Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
17. Dezember 2011
Krankenhausförderverein sorgt sich um die Zukunft des Standorts
Beirat und Vorstand kritisieren die Geschäftsführung der Kreiskliniken, weil sie den Chefarzt der Orthopädie, Wolfgang Birkner, vor vollendet Tatsachen stellt.
RHEINFELDEN (BZ/ibö). Vorstand und Beirat des Krankenhausfördervereins haben sich mit dem Geschäftsführer der Lörracher Kliniken GmbH, Armin Müller, und dem ärztlichen Direktor der Kreiskliniken, Bernd Vetter, getroffen, um den Fall Chefarzt Wolfgang Birkner zu erörtern (wir berichteten) und dabei ihre Verärgerung über die Vorgehensweise der Geschäftsführung der Kreiskliniken GmbH, aber auch des Aufsichtsratsvorsitzenden zum Ausdruck gebracht.
Im Mittelpunkt der Aussprache standen, wie der Vorsitzende des Fördervereins Rolf Karrer mitteilt, die Umstände, die zur Kündigung des renommierten Spezialisten auf Ende Juni geführt haben und was diese für die Zukunft des Rheinfelder Krankenhauses bedeuten. Bei der Sitzung sahen die Teilnehmer ihre Annahme bestätigt, dass bei der geplanten Anstellung des Wirbelsäulenspezialisten Professor Pfeiffer aus Breisach ein "Kommunikations-Gau der ganz besonderen Art geschehen sei", heißt es.
Obwohl die Wirbelsäulenthematik im Rheinfelder Krankenhaus in Zuständigkeitsbereich von Chefarzt Dr. Birkner angesiedelt sei, teilt Karrer mit, habe man diesen erst informiert "als die Anwerbung von Dr. Pfeiffer für das Krankenhaus Lörrach in trockenen Tüchern" gewesen sei. Dass die Geschäftsführung der Kliniken in ähnlicher Weise bei der Ernennung des Mediziners Haag zum Chefarzt der Unfallchirurgie vorgegangen sei und auch hier Chefarzt Birkner ohne vorherige Information vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, sieht der Krankenhausförderverein bestätigt.
Werbung
Müller habe mitgeteilt, dass die Anwerbung Pfeiffers eine "einmalige Chance für die Gesamt GmbH" darstelle und die Wirbelsäulenchirurgie gleichzeitig in Rheinfelden und Lörrach praktiziert werden könne. Dies entspreche der "strategischen Zielsetzung", das finanzielle Defizit der Kliniken GmbH abzubauen.
Die Erklärungen wurden von den zahlreichen Beiratsmitgliedern mit Empörung aufgenommen und als Unterlassungen kritisiert, zumal Müller bei seinem Amtsantritt "Bereitschaft zur Kommunikation auf allen Ebenen propagiert" habe. Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates habe es versäumt, einen leitenden Mitarbeiter über ihn "unmittelbar betreffende Vorgänge sach- und zeitgerecht zu informieren", kritisiert Karrer in seiner Stellungnahme. Der Krankenhausförderverein sieht "nicht nur eine moralische Pflichtverletzung", sondern hält es auch für prüfenswert, ob auch der Anstellungsvertrag von Birkner verletzt worden sei.
Der frühere Chefarzt der Rheinfelder Orthopädie, Professor Hans Rudolf Henche, und weitere Redner sehen darin ein Zeichen, dass dieser "Vorgang in die Bemühungen der letzten Jahre passe, das Kreiskrankenhaus Rheinfelden Stück für Stück abzubauen". Die Suche nach einem Nachfolger ist nach Angaben Müllers angelaufen. Der Beirat forderte ihn mit "Nachdruck" auf, Professor Pfeiffer nicht in Lörrach, sondern am Kreiskrankenhaus Rheinfelden anzusiedeln. Bei gutem Willen könnten die Voraussetzungen geschaffen werden. Vorstand und Beirat des Fördervereins gehen davon aus, dass sich nur dann ein Abbau und "daraus folgende Schließung des Hauses" verhindern lasse. Trotz aller Kritik bietet der Förderverein weiter seine Mithilfe an, um die "sehr erfolgreiche Arbeit des Kreiskrankenhauses Rheinfelden" fortzuführen.
Autor: ibö
