Es gibt Wachstum in allen Bereichen

Ingrid Böhm-Jacob

Von Ingrid Böhm-Jacob

Do, 11. Oktober 2018

Rheinfelden

Nach fünf Jahren Geschäftsführung sieht Birgit Ackermann Erfolge beim Umbau des St. Josefshauses / Spenden immer wichtiger.

RHEINFELDEN. Birgit Ackermann hat vor fünf Jahren mit Christoph Dürdoth die Geschäftsführung des St. Josefshauses als Doppelspitze übernommen. Zu diesem Zeitpunkt stand das Sozialunternehmen vor großen Herausforderungen durch neue Vorgaben in der Alten- und Behindertenhilfe. Der Prozess der Umstrukturierung im Inneren und vor Ort läuft noch. Das "Riesenthema", so Ackermann, habe aber schon zur konkreten Ergebnissen geführt. Insgesamt beschäftigt das St. Josefshaus an zwölf Standorten heute mehr Mitarbeiter, unterhält mehr Häuser und mehr Angebote. Wachstum gibt es auch in Herten.

/ Birgit Ackermann freut sich, dass in fünf Jahren "sehr viel nach innen gearbeitet" wurde. Sie spricht von "neuen, agilen Strukturen" in der Verwaltung, die weg vom direktorischen Führungsverständnis zum direkten Austausch mit den Mitarbeitern führen: "Der Mehrwert ist jetzt greifbar" in den verschiedenen Aufgabenfeldern. "Wir haben unseren Mitarbeitern viel zugemutet", räumt Ackermann ein, da aber die Entwicklungen und Veränderungen sich gemeinsam im Austausch vollziehen und Transparenz bestehe, sieht sie auch gute Erfolge. Immer mehr verzahnen sich dabei die Aufgabenfelder Wohnen, Arbeiten, Schule. Die Geschäftsbereich Behinderten- und Altenhilfe lasse sich nicht mehr trennen, denn: "Immer mehr alte Menschen haben Behinderungen und immer mehr Behinderte werden alt".

Nachdem viele Aufgaben in der Altenhilfe an verschiedenen Standorten (Pflegeheime Lörrach-Stetten, Weil am Rhein, Efringen-Kirchen und Bad Säckingen) abgeschlossen wurden und sich ein "großes, gut aufgestelltes Standbein" entwickelt habe, sieht Ackermann jetzt wieder die Behindertenhilfe im Fokus.

Anlagen in Herten ändern sich
Um Sozialgesetzgebung und Landesheimbauverordnung zu erfüllen, die Einbettzimmer und andere sanitäre Ausstattung einfordern, wird sich das Quartier in Herten mit seinen Gebäuden aus verschiedenen Bauzeiten weiter verändern, das gilt auch für den Markhof. Dessen Umstrukturierung ist angelaufen. Das Haus Heilig-Geist ist nicht mehr bewohnt, die Planung sieht eine neue Anlage vor, die inklusives Wohnen ermöglicht. Ein Ziel lautet, nicht mehr so hoch zu bauen, damit mehr Barrierefreiheit entsteht. Auch das dezentrale Wohnen befindet sich mit einem Projekt mit 24 Plätzen in der Burgfeldstraße in Herten in Arbeit. Auch dort wird Mitte 2019 inklusives Wohnen angestrebt. Alle Entwicklungen werden mit den Bewohnern erarbeitet und nicht über ihren Kopf hinweg, so entstehen für die 80 Bewohner des Bernhards-Hauses harmonische Lösungen. Wir "machen uns viel Mühe mit der Kommunikation", sagt Ackermann. Vertrauen schaffen gehöre zu den Leitbildern. Hinter Haus Elisabeth sollen weitere 30 Plätze entstehen.

40 Millionen Investitionen
Die Umstrukturierung der Hertener Anlagen wird sich laut Ackermann bis 2035 hinziehen. Dabei verschwinden einige Gebäude, die nicht für die heutigen Zwecke zu sanieren sind. Der Kraftakt lässt sich auch nur mit Finanzierungshilfen von staatlicher Seite und Fördermitteln realisieren.

Stabile Mitarbeiterzahlen
Mit rund 1600 Mitarbeitern in allen Einrichtungen ist das St. Josefshaus größter Arbeitgeber. Allein in der Behindertenhilfe in Herten sind 450 Menschen in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Die Zahlen stellen sich als konstant dar, aber die Aufgaben, die sich am Bedarf der Bewohner ausrichten, haben sich verändert. Ackermann legt viel Wert auf die "Josefshaussprache", die auf Respekt und Wertschätzung aufbaut, damit sich alle unter dem Dach des Unternehmens wiedererkennen. Supervisionen und Fortbildungsangebote gehören zum Konzept, damit sich die Beschäftigten eingebunden sehen. Ackermann konstatiert dabei "stabile Verhältnisse", denn es werde darauf geachtet, dass bei Veränderungen das Gute erhalten bleibe. Mit einem Katalog sozialer Leistungen werde eine gute Mitarbeiterbindung erreicht. Aber die Leitung des Hauses spürt, dass sie viel tun muss, um Stellen zu besetzen. Ein breites Beratungsangebot ist zu bieten, es gibt einen psychologischen Dienst und Deeskalationstraining, auch bei Arbeitszeitmodellen agiert der Arbeitgeber flexibel. Personalmanagement habe an Bedeutung gewonnen, heißt es. Dabei haben sich die Mitarbeiterstrukturen verändert, es werden mehr ausländische Mitarbeiter rekrutiert über Kooperationspartner. Immer mehr Mazedonier, Serben und Spanier gehören zu den Teams.

Finanzen
Birgit Ackermann lobt das "gut aufgestellte Haus", das Bernhard Späth hinterlassen habe. Das sei hilfreich angesichts der "wahnsinnigen Investitionen". Ackermann spricht von achtsamer Planung und nachhaltigem Wirken, denn die Bauten, die gemacht werden müssen, verändern" das Gesicht des Quartiers "und stellen vor Herausforderungen". Zuletzt wurde das Haus Elisabeth umstrukturiert, aber noch sind nicht alle Pläne umgesetzt, weil es noch mit dem Kreis Refinanzierungsfragen zu klären gibt. "Finanziell müssen wir uns kreativer geben", kündigt die Geschäftsführerin einen offensiveren Kurs an, um Spenden und Stiftungen zu mobilisieren, denn "sonst können die Angebote nicht aufrechterhalten werden". Und auch die Mehrzweckhalle des St. Josefshauses muss mehr Erträge durch Vermietung bringen, damit die Lebensqualität der Bewohner gesichert bleibt.