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08. März 2014

Ganz schön eng

Im Übergangswohnheim Schildgasse sind mittlerweile fast 400 Asylbewerber untergebracht – das verursacht Probleme.

An diesem Frühlingsabend ist Leben zwischen den Baracken, wie die einstöckigen Satteldachgebäude in Einfachbauweise heißen: Jede Menge Kinder fahren auf ihren Fahrrädern hin und her, kreischen bisweilen. Die Jugendlichen haben Fußbälle dabei, jonglieren den Ball möglichst elegant auf dem Fuß, um den Mädels zu imponieren, die auf den Sitzbänken meist an ihren Handys herumdrücken. Ein älterer Mann im Rollstuhl sitzt abseits und sinniert vor sich hin. An den Fenstern tauchen immer wieder Köpfe auf, die kurz Ausschau halten, was draußen geht. Irgendwo dröhnen Basslautsprecher. Wenn die Sonne untergeht, wird es rasch kühl, der Platz wird leer, alle ziehen sich in ihr Heim zurück: drei, oft vier Personen in einem Zimmer.

Ein Zimmer: Ein Zimmer steht der fünfköpfigen Romafamilie zur Verfügung, die aus Albanien kommt. Der Mann ist 29, die Frau 19 Jahre alt, drei kleine Kinder, eines geht in den Kindergarten. In dem Raum wird gegessen, gespielt und sich unterhalten. "Wenn die Kinder schlafen sollen, müssen wir auch schlafen", sagt die Mutter. Sie hofft auf ein weiteres Zimmer. Im Flur direkt hinter dem Eingang eines weiteren Blocks steht ein gutes Dutzend Schuhe. Hier wohnen die Emenis. Die Roma sind vor drei Jahren und vier Monaten aus dem Kosovo gekommen – zu acht: Oma, Mann, Frau und fünf Kinder, darunter der schwerst körperlich und geistig behinderte Edinson, der im St. Josefshaus betreut wird und schon große Fortschritte gemacht hat. Im Kosovo, so erzählt der Familienvater gäbe es für Roma keine Arbeit, eine Unterkunft beim Vater, bestehend aus einem Zimmer ohne Bad und Wasser – und für Edinson keinerlei Betreuung. Vater Emeni hat sich im Lager eingebracht, hat seit zwei Jahren acht Stunden täglich einen Ein-Euro-Job um das Taschegeld aufzubessern. Unter anderem hat er die Erde wieder eingeebnet, als im Herbst die Wohncontainer für weitere 100 Flüchtlinge aufgestellt wurden.

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Eng bei Tisch: Besuch bei den Junggesellen: Zwei Doppelstockbetten stehen in dem vielleicht 15 Quadratmeter großen Raum. Am Tisch sitzen vier Pakistani, alle zwischen 25 und 30 Jahre alt. Sie haben sich in der Gemeinschaftsküche einen süßen Grießbrei gekocht und müssen zum Essen an ihrem kleinen Tisch ganz schön zusammenrücken. Auch in den Containern gibt es Gemeinschaftsküchen.

Keine Sportplätze: Als Mitte der 80er-Jahre die Schildgasse als Übergangslager eingerichtet wurde, war von 100 bis 150 Flüchtlingen die Rede, die hier Zuflucht finden sollen. Damals hatten die meisten von ihnen noch weit mehr Platz, als die staatlich vorgeschriebenen 4,5 Quadratmeter. Auch die Freiflächen waren größer, wo gerade die jungen Männer sich bei Fußball oder Volleyball austoben konnten. Die Sportplätze sind weg, weil dort mittlerweile ein Bürogebäude steht.



Streit:
Die Enge im Lager bringt auch mehr Probleme mit sich. Kaum ein Tag ist in den letzten Monaten vergangen, dass die Polizei nicht in die Schildgasse ausrücken musste, entweder um Streitereien zu schlichten oder um Straftaten aufzuklären. Auf Wunsch der Polizei und des Freundeskreises Asyl hat der Landkreis jetzt einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, der seit drei Wochen nachts vor Ort ist. Seither ist es ruhiger, sagt die Polizei. Eine richtige Entspannung zeichnet sich aber nicht ab, weil der Landkreis monatlich rund 30 Neuankömmlinge unterbringen muss. Voraussichtlich im April werden aber in Schönau 60 Plätze dazu kommen, im Spätsommer in Efringen-Kirchen weitere 100 Plätze.

Autor: Ralf Staub