Reisen, lauschen, ausprobieren

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Di, 27. März 2018

Bad Krozingen

Beim Familienkonzert im Bad Krozinger Schloss begegneten junge Zuhörer historischen Musikgrößen und wagten sich an die Instrumente.

BAD KROZINGEN. Die Zeitumstellung am Sonntag hatte es möglich gemacht: Zeit-Reiseleiter Anton Starck nahm in seiner blinkenden Zeitmaschine junge Musiker und viele noch jüngere Musikliebhaberinnen und -liebhaber zur einstündigen Reise in die Musikgeschichte. Im Rahmen der Schlosskonzerte des 23. Bad Krozinger Mozartfestes präsentierten Studierende der Hochschule für Musik in Karlsruhe ein Familienkonzert mit dem Titel "Erlebnis Musik". Drei, zwei, eins – Zeitreisebrille aufgesetzt, und los ging es fast dreihundert Jahre in die Vergangenheit.

Erste Station war Leipzig im Jahr 1723. Ein junger Kantor an der Thomaskirche namens Johann Sebastian Bach (Anchi Chan) arbeitet gerade an einer Toccata, als die bunte Truppe aus der Zukunft ihn besuchte. Als bemerkenswert gut informiert erwiesen sich die zahlreichen Kinder, die neben dem Cembalo auch Streichinstrumente wie Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass einwandfrei identifizierten. Ganz wild darauf, endlich mit dem Meister dessen Oboenkonzert vorzuführen, war Oboenspieler Antoine Cottinet. Trotz der ungewohnten Stimmung und der fehlenden Klappen freundete er sich sofort mit dem warmen Klang des barocken Originalinstruments an.

Besuche beim Eiffelturm und Wolfgang Amadeus Mozart

Nach dieser Episode ging es wieder "Zurück in die Zukunft" – zumindest bis ins Jahr 1889 zur Weltausstellung in Paris. Hier besichtigten die Zeitreisenden den gerade erst errichteten Eiffelturm und statteten dem Komponisten Claude Debussy einen Besuch ab. Der war gerade bester Stimmung und gab auf der Querflöte (Marion Will) seine ausdrucksvolle Komposition um Pan und der Nymphe Syrinx zum Besten. Der anschließende Besuch im Moulin Rouge ließ den altehrwürdigen Boden des Schlosses unter einem fetzigen Can-Can erzittern. Zur nächsten Station wähnten sich die Zeitreisenden zunächst "Jenseits von Afrika", bis Zeitreiseleiter Anton Starck seinen Gästen erklärte, dass man zum einen sich nunmehr in Wien im Jahr 1791 befinde und Wolfgang Amadeus Mozart das Thema seines Klarinettenkonzertes nicht für den obengenannten Film mit Robert Redford komponiert habe. Was dem Zauber des Stückes im Übrigen keinen Abbruch tat.

Dann wurde es wieder Zeit für die Zeitmaschine und die landete flugs im swingenden New York des Jahres 1958. Saxophon (Miriam Hettinger), Trompete (Yuki Uehara) und E-Bass (Anton Starck) sorgten für einen tollen jazzigen Sound. Bevor die Zeitreisenden wieder zurück in die Gegenwart nach Bad Krozingen reisten, war Zeit für einen Schlenker ins Jahr 1856 zu einer Stippvisite bei den berühmten Pariser Klavierbauern Sébastien und Jean-Baptiste Erard, die nicht nur das erste richtige Pianoforte, sondern auch die bis heute gebräuchliche Doppelpedalharfe erfunden haben. Zurück im Schloss durften die Zeitreisenden nach Herzenslust die vorgestellten Instrumente selber einmal ausprobieren, wovon auch ausgiebig Gebrauch gemacht wurde.

Mitwirkende: Anchi Chan (Cembalo), Yi-Yu Chen (Hammerflügel), Antoine Cottinet (Barockoboe, Oboe), Leah Disse (Violine), Miriam Hettinger (Klarinette, Saxophon), Anastasiya Robak (Hammerflügel), Stefanie Schopf (Akkordeon), Anton Starck (Moderation, E-Bass, Computer), Yuki Uehara (Trompete), Marion Will (Quer-, Pikkoloflöte) Aida Wolff (Harfe), Mirjam Boggasch (Leitung, Konzept)