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27. Februar 2015

Freundeskreis schenkt Flüchtlingen Wörterbücher

Die Ehrenamtlichen haben viel zu tun mit Familien in der Asylbewerberunterkunft und unterstützen das Lernen der Sprache.

  1. Herwig Popken Foto: Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Es kommen immer neue und mehr Flüchtlinge. Die staatliche Unterkunft in der Schildgasse ist mit über 400 Personen deshalb voll belegt. Das bedeutet für den Freundeskreis Asyl viel Einsatz. Herwig Popken als einer der Sprecher sieht zurzeit einige Unruhe entstehen durch Abschiebetermine, die Betroffenen meist herausbekommen und dann verschwinden, auch wenn das "keine Lösung" ist.

Vor allem mit Kosovo-Albanern haben es die Ehrenamtlichen zu tun, die ins Land drängen, weil in ihrer Heimat 60 Prozent Arbeitslosigkeit herrscht. Weil sie als Armutsflüchtlinge in der Regel kein Asylrecht haben, entstehen "belastende Situationen", denn die Abschiebung erfolge in immer kürzerer Frist. "Was uns sehr sauer aufstößt" so Popken, ist, dass immer häufiger Flüchtlinge von der zentralen Sammelstelle aus Karlsruhe in Rheinfelden ankommen, die lediglich einen "Laufzettel" bei sich haben und noch keinen Asylantrag gestellt haben.

Im Heim leben zum Teil Leute schon seit 15 Monaten, mit denen noch kein vorgeschriebenes behördliches Interview geführt worden sei. Diese Leute hängen völlig in der Luft und das "Fatale" sieht Popken darin, dass meist erst Fälle der Roma und Kosovo-Albaner vom Bundesamt behandelt werden. Was sich vor Ort abspiele, hält der ehemalige Sozialarbeiter auch nicht im Sinne des Ausländeramts.

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Die Arbeit für den Freundeskreis wird dadurch nicht leichter. Aber Herwig Popken freut sich, dass der Bürgerpreis, den die Bürgerstiftung Ende Dezember verliehen hat auch das Interesse mitzuarbeiten ankurbelt. "Wir haben mehrere Leute dazu bekommen, darunter Lehrer und eine Ärztin. Diese positive Entwicklung stärke den Kreis der 20 Aktiven. Einen Teil des Preisgelds hat der Freundeskreis bereits für die Asylbewerber eingesetzt in einer Aktion Wörterbuch zum Deutsch lernen. Da die Sprachfähigkeit der Schlüssel zur Bewältigung des Alltags in einem fremden Land bildet, wurden alle Familien in der Asylbewerberunterkunft mit einem Wörterbuch ausgestattet. Auch Privatleute haben diese Aktion unterstützt. Die meisten Flüchtlinge zeigten sich über die Lern- und Lebenshilfe erfreut. Der Freundeskreis leitet auch bei der Nutzung des Wörterbuchs an, damit die wichtigsten Grundbegriffe verstanden werden. Und noch einen Bildungsbaustein unterstützt der Freundeskreis, auch Analphabeten lernen Lesen, Schreiben und Deutsch. Wer hier Zukunft haben will, muss im Arbeitsprozess" die Sprache können, weiß Popken, der nichts davon hält, "sinnlos rumzuhängen". Einen klaren Standpunkt nimmt der Freundeskreis zur Frage ein, ob in der Stadt Turnhallen für Flüchtlinge herangezogen werden sollen. Er sagt Nein und verweist darauf, dass bereits ein großes Heim besteht. Bei einer weiteren Massenunterkunft werden der Freundeskreis "massiv dagegen angehen".

Autor: Ingrid Böhm-Jacob