Die Hunde sind die Stars

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Do, 09. August 2018

Reute

20 Kinder lernten im Allmendwald spielerisch viel zum Umgang mit Vierbeinern / Babypuder zum Feststellen der Windrichtung.

EMMENDINGEN/REUTE. Mit Rettungshunden unterwegs waren 20 Kinder im Allmendswald beim Waldeck-Stadion und lernten spielerisch viel über den Umgang mit den Vierbeinern.

Die Hunde sind die Stars. Allen voran Sky, der Australian Sheperd mit Augen wie Charles Bronson, Lessing, der mächtige Labrador ("passt auf, Kinder, ein Grobmotoriker") und die schöne Aimi, eine Golden Retriever-Hündin, die am Schluss, ganz in Kinderhand und nur noch gestreichelt, sich in der Aufmerksamkeit sonnt. Da kommt der etwas tollpatschige Winston ("wie Churchill") erstaunlicherweise etwas zu kurz, obwohl er seinem Namenspaten nun äußerlich wirklich nicht ähnlich sieht. Sie alle sind ausgebildete Flächensuchhunde der Rettungshundestaffel Breisgau-Ortenau, einer Katastrophenschutzorganisation mit Vereinssitz in Emmendingen. Schon seit einigen Jahren beteiligt sich der Verein, der rund 25 aktive Mitglieder hat, an den Ferienspielaktionen der Region.

Suchhunde sind zwar neugierig, aber wohlerzogen, und da zum Glück kein Kind wirklich Angst vor Hunden hat und Tipps wie "ruhig stehen bleiben, und immer erst einmal den Handrücken zum Schnuppern hinhalten", ganz gut ankommen, ist die erste Aufregung beim Treffpunkt schnell vergessen. Spätestens bei der gemeinsamen Wanderung zur ersten Station bei der Grillhütte im Allmendwald gehören wohl alle zum Rudel.

Vier Prüfungen muss ein Hund abgelegt haben, um als ordentlicher Flächensuchhund zu gelten, zwei bis drei Jahre dauert seine Ausbildung, erzählt Zugführerin Silvia Allgaier. Je nach Eignung und Intelligenz des Hundes gehe es auch mal schneller. Dabei spielt die Rasse eine sekundäre Rolle. Sky, den sie seit über zehn Jahren und seit seiner achten Lebenswoche trainiert, erwies sich sehr schnell als besondere Begabung. In der Staffel finden sich aber vom Riesenschnauzer bis zum "Bauernhof-Mix" die unterschiedlichsten Hunde.

"Flächensuchhunde suchen Wiesen, Wäldern oder sonstige unwegsame Gelände nach vermisste Menschen ab", so Allgaier. Haben sie einen Menschen gefunden, bellen sie und leiten so den Hundeführer zum Opfer. Sie suchen nicht nach einem bestimmten Individuum, sondern stöbern alle Menschen im Suchgebiet auf, "vom Förster bis zum Liebespaar". Ganz wichtig ist dabei ihre "Rettungsdecke", ein Schulterhalfter, durch das sie als Rettungshunde erkennbar sind. Bestimmte Personen suchen dagegen sogenannte Mantrailer. Das sind noch länger ausgebildete Hunde, die der Spur einer vermissten Person folgen. In diesem Fall sind jedoch ein persönlicher Gegenstand und eine Stelle notwendig, an der die Person das letzte Mal gesehen wurde. Zwei Hunde werden aktuell für diese Aufgabe ausgebildet.

An der Grillhütte dürfen die Kinder nach einer Pause erst einmal puzzeln. Die richtig zusammengelegten Kartenteile ergeben Standort und erstes Ziel. Geduldig erklärt Franziska Nassen den Kindern die Grundlagen der Kartographie, nordet die Karte mit dem Kompass aus und erläutert die Legende, denn für viele Kinder ist der Umgang mit einer Landkarte völlig neu.

Am Ziel wartet Manuela Rees am Einsatzwagen. "Was braucht ein Hundeführer alles für einen Einsatz?" fragt sie. "Babypuder", kommt sofort die überraschende Antwort von einem Mädchen, das bereits vor zwei Jahren bei der Aktion dabei war. "Der Hund kann nur quer zum Wind wirklich arbeiten", erklärt Rees, "um die Windrichtung festzustellen, nehmen wir tatsächlich am liebsten Babypuder." Dazu kommen aber GPS, Handy, Taschenlampe und Erste Hilfe-Box.

Später demonstriert Ute Becker mit Lessing die erstaunliche Leistungsfähigkeit der Hundenase. Eine Million mal besser als der Mensch rieche ein Hund, erzählt sie. Dann findet zur Freude der Kinder und Hunde der Höhepunkt der Aktion statt: die Kinder dürfen sich verstecken, die Hunde suchen. Für die Chefs im Ring eine lächerlich leichte Aufgabe, aber Spaß, Aufregung und Begeisterung sind auf beiden Seiten groß.