BZ-Interview

Die Landfrauen vom Dinkelberg planen ein neues Kochbuch mit alten Rezepten

Petra Wunderle

Von Petra Wunderle

So, 20. Januar 2019 um 13:00 Uhr

Rheinfelden

Die Adelhauser Landfrauen Christel Suhr und Heidi Kuder suchen alte Rezepte für ein neues Kochbuch. Sie wollen die Rezepte vom Dinkelberg vor dem Vergessen bewahren.

Die Dinkelberger Landfrauen sind für ihr gutes Essen bekannt und genießen einen hervorragenden Ruf bei Festbewirtungen. Sie haben schon mehrere Koch- und Backbücher gestaltet und arbeiten gerade an ihrem dritten Werk "Vo Neujahrswegge bis Zuckerbrötli", das vor allem alte Gerichte beinhalten soll, die auch von Bürgern beigesteuert werden. BZ-Mitarbeitern Petra Wunderle hat mit der Landfrauenvorsitzenden Christel Suhr und Heidi Kuder gesprochen, die derzeit in Adelhausen Rezepte sammelt.

BZ: Frau Suhr, was bedeutet für Sie Kochen heute?

Christel Suhr: Kreativität. Ich will meiner Familie oder Gästen die Natur mit ihrer Vielfalt näher bringen, ich will ihnen etwas Gutes tun mit gesunden und frischen Lebensmitteln aus der Natur.

BZ: Aktuell laufen im Fernsehen viele Kochshows, die sehr beliebt sind. Warum kochen laut Studien dennoch so wenige Menschen selbst am eigenen Herd?

Suhr: In den Shows werden fantastische Sachen gezeigt, die immer gelingen, gesund sind und gut aussehen. Viele einzelne Kochschritte werden aber übergangen, auch das Aufräumen und Reinigen wird weggelassen. Probiert man es dann selbst aus, stellt man fest, dass es meist zeitintensiv ist und nicht so einfach zuzubereiten, wie es aussieht.

"Essen soll Spaß machen und nicht von Dogmen geprägt sein." Christel Suhr
BZ: Die Dinkelberger Landfrauen haben schon mal Kochkurse angeboten, wiederholen sie das?

Suhr: Wir sind bemüht, sollten aber eine Schulküche zur Verfügung haben sowie sehr viel Zeit.

BZ: Essen soll vor allem gesund sein – oder nicht?

Suhr: Essen soll Spaß machen und nicht von Dogmen geprägt sein, die einem die Lust zum Essen nehmen. Nur, wenn ich die Freiheit habe zu entscheiden, was ich mit Genuss essen kann, habe ich Freude daran. Speisen sind für mich auch jahreszeitabhängig. Im Frühling und Sommer bringt Rohkost viel Energie in den Körper. Momentan, in der kalten Jahreszeit, benötigt der Körper etwas Warmes, wie zum Beispiel eine Suppe oder Tees.

BZ: Was ist Ihr Lieblingsrezept?

Suhr: Ich habe keines, weil ich Köchin aus Leidenschaft bin. Kochen macht erfinderisch und glücklich und das bin ich gerne.

"Wir möchten nicht, dass die alten Rezepte unserer Vorfahren in Vergessenheit geraten." Heidi Kuder
BZ: Frau Kuder, Sie sammeln derzeit in Adelhausen mithilfe eines Flyers Rezepte bei den Bürgern. Warum?

Heidi Kuder: Hier auf dem Dorf kennen wir viele ältere Menschen. Man kocht noch traditionell, saisonal und regional und der Trend geht wieder in diese Richtung. Wir möchten nicht, dass die alten Rezepte unserer Vorfahren in Vergessenheit geraten. Das ist unser Anliegen.

BZ: Können Sie sich vorstellen, auch Mal ein Kochbüchlein mit neuen Rezepten auf den Markt zu bringen. Zum Beispiel Gerichte mit Insekten?

Kuder: Nein. Das wäre hier nicht so gut verkäuflich und wir möchten natürlich einen möglichst hohen Betrag erzielen, den wir, wie gewohnt, dem Verein für krebskranke Kinder in Freiburg spenden.
Info:

Das Kochbuch "Fotzelschnitte und Öpfelbabbe" ist wieder erhältlich. Ein Buch kostet 13 Euro, es kann unter oepfelbabbe@gmx.de oder bei der Birlin Mühle in Degerfelden, Reinigung Prüfer in Schopfheim und im Rütte-Hofladen in Wollbach erworben werden.

BZ: Haben Sie selbst schon mal Insekten probiert und ist das eine Ernährungsalternative für Sie?

Kuder: (verzieht das Gesicht) Da antworte ich mit zwei Mal Nein. So etwas würde ich nur essen, wenn es nichts anderes Essbares, vor allem Gemüse, auf dieser Erde mehr gibt.

BZ: In dem neuen Rezeptbüchlein mit alten Gerichten sollen hauptsächlich die Bürger aus Adelhausen ihre Rezepte verraten. Warum ist die Suche auf Adelhausen beschränkt?

Kuder: Das stimmt so nicht. Rezepte vom ganzen Dinkelberg werden bevorzugt. Es ist aber beispielsweise auch ein Rezept aus Polen geplant, von einer Dame, die auf dem Dinkelberg wohnt.

BZ: Haben Sie schon alte Rezepte erhalten oder aus dem Familienbesitz welche ausgegraben?

Kuder: Nein noch nicht. Im Moment werden gerade die Flyer verteilt. Ich möchte die Menschen in Adelhausen persönlich ansprechen und gleichzeitig um Kuchenspenden für den 30. Benefizlauf rund um Adelhausen bitten, der am 3. Februar stattfindet.
Zu den Personen

Heidi Kuder (58 Jahre) ist Leiterin des Cafe Gambrinus in Rheinfelden. Sie lebt in Adelhausen und ist mit Herz Oma von fünf Enkeln. In ihrer Freizeit engagiert sie sich zusammen mit Silvia Gerbode und Beate Poslovski-Pfundt beim Spätlesetreff. Sie leitet in diesem Jahr zum 30. Mal die Kuchentheke beim Benefizlauf.
Christel Suhr (55 Jahre) ist seit vielen Jahren eine Dinkelberger Landfrau und vor fast einem Jahr hat sie den Vorsitz beim Verein der Dinkelberger Landfrauen übernommen. Die Familie ist ihr sehr wichtig, und sie liebt das Landleben. Sie nennt eine kleine Landwirtschaft ihr eigen, und das Wohl der Tiere liegt ihr sehr am Herzen.