Hände können heilen und verletzen

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Mo, 28. Januar 2019

Rheinfelden

Ökumenischer Gedenkgottesdienst im St. Josefshaus gedenkt der Euthanasie-Opfer des Nazi-Regimes.

RHEINFELDEN-HERTEN. Hände – was sie können, was sie tun und was sie verhindern. Dies war das Thema des diesjährigen Gedenkgottesdienstes im St. Josefshaus Herten. Alljährlich um diese Zeit finden sich Bewohner und Mitarbeiter des St. Josefshauses gemeinsam mit Einwohnern aus der Stadt und Vertretern aus der Kommunalpolitik zu einem Euthanasie-Gedenktag zusammen, ganz in zeitlicher Nähe zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

345 Frauen und Männer wurden vom damaligen Regime zunächst deportiert und dann ermordet. Kassian Burster, Seelsorger des St. Josefshauses, erinnerte daran, dass es deutschlandweit etwa 70 000 Menschen mit Handicaps waren, die diesem Terror zum Opfer fielen.

Vollzogen wurde dies mit Händen, oder hätten Hände ausgereicht, dieses zu verhindern? Von diesen Fragen ausgehend widmete sich die Ansprache im Gottesdienst ganz und gar den Fähigkeiten, die der Mensch mit seinen Händen erlangt.

Auf sieben Podesten saßen Personen, markant gekleidet mit roten Handschuhen. Sie zeigten, wie einfach es doch ist, mit den Händen den Mund zuzuhalten, die Augen zu verdecken oder die Ohren zu verschließen. Gemeinsam stellten sie aber auch die Folgen solchen Verhaltens dar. "Hände dienen zum Handeln", sagte Kassian Burster. Mit Händen erreiche man andere Menschen, helfe ihnen und schaffe zusammen mit vielen Händen Großes.

Hände können auch Böses tun

Die Wortspiele wurden von der Gemeinde dankbar aufgenommen, sie waren nicht von der Hand zu weisen. Die Hände sind für unser alltägliches Leben unentbehrlich , was viele bekannte Aussagen wie "die Hände in den Schoß legen" über "leicht von der Hand gehen" bis zu "die Hände dafür ins Feuer legen" verdeutlichen. Aber, auch dies war Essenz der Gestaltung, Hände können ebenso Schlimmes verhindern oder Böses tun. Von dieser Vielfalt ausgehend sangen die Besucher gemeinsam neue Verse zum Bittlied "Du sei bei uns in unserer Mitte". Neu in diesem Jahr war die Teilnahme der evangelischen Pfarrerin Miranda de Schepper von der Petrus-Gemeinde aus Herten als Mitzelebrantin. Zwar gab es schon mehrfach ökumenische Gottesdienste in der Kirche des St. Josefshauses mit der benachbarten Gemeinde, aber den Gedenkgottesdienst feierten sie nun erstmals zusammen.

"Bei solch einem Anlass, der zum Nachdenken und auch zum Entschließen anregt, kommen wir gerne dazu", sagte Miranda de Schepper. "Wir feiern heute keinen eigenen Gottesdienst, sondern haben unsere Gemeinde nach hier eingeladen."

So waren auch etliche evangelische Christen zu dem Gedenkgottesdienst gekommen. Zum Abschluss gingen alle Teilnehmer vor die Kirche an den Gedenkstein, dessen markante Details Hände sind.