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21. April 2017 16:01 Uhr

Zum Welttag des Buchs

BZ-Mitarbeiter verraten liebste Kinderbücher

Am Sonntag, 23.April, ist Welttag des Buchs, die Stiftung Lesen hat den Schwerpunkt auf Kinderbücher gelegt. Welche Bücher haben die BZ-Mitarbeiter der Redaktion Rheinfelden in ihrer Kindheit verschlungen?

  1. Am 23. April ist Welttag des Buches. Foto: dpa

  2. Leony Stabla Foto: Leony Stabla

  3. Ralf H. Dorweiler Foto: Michael Gottstein

  4. Albert Greiner Foto: Ralf H. Dorweiler

  5. Rolf Reißmann Foto: Rolf Reißmann

  6. Verena Pichler Foto: Ralf H. Dorweiler 

  7. Horatio Gollin Foto: Stephanie Bewernick

  8. Claudia Gempp Foto: Claudia Gempp

  9. Danielle Hirschberger Foto: Danielle Hirschberger

Leony Stabla (34): Das absolut beste Buch, an das ich mich aus meiner Kinderzeit erinnern kann, ist das Bilderbuch "Samstag im Paradies" von Helme Heine. Es geht in erster Linie um die Erschaffung des Menschen am sechsten Tag der Schöpfung, aber auch die ersten fünf Tage werden kurz angerissen. Der Autor erklärt die Schöpfungsgeschichte so wunderschön kindgerecht und heiter, aber dennoch nicht kindisch und als Kind haben mich natürlich auch die tollen Heine-typischen Zeichnungen begeistert.Leider ist mein Buch irgendwie verschwunden und es gibt das Buch nicht mehr neu zu kaufen, aber ich muss mich unbedingt mal auf die Suche machen ob ich es gebraucht finde, um es meinen Kindern vorzulesen.

Horatio Gollin (38): Eindrücklich in Erinnerung habe ich die Spielbuch-Reihe Einsamer Wolf. Das Genre wurde in den 90ern durch PC-Rollenspiele abgelöst. Diese in Du-Form geschriebenen Bücher las man nicht durch, sondern sprang zwischen durchnummerierten Abschnitten hin und her. "Willst du in die Höhle gehen, lies weiter bei 123, oder willst du deinen Weg fortsetzen, weiter bei 321." Je nach Entscheidung rannte man ins nächste Ungeheuer oder fand einen Schatz. Die Geschichte endete, wenn man bei der 350 ankam oder der Held starb. Um die Bücher zu lesen, musste man sich ein Regelwerk aneignen, dann konnte man als Einsamer Wolf die Welt Magnamund vor den Herren der Dunkelheit retten. Die Bücher habe ich noch.

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Verena Pichler (32): Mein allerliebstes Kinderbuch, das ich erst kürzlich an einem verregneten Sonntag wieder gelesen habe, ist Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter. Keine andere Figur hat mich so gefesselt und beeindruckt. Ich wollte sein wie sie. Wollte einen Räuberhauptmann zum Vater und einen Räuberhauptmannssohn zum besten Freund. Ich wollte wie Ronja durch die Wälder streifen, stark und mutig sein. Im Vergleich zu ihr erschienen mir die Hannis und Nannis der Mädchenliteratur blass, langweilig und ziemlich angepasst. Ich wünsche mir, dass viele kleine und große Mädchen Ronja kennenlernen. Meiner Nichte werde ich das Buch auf jeden Fall schenken.

Rolf Reißmann (66): Auch hinter dem eisernen Vorhang gab es tolle Bücher und Klassiker wie "Max und Moritz". Natürlich waren etliche politisch geprägt, da denke ich an "Timur und sein Trupp", aber es gab viele Kinderbücher ohne Politisierung, etwa "Trini" , die Geschichte eines Indianerjungen. Einmal schenkte mir mein Vater zu Weihnachten "Vom Jochen, der nicht aufräumen wollte", sicherlich nicht ganz ohne Hintersinn. Dieses Buch habe ich noch und gebe es meinen Enkeln. Bis heute steht im Schrank mein Lieblingsbuch "Peter, ich und die Atome", geschrieben von einem tschechischen Wissenschaftler. Damit begann mein andauerndes Interesse für Physik.

Claudia Gempp (69): Ohne zu zögern erinnere ich mich an mein Lieblingsbuch aus der Kinderzeit: "Ingelein, das Schlinglein" von Heinrich Rosemann, erschienen 1955. Die farbenfrohen Illustrationen und die Erlebnisse des taffen Mädchens haben mich sofort fasziniert – so ein Schlingelein wollte ich auch mal werden (vielleicht war ich's ja schon?) Um ungestört in Ingeleins Welt eintauchen zu können, habe ich mich immer unter den Wohnzimmertisch zurückgezogen und ein Tuch darüber gehängt. So wurden Ingeleins Abenteuer für mich lebendig. Als Antiquariat ist das Buch noch erhältlich und das Erinnern gab mir den Impuls, es zu für meine fünfjährige Enkelin Nele zu bestellen, um ihr daraus vorzulesen wenn sie mich bittet: "Omi, erzähl mir, was du als Kind gerne gemacht hast."

Ralf H. Dorweiler (44): "Der Friederich, der Friederich, der war ein arger Wüterich", las mir meine Oma Hilde als Kind oft vor – auch, weil ich Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter immer wieder hören wollte. Der böse Friederich quälte Tiere, bis er an einen großen Hund kam, der ihm so tief ins Bein biss, dass es blutete. Das hatte er davon! Hans Guck-in-die-Luft, der Zappel-Philipp, der Daumenlutscher oder der Suppen-Kaspar... Auch als Kind der 1970er-Jahre liebte ich diese bebilderten Geschichten aus 1844. Wenn man sich falsch verhält, hat das Konsequenzen, war die klare Botschaft. Und die können durchaus schmerzhaft sein oder gar tödlich, etwa wenn der Suppenkaspar so lange keine Suppe isst, bis er verhungert. Ans Essen habe ich mich immer gehalten. Nur die Struwwelpeter-Geschichte hat’s nicht gebracht ...

Danielle Hirschberger (68): In meinem Elternhaus gab es keinen Fernseher, es gab noch keinen PC oder Smartphone. Dafür hatte Lesen einen so hohen Stellenwert, dass es sogar als Entschuldigung für alles galt. Keine Hausaufgaben gemacht, nicht gejätet oder auf das jüngere Geschwisterchen aufgepasst? "Ich musste das jetzt lesen", war eine Erklärung die meine Eltern immer akzeptierten. Die Anfangsliteratur war das Heft Micky Maus, das jeden Dienstag heiß ersehnt wurde. Alle Nachbarskinder kamen zu uns, um dieses (im eigenen Haus verpönte) Heftchen zu lesen. Als Erwachsene hatte ich noch lange Spaß an den bunten Geschichten aus Amerika und auch meine Kinder sind mit Walt Disneys groß geworden.

Albert Greiner (77): Ich war ein sehr schüchternes Kind, da ich als Brillenträger sehr gehänselt wurde und auch nicht immer alles mitmachen konnte. Gelesen habe ich sehr gerne, ich war ein Märchenfan und liebte die Lausbubengeschichten. In der Jugend verlegte ich mich auf Abenteuerroman und Krimis. Insbesondere hatten es mir die Indianergeschichten angetan. Ich habe alle Karl-May-Bücher gelesen, ebenso wie Lederstrumpf. Über mehre Jahre las ich auch sehr gern die gekürzten Romane von Reader's Digest: Bis zum Tod meiner Frau Helga besaßen wir eine Sammlung der Monatshefte von 1948 bis 2012. Helga hat übrigens 180 Fibeln gesammelt, die sich jetzt im Schulmuseum in Leipzig befinden.

Autor: BZ