Die Ahnen brachten ihn auf Südbaden

Elena Borchers

Von Elena Borchers

Mi, 12. Dezember 2018

Rheinfelden

Der 56-jährige Erich-Knut Geiger hat im Oktober die Leitung des Amts für Gebäudemanagement übernommen.

RHEINFELDEN. Seit Oktober leitet Erich-Knut Geiger als Nachfolger von Erik Fiss das Amt für Gebäudemanagement. Auch wenn der gebürtige Oberbayer in seinem Berufsleben schon für deutlich mehr Gebäude verantwortlich war, sieht er die neue Stelle als Amtsleiter als Herausforderung und hat klare Vorstellungen davon, wie die Zusammenarbeit in seinem Amt am besten funktionieren sollte. Privat steckt der 56-Jährige voller Überraschungen.

Im Gespräch mit Geiger, das mit einem herzlichen "Grüß Gott" beginnt, wird schnell klar: Er lässt sich in keine Schublade stecken. Neben seiner bewegten beruflichen Vergangenheit liegt das auch an den ausgefallenen Hobbys, die er mit Leidenschaft pflegt, und die sich wie ein roter Faden durch sein Leben ziehen. 1962 geboren, wuchs Geiger in Ingolstadt auf – der bayrische Einschlag in seiner Sprache ist deutlich zu hören. Generell sind Sprachen und Dialekte eine seiner Passionen, besonders hat es ihm das Französische angetan. Diese Liebe zu Sprache und Land hat zu wichtigen Entscheidungen in seinem Berufsleben beigetragen.

Doch zunächst machte Geiger 1981 Abitur und begann danach ein Architekturstudium in Kaiserslautern. Warum Architektur? "Weil mich Gestaltung schon immer interessiert hat und ich gerade ältere Gebäude faszinierend finde", so Geiger. Doch ganz ohne Französisch ging es nicht. Als studentischer Mitarbeiter übersetzte er europäische Normen für Sprinkleranlagen und belegte "Fachfranzösisch im Bauwesen". An der Uni lernte Geiger auch seine jetzige Ehefrau kennen, die als Stadtplanerin arbeitet.

Als sich Geiger nach seinem Diplom 1992 fragte: "Was nun?", kam wieder seine Liebe zum Nachbarland ins Spiel. "Ich wollte so nah wie möglich an der französischen Grenze sein, also nahm ich einen Job in Saarbrücken an." Als Angestellter eines Architekturbüros kümmerte er sich vor allem um Sozialbauten. Ein Thema, das ihn damals beschäftigte, ist ihm bis heute wichtig – barrierefreies Bauen. "Barrierefreies Bauen bedeutet für mich Bauen für alle. Ich möchte niemanden in seiner Einschränkung ausschließen, diese aber auch nicht hervorheben", so seine Überzeugung. Sieben Jahre später bewarb er sich auf die Amtsleitung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft in Kaiserslautern. "Plötzlich hatte ich 30 Mitarbeiter." Doch es habe sehr gut funktioniert. "In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass mir Führungspositionen liegen."

Dennoch zog es ihn 2006 beruflich wieder nach Saarbrücken. Als Bereichsleiter des Gebäudemanagementbetriebes der Landeshauptstadt beschäftigte er sich erstmals mit Kommunalbauten wie Schulen, Kitas, Friedhöfen und Bädern. "Ich musste lernen, zu priorisieren, denn als Einzelperson war das nicht zu schaffen. Damals entwickelte ich meinen ,Matchplan’." Dieser ist bis heute Basis seiner Arbeit und beruht auf drei Grundwerten: Vertrauen, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. "Diese erwarte ich von meinen Mitarbeitern und genauso bringe ich sie ihnen entgegen, ansonsten funktioniert es nicht", sagt Geiger. Bevor er nach Rheinfelden kam, nahm er als weitere Herausforderung für mehrere Jahre eine Leiterstelle in der Bundesbauverwaltung des Saarlandes an, betreute Kasernen, Panzerteststrecken und Schießanlagen.

Die Ahnenforschung weckte sein Interesse für Rheinfelden

Nach Rheinfelden brachte ihn eines seiner Hobbys: die Ahnenforschung. "Ich betreibe diese sehr ernsthaft, lese Kirchenbücher und Aufzeichnungen in lateinischer Sprache. Dabei habe ich herausgefunden, dass ich Ahnen in Südbaden habe." Bis heute hat Geiger Verwandtschaft in der Region. Als er die Stelle des Amtsleiters für Gebäudemanagement entdeckte, war für ihn klar, dass er den Schritt wagen will. Bisher hat er es nicht bereut. "Ich fühle mich sehr herzlich aufgenommen und habe tolle Kolleginnen und Kollegen. Ich weiß das zu schätzen, denn ich habe auch schon anderes erlebt." Um zu den Verhältnissen in Rheinfelden etwas zu sagen, sei es noch zu früh. Was ihm besonders gefällt, weiß er aber schon jetzt: das Familiäre, die Überschaubarkeit und das Liebenswerte der Region.

Derzeit wohnt Geiger unter der Woche in Rheinfelden und pendelt am Wochenende nach Saarbrücken, wo seine Frau und sein 14-jähriger Sohn noch wohnen. Und auch, wenn Geiger mal ein Wochenende in Rheinfelden bleibt – langweilig wird ihm nicht. Dann hört er eine seiner Schallplatten, die er seit 40 Jahren sammelt, oder unternimmt Ausflüge. Mit seinem Sohn verbringt Geiger übrigens gerne Zeit im Fußballstadion – denn obwohl er bis vor kurzem noch dauerhaft in Saarbrücken wohnte, haben Papa und Sohn seit 2011 Dauerkarten des SC Freiburg und verpassen kein Heimspiel.