Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. April 2017

Bienenwohnungen mit Hausmeister

Schüler bauen Kästen für Insekten und suchen nach Paten.

  1. Die Bienen können kommen. Foto: Danielle Hirschberger

RHEINFELDEN. Eine kleine Gruppe Interessierter verbrachte ein Wochenende in den Werkräumen der Karl-Rolfus-Schule in Herten. Zwei Tage lang sägten, frästen und schraubten sie, um schlüsselfertige Bienenwohnungen mit integrierter Hausmeister-Dienstleistung herzustellen. In der Woche zuvor hatten Schüler der Werkstufe ihr theoretisches Wissen über Bienen aufgefrischt und mit der Herstellung der sogenannten Bienenbeuten begonnen.

In der Berufsschulstufe HB1 der Karl-Rolfus-Schule werden 16- bis 18-jährige Schüler mit Behinderung auf das Berufsleben vorbereitet. Tony, Patrick, Ceyda, Darius, Anna und Arlind hörten von Arbeitsbienen, von Drohnen, von der dicken Königin und ihren Aufgaben. Sie lernten, dass die Wohnung der Bienen Beute genannt wird, und halfen beim Bau der neuen Bienenwohnungen. "Das ist ein Puzzle", fand Tony angesichts der vielen Holzbrettchen, die es zu verschrauben galt. Patrick und Anna zeichneten und bohrten die Stellen für die Schrauben vor. Werklehrerin Michaela Stratmann und die Lehrerinnen Dunja Buer und Marian Enrikes stellten mit den Jugendlichen die erste sogenannte Warré-Beute fertig. Dann malten die Schüler große Bienen auf den Asphalt vor den Werkräumen. Sie dienten als Wegweiser für den Wochenend-Workshop, für den das St. Josefshaus Räume und Maschinen zum Bau von zehn Beuten zur Verfügung stellte.

Werbung


In den Beuten bauen die Bienen eigene Waben

Die Organisation "friends2help" bezahlte das benötigte Material: Holz, Draht, Schrauben, Glas und Wachsplatten. Martial Chateauvieux und Agnes Mohr vom Rheinfelder Imkerverein, die sich an dem Workshop beteiligten, haben eine spezielle Schulung in artgerechter Bienenhaltung absolviert. Dabei wird die Biene als Wildtier, nicht als Nutztier betrachte, die Honigproduktion spielt eine untergeordnete Rolle. Die beiden entschieden sich zur Bienenhaltung in Warré-Beuten, übereinandergestapelten Zargen, in denen die Bienen ihre Waben selbst bauen müssen. Auf der Rückseite der Beuten wird ein Fenster eingebaut, durch das die Bienen beobachtet werden können. Über eine spezielle Konstruktion des Bodens kann der Befall von Varroa-Milben kontrolliert und eine Behandlung mit Ameisensäure vorgenommen werden. Stratmann sägte die dicken Bohlen in passende Bretter, Rolf Wassmer fräste Fluglöcher hinein, Agnes Mohr schraubte Zargen, jeder hatte seine Aufgabe. Auf kleine Leisten wurden fingerbreite Stücke mit Wachs angeklebt, als Starthilfe für spätere große Waben.

Bienen brauchen Nahrung, Wasser, Sonne und einen Paten – die "integrierten Hausmeister-Dienstleistungen". "Wer sich für ein Bienenvolk entscheidet, entscheidet sich für die Haltung eines Haustieres", so Chateauvieux. Die Aufgaben: regelmäßig nachschauen, ob alle Bienen gesund sind und ob sie genug Nahrung haben. In Kooperation mit dem BUND suchen die Initiatoren Stellmöglichkeiten für die Beuten und Paten. Die Stadt hat 2016 das Aufstellen von drei Beuten auf dem Areal der Metzgergrube ermöglicht, die Chateauvieux betreut und gut über den Winter gebracht hat. Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft, die vielen Monokulturen, den massiven Einsatz von Pestiziden und das zu frühe Mähen der Wiesen wurde das Sterben der Bienen stark beschleunigt. Sie finden nicht genug sogenannte Tracht und müssen verhungern. Auch die Wetterkapriolen tragen dazu bei.

Der BUND will die Menschen für die Bedürfnisse der Bienen sensibilisieren und hofft auf Grundstücke. Wer sich das vorstellen kann, kann sich an martial.chateauvieux@t-online.de

Autor: Danielle Hirschberger