Jugendarbeit kann sich sehen lassen

Ingrid Böhm-Jacob

Von Ingrid Böhm-Jacob

Mi, 15. November 2017

Rheinfelden

Das Zentrum im Tutti Kiesi besuchen an 296 Tagen über 9300 Jugendliche / Schwierige Personalsituation, weil eine Stelle unbesetzt.

RHEINFELDEN. Die Arbeit des Jugendreferats stellt sich als engagiert, vielseitig und vernetzt in Projekten und in der offenen Arbeit im Jugendhaus im Tutti Kiesi dar. Einen leistungsstarken Eindruck vermittelten Leiter Andreas Kramer und die Verantwortliche im Tutti Kiesi, Anna Hinnah, in ihrer Bilanz nach der Neustr

ukturierung vor über einem Jahr. An Zuspruch der Jugend im Tutti Kiesi fehlt es nicht. Die Mitarbeiter aber stoßen dort an Leistungsgrenzen, da ein halbes Jahr eine 100-Prozent-Stelle nicht besetzt ist. Dennoch setzen Kramer und Hinnah alles daran, den Treff bis April an vier Tagen pro Woche am Laufen zu halten.

Das Jugendhaus
Im März 2018 wird die Einrichtung fünf Jahre alt. Anna Hinnah schilderte dem Sozialausschuss Betrieb und sozialpädagogischen Anspruch der Mitarbeiter anhand eindrucksvoller Zahlen. Seit Januar 2016 wurden an 296 Öffnungstagen 9386 Jugendliche gezählt nach den Besucherlisten. Der Mädchenanteil von 2128 Jugendlichen macht zwar nur ein Viertel aus, liege aber laut Hinnah deutlich über dem anderer Einrichtungen. Der Jugendtreff erweise sich als verlässliches Angebot, das jeder besuchen kann. "Es ist nur Positives zu berichten" freute sich Hinnah in der Sitzung.

Sie machte deutlich, dass für sie und die anderen Mitwirkenden die Aufgabe darin bestehe, die Jugendlichen professionell anzuleiten "um in der Gesellschaft zu bestehen". Offenheit und Vertrauen bilden dabei eine wesentliche Grundlage, damit das Zentrum als Anlaufstelle funktioniert, und sich Zwölf- bis 21-Jährige auf freiwilliger Basis entfalten können. Es wird aber auch aktive Teilnahme gefordert, damit Jugendliche lernen, mitzugestalten und Verantwortung zu leben. Dabei spielt Beziehungsarbeit eine zentrale Rolle. "Erfolge sieht man relativ spät", betonte Hinnah, die Zeit, Geduld, aber auch klare Ansage als Erfolgsfaktoren ausmacht.

Bürgermeisterin Stöcker und der Sozialausschuss konnten Hinnahs Einschätzung nur bestätigen: "Das Jugendhaus war eine lohnende Investition". Allerdings herrscht dort keineswegs nur Party. Es werden auch Partnerschaftskrisen, Sucht- oder Probleme mit der Polizei besprochen. Außerdem gaben sich im vergangenen Jahr 507 Mal Nutzergruppen, darunter auch viele Schulklassen, die Klinke in die Hand. Die Besucherzahlen sind laut Hinnah im Vergleich mit anderen Häusern "Spitze" im Schnitt 31,7 am Tag, am Wochenende oft bis zu 100. Weil das Haus voll ist, zeichnen sich schon erste Probleme ab, alle Veranstaltungen unter einem Dach zu koordinieren. Neuestes Projekt ist ein Jugendhausrat, der hauptamtlich begleitet wird. Hier lernen Jugendliche, sich a selbständig zu verwalten.

Das Jugendreferat
Diana Stöcker konnte sich auch nach dem Bericht von Andres Kramer nur wiederholen: "Es ist eine tolle Arbeit, die geleistet wird". Dass Jugendliche in ihrer Lebenswelt abgeholt werden, lobte auch Regina Wessely (SPD) ausdrücklich. Das Feld der kommunalen Fachstelle für Kinder und Jugendarbeit ist weit. Es umfasst Stadtteilarbeit Oberrhreinfelden, Präventionsprojekte, Veranstaltungen und Maßnahmen zur Demokratiebildung und Jugendbeteiligung. Auch der Nachtsport gehört dazu sowie die Organisation von Jugendcamps im Rahmen der Städtepartnerschaft. 350 Stellenprozente stehen insgesamt zur Verfügung, 80 Prozent entfallen auf offene Jugendarbeit. "Wenn wir mehr Ressourcen hätten, könnten wir mehr machen", so Kramer. Er hat die Vision: 200 Nutzer pro Tag zu erreichen. "Wir sind da gut unterwegs", befand er. In der abschließenden Diskussion konnte sich das Jugendreferat der Anerkennung für den großen Einsatz von allen Seiten im Ausschuss sicher sein.