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03. November 2015

Auch Lernen will gelernt sein

Den "Methodentag" gibt es einzig am Georg-Büchner-Gymnasium / Er soll den Schülern etwas fürs Leben mitgeben.

  1. Lehrerin und Rhetorik-Expertin Esther Collmann-Weiß (3. von links) brachte den Elftklässlern das richtige Sprechen mit Mund und Körper bei. Foto: Boris Burkhardt

  2. Die Siebtklässler des GBG erarbeiteten am „Methodentag“ eine Präsentation, die sie später ihren Eltern vortragen mussten. Foto: Boris Burkhardt

  3. Foto: Boris Burkhardt

RHEINFELDEN. Für das Leben soll man lernen, nicht für die Schule. Aus diesem Allgemeinplatz zogen vier Lehrerinnen des Georg-Büchner-Gymnasiums schon vor drei Jahren die konstruktive Konsequenz und entwickelten mit großem Aufwand den "Methodentag", an dem alle Schüler von Klasse 5 bis 11 "Lernen lernen" sollen.

"Dazu gehören Dinge, die wir ganzjährig in den Unterricht integrieren", sagt Karin Dornberger als eine der vier Lehrerinnen. Mit dem Methodentag würden die Schüler aber verbindlich und einheitlich lernen, Texte zu verstehen, zu interpretieren und wiederzugeben, selbständig Protokolle anzufertigen und frei zu sprechen.

Der zusätzliche Clou am Methodentag ist, dass die Aufgabenstellungen für die einzelnen Klassenstufen Jahr für Jahr aufeinander aufbauen: Während die heutigen Siebtklässler vergangenes Jahr lernten, Texte auszuwerten, lernen sie heute, Themen aufzuarbeiten und zu präsentieren. Nächstes Jahr werden sie das freie Sprechen lernen, was die jetzigen Achtklässler bereits heute machen.

Der Methodentag findet am Georg-Büchner-Gymnasium jährlich in der Woche vor den Herbstferien statt, so auch dieses Jahr. Die siebte Klasse von Jörg Bernauer hat bereits am Beispielthema "Von der Kakaopflanze zur Schokolade – ein bittersüßer Weg" gelernt, wie man ein Thema gliedert, wie man das Material für einen Vortrag recherchiert und was einen interessanten Einstieg und einen guten Schluss ausmacht.

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Die siebte Klasse ist die Einzige, bei der der Methodentag drei Tage dauert. An den anderen beiden Tagen erarbeiten die Jugendlichen in Kleingruppen im Computerraum eine Power-Point-Präsentation über das Thema "Soziale Netzwerke", die sie ihren Eltern und Mitschülern vortragen.

Die sechste Klasse arbeitet derweil noch mit Kleber und Stift: Auch hier ziehen die Schüler Informationen aus einem Text. Sie müssen den Text zu einem Umweltthema in Stichworten so zusammenfassen, dass sie alle in den Bauch eines Seehund-Umrisses passen, den Lehrerin Stefanie Meinecke an sie verteilt.

Die jungen Schüler sind motiviert: "Es ist toll, dass wir Hilfe kriegen beim Lesen", sagt der eine. Die andere findet es wichtig, "dass wir nicht alles durcheinanderschmeißen beim Lernen". Der Nächste findet das Thema Umwelt toll; und alle zusammen sind der Meinung, der Methodentag sei "ziemlich nützlich" für sie.

Stefanie Meinecke hat aus den Schülerrückmeldungen das Fazit gezogen: "Der Methodentag ist anstrengend, macht aber Spaß." Das Konzept, die Details und die Materialien des Methodentags werden ständig durch die Rückmeldungen der Schüler und Lehrer angepasst, erklärt Dornberger.

Sie und Meinecke haben mit Esther Collmann-Weiß und Yvonne Fritz zusammen ein Konzept zur Stärkung der Schlüsselqualifikationen der Schüler entworfen, bereits mit einer zweijährigen Vorlaufzeit, und intensiv die pädagogischen Konzepte und die Materialien recherchiert. Herausgekommen ist dabei der Methodentag, den es in dieser Form einzig am Georg-Büchner-Gymnasium gibt.

Während die Fünftklässler zunächst einen Test absolvieren, der ihren Lerntyp feststellen soll, sind die Zehntklässler bereits auf Betriebsbesichtigung, dieses Jahr unter anderem bei den Firmen Evonik und Vitra sowie im St. Josefshaus. Für die Elftklässler wird es dann schon recht abstrakt: Mitinitiantin Collmann-Weiß lässt ihre Schüler "ganz viele Nonsensübungen" machen, wie sie sagt.

Collmann-Weiß gehört zu einem Team von Rhetoriktrainern, das im gesamten Regierungsbezirk aktiv ist. Die Klasse steht im Freien in einem weiten Kreis und macht erste Sprechübungen. Der Inhalt spielt keine Rolle mehr bei den ältesten Teilnehmern des Methodentags: Es geht um die Aussprache, das Sprechtempo, die Körpersprache. Eben um das, was die Gymnasiasten auch wirklich werden brauchen können in ihrem zukünftigen Leben.

Autor: Boris Burkhardt