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15. Oktober 2015

Integration findet auf der Bühne statt

Tempus Fugit arbeitet mit Flüchtlingskindern in Theatergruppe an einer Weihnachtskomödie.

  1. Die junge Theatergruppe von Tempus Fugit betreuen Laura Jacob (mittlere Reihe, Mitte), Adrian Preuß (oben, rechts) und Edwin Engesser (unten, links). Foto: Boris Burkhardt

RHEINFELDEN. Was die beiden Mädchen sich da gegenseitig sagen, ist für den Außenstehenden nicht verständlich. Das liegt aber nicht daran, dass sie vom Balkan kommen und als Flüchtlingskinder in der Unterkunft in der Schildgasse leben. Auch ihre jungen deutschen Theaterkollegen reden in dieser merkwürdigen Sprache. Improvisierte Szenen in einer spontan erfundenen Phantasiesprache sind regelmäßige Einführungs- und Aufwärmübungen für Theaterschauspieler.

Da macht auch die junge Rheinfelder Spielplatz-Theatergruppe des Freien Theaters Tempus Fugit keine Ausnahme. Vor kurzem hat sie unter der Leitung der Theaterpädagogin Laura Jacob ihre Arbeit im Jugendzentrum Tutti Kiesi aufgenommen; das Ziel ist eine Aufführung beim Lucia-Fest am 12. Dezember.

Das besondere an der Spielplatz-Gruppe ist, dass sie seit vier Jahren mit der Flüchtlingsunterkunft zusammenarbeitet und den Kindern dort eine besonders intensive Möglichkeit der Integration bietet. "Das Theater ist perfekt geeignet, um Menschen zusammenzubringen; da spielt es keine Rolle, ob jemand Ausländer ist", sagt Jacob.

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So sei auch das Improvisieren in der Phantasiesprache keine spezielle "Integrationsübung", sondern Standard, um den Schauspielern ihre Körpersprache bewusstzumachen. Denn die jungen Mimen müssen am Ende der Übung gegenseitig erraten, welche Szene sie in Zweiergruppen dargestellt haben.

Letztendlich sollen die Flüchtlinge und ihr Zusammenleben in Rheinfelden aber doch eine Rolle spielen: Herauskommen soll dabei ein Theaterstück, das sich passenderweise um das Thema Weihnachten dreht, bei dem aber große Feste anderer Religionen und auch andere christliche Feste wie Ostern eingemischt werden – im Stile einer klassischen Verwechslungskomödie, wie Jacob sagt.

Welchen religiösen Hintergrund die vier bis acht jungen Schauspieler vom Balkan haben, die bei den ersten beiden Treffen dabei waren, hat Jacob noch nicht erfragt. Die inhaltliche Arbeit wird vor allem in den Herbstferien stattfinden, wenn sich die Kinder nicht nur dienstags, von 16 bis 18 Uhr, sondern täglich, von 10 bis 16 Uhr, treffen.

Die Kinder sind offensichtlich mit Begeisterung dabei, wenn auch das ein oder andere noch Übersetzungshilfe braucht. Einige waren schon bei früheren Projekten dabei, darunter auch Großprojekte mit mehreren Theatergruppen, zuletzt beim "Märchenhaften Rätsel" im Juli 2014. Für 2016 ist das Großprojekt "1001 Nacht" geplant.

Kontakt zu den Eltern der Flüchtlinge gibt es laut Jacob kaum. "Das ist etwas schwierig", sagt sie. Viele Eltern seien 2014 auch nicht zur Aufführung gekommen, obwohl Tempus Fugit das in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Asyl ermöglicht hatte. Beim jetzigen Projekt sei ein weiteres Problem, dass die Mitarbeiter des Bundesfreiwilligendienstes in der Flüchtlingsunterkunft keine Zeit mehr für den Fahrdienst hätten. Jacob muss dies mit ihren drei Mitbetreuern Eva Sauter, Edwin Engesser und Adrian Preuß nun selbst machen.

Insgesamt haben sich bisher ein Dutzend Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren für das Projekt interessiert, darunter drei Deutsche. Ideal ist laut Jacob eine Gruppengröße von 15 bis 20 Schauspielern. Dabei bietet Tempus Fugit das Mitmachen nicht nur kostenlos an, sondern auch die Möglichkeiten, noch "nach mehrmaligem Reinschnuppern" zu entscheiden, ob sie weitermachen.

Kontakt: Infos bei Laura Jacob unter Tel. 07621/167476 oder l.jacob@fugit.de.



Autor: Boris Burkhardt