Herten und Degerfelden

Deutsch-Schweizer Behördentreffen: Anhalten und kennenlernen, statt durchzufahren

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Di, 22. Mai 2018 um 00:00 Uhr

Rheinfelden

Das grenzüberschreitende Behördentreffen der beiden Rheinfelden führte rund 60 Teilnehmer in die Ortsteile Herten und Degerfelden.

RHEINFELDEN-HERTEN. Das grenzüberschreitende Behördentreffen der beiden Rheinfelden führte in die Ortsteile Herten und Degerfelden. Bei den jährlichen Treffen lernen die Vertreter der Kommunen nicht nur das Umland besser kennen, sondern vertiefen auch die Beziehung zum Nachbarn auf der anderen Rheinseite.

Vor der St. Josefskirche in Herten steht ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. 1940 waren 345 Bewohner aus dem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen in das Vernichtungslager Grafeneck deportiert und ermordet worden, führte Birgit Ackermann vom Vorstand des St. Josefshauses in Herten aus. "Wir halten diese Erinnerung sehr aufrecht", erklärte Ackermann. Immer im Januar findet ein Gedenkgottesdienst statt.

Das im 19. Jahrhundert gegründete St. Josefshaus, ein wichtiger Arbeitgeber in Herten, war die erste Station des grenzüberschreitenden Behördentreffens. Durch die schmucken Gassen führte Ortsvorsteherin Sabine Hartmann-Müller und vor dem Haus Rabenfels stellte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt die Chancen des städtebaulichen Sanierungsprogramms für den Dorfkern dar. "Vor ein paar Jahren haben wir abgesprochen, auf deutscher Seite in die verschiedenen Ortsteile zu gehen und bei uns die umliegenden Nachbardörfer zu besuchen", erklärte Stadtammann Franco Mazzi. Bei den Besuchen im Deutschen fallen ihm Gemeinsamkeiten auf, wie das die Gasthäuser ‚Zum Adler‘ heißen, was auf die frühere vorderösterreichische Gerichtsbarkeit hinweist.

Beim jährlichen Behördentreffen gehe es darum, dass sich die Akteure in den Gemeinden besser kennenlernten, um besser an gemeinsamen Projekten zu arbeiten, meinte der Stadtammann. Rund 60 Akteure aus Verwaltung und Politik waren zu dem Anlass gekommen, darunter 35 Teilnehmern aus dem badischen Rheinfelden.

"Ich komme gerne, um verschiedene Leute aus dem Deutschen zu treffen. Es ist auch sehr unterhaltsam", meinte Fritz Gloor, der als SVP-Parteidelegierter teilnahm. "Es ist sehr interessant, in die kleinen Orte zu gehen, die man eigentlich nie besucht, sondern durch die man vielleicht noch durchfährt." CDU-Gemeinderat Paul Renz erinnerte sich, dass es die Behördentreffen schon zu Zeiten von Oberbürgermeister Herbert King gab. Renz meinte: "Ich denke, dass das Behördentreffen eine sehr gute Einrichtung ist und man es fortsetzen sollte."

Der in Herten lebende CDU-Gemeinderat Helmut Wolpensinger sagte: "Mir gefällt, dass man sich trifft und die Leute von der anderen Seite des Rheins kennenlernt." Er verwies darauf, dass nicht nur die beiden Rheinfelden gute Beziehungen unterhalten, sondern Herten auch eine langjährige, enge Beziehung zu Kaiseraugst pflegt.

Im Hertener Ortskern am Lindenbrunnen erwartete ein von der IG Weinbau ausgerichteter Apéro mit preisgekrönten Hertener Weinen die Gruppe.

Die zweite Station des Behördentreffens war Degerfelden, wo Ortsvorsteherin Karin Reichert-Moser durch den malerischen Dorfkern am Dorfbach führte. In der schön dekorierten Fridolinhalle präsentierten die beiden Ortsvorsteherinnen die beiden Ortsteile und das Dorfleben. Eine Combo aus sechs Musikern der Musikvereine der beiden Ortsteile spielte, während die Teilnehmer zum Ausklang des Behördentreffens an einem Schwarzwälder Buffet zu greifen konnten.