzeitig anlegen. Darauf gehört in jedem Fall ein Stellplatzführer, gedruckt und/oder als App auf dem Smartphone.