Falken sind im Kirchturm daheim

unsrer Mitarbeiterin Petra Wunderle

Von unsrer Mitarbeiterin Petra Wunderle

Do, 05. Juni 2014

Rheinfelden

Auszeichnung des Nabu für Eichsel / Nachwuchs aus Nistkasten.

EICHSEL. Neugierig sitzen die jungen Turmfalken in der Fensternische des Kirchturms. Jetzt sind sie kurz vor dem Ausfliegen, doch bis sie sich endgültig in die Welt wagen, kann es noch ein paar Tage dauern. Der Kirchturm der Sankt Gallus Kirche in Ober-Eichsel ist Lebensraum für Vögel und das kann jeder, der die Kirche betritt, erkennen mit der Auszeichnung "Lebensraum Kirche".

Am Seiteneingang des Kirchturms (zum Friedhof hin) ist jetzt ein Hinweisschild angebracht: Für die Bereitschaft den Greifvögeln im Turm Brutstätten einzurichten, ist die Kirchengemeinde vom NABU (Naturschutzbund) und dem Beratungsausschuss für Deutsches Glockenwesen mit dem Zertifikat "Lebensraum Kirche" ausgezeichnet worden. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Strobel und der promovierte Biologe und Vogelkundler Karl Kuhn freuen sich über die Auszeichnung des Naturschutzbundes, ist es doch eine Anerkennung für die Eichsler Kirche, für die Arbeit der Naturschützer und des Kirchengemeinderates.

Im vergangenen Jahr wurde im Zuge der Renovierung des Eichler Kirchturms für Turmfalken ein Nistkasten eingebaut. "Wenn nicht die Kirche der Schöpfung Raum bietet, wer dann?", bringt Hans Strobel seine Freude über den Nachwuchs zum Ausdruck. Eine Etage über dem Turmfalken befindet sich ein Nistkasten für die Schleiereule, wobei hier kein Nachwuchs zu erkennen ist. "Im Moment sind die Schleiereulen nicht heimisch, sie sind nicht im Nistkasten.

Doch die Chance ist relativ hoch, dass sie diesen Nistkasten wieder annehmen", weiß Karl Kuhn. Der Professor beobachtet ständig und erzählt: "Wie eine Pyramide sind die Freien Falken zusammengesessen und die Wahrscheinlichkeit, dass alle sechs Jungen davonkommen, ist sehr groß". Die Turmfalken-Eltern waren zuletzt damit beschäftigt, die Jungen durchzufüttern. Ein Falke frisst täglich vier Feldmäuse, ab und zu auch eine Hausmaus, aber nur ganz selten Vögel. Auch die Jungen haben Hunger. Sie verschlingen teils mehr als die übliche Ration. Männchen und Weibchen waren somit stark mit der Fütterung ihres Nachwuchses beschäftigt. Sie mussten über mehrere Wochen täglich um die 24 Mäuse in den Kirchturm transportieren. "Zum Teil übergab das Männchen die Beute im Flug an das Weibchen, welches dann die Mäuse zur Fütterung ihrer Jungen weitergegeben hat. Am Schluss jagte dann das Elternpaar gemeinsam", so Karl Kuhn.

Wer beim Kirchturm genau hinschaut, kann die Überreste der Falkenfütterung erkennen. Unterkiefer der Feldmäuse liegen auf dem Boden. Die Falken fressen die Maus total auf, einzig der Unterkiefer wird wieder ausgeschieden, er ging durch den Magen der Greifvögel und ist absolut sauber. Auch nach ihrem ersten Flug bleiben die Jungen noch circa vier Wochen bei den Alten, es kann sein, dass die Falkenfamilie in den ersten Tagen nochmals zur Brutstätte in Kirchturm zurückkehrt.

Erst wenn die jungen Turmfalken selber jagen können, sind sie selbständig. Die freien Turmfalken jagen bis nach Adelhausen. Im ersten Jahr haben sie eine Überlebenschance von 50 Prozent, im zweiten Jahr sind es 30 Prozent. Die übliche Lebenserwartung liegt bei zwei Jahren, einzelne Turmfalken werden aber auch bis zu 12 Jahre alt.

Ob die alten und jungen Turmfalken, die in den letzten Wochen im Eichsler Kirchturm ihr Zuhause hatten, wieder an diesen Ort zurückkehren, kann Professor Kuhn nicht sagen. Er geht aber mit Sicherheit davon aus, dass der Eichsler Turm auch in Zukunft mit Turmfalken wieder belegt wird.