"Kunst bringt Menschen zusammen"

Danielle Hirschberger

Von Danielle Hirschberger

Mi, 28. Februar 2018

Rheinfelden

BZ-INTERVIEW mit Christina Kuhn über die Idee hinter der Kunstküche beim St. Josefshaus und die Angebote.

RHEINFELDEN. Hinter dem Verwaltungsgebäude des St. Josefshauses steht das Martha-Haus. Im Erdgeschoss des 1922 erbauten Hauses befand sich eine Großküche. Darüber befinden Unterrichtsräume und die Wohnräume der Ordensschwestern. Nach dem Bau des neuen Versorgungszentrums 2014 stand das Erdgeschoss leer – bis Christina Kuhn die Kunstküche einrichtete. Am Sonntag, 4. März, stellen sie und Mitarbeiter die Angebote und Kunstobjekte bei einem Tag der offenen Tür von 14 bis 17 Uhr vor. Danielle Hirschberger sprach mit der Atelierpädagogin.

BZ: Wie kam es zu der Idee, die Kunstküche einzurichten?

Kuhn: Kunst ist ein Medium und eine Plattform, um viele Menschen zusammenzubringen. Für Kunst braucht es nicht dieselbe Sprache und es spielt keine Rolle, ob ein Mensch gehandicapt ist oder nicht. Die Kunst bietet Spielraum für Fantasie und Kreativität und die Möglichkeit, in inklusiven Gruppen gemeinsam aktiv zu werden.

BZ: Wer nutzt die Kunstküche?

Kuhn: Zum offenen Atelier jeden Donnerstag von 18 Uhr bis 20 Uhr kommen viele Bewohner des St. Josefshauses und auch Bewohner aus Herten. Die Freitagvormittage sind als kreative Freitage definiert, es können sich Schulen und Kindergärten mit Gruppen anmelden. Sie erhalten ein Kreativangebot aus einem der Module. Die Kursangebote und die Sommerakademie werden von Bürgern und Familien aus den umliegenden Gemeinden genutzt. In diesen Räumen bieten wir auch Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte an, wir gestalten spannende Workshops und Kindergeburtstage mit Kreativprogramm. Diese Angebote werden sehr gut angenommen. Außerdem können die Räume auch angemietet werden.

BZ: Was heißt "offenes Atelier"?

Kuhn: Im offenen Atelier wird sogenanntem wertlosen Material mit viel Fantasie eine neue Funktion gegeben. Aus alten Schallplatten machen wir eine Uhr, mit Pappmaché eine hübsche Schale. Eine Neuheit ist die Holzschmuckkollektion, in schönem Design und mit besonderen Akzenten aus Perlen und Speckstein. Atelierassistenten begleiten die Teilnehmer in der Umsetzung der Ideen. Das offene Atelier kann von jedem Kunstbegeisterten genutzt werden.

BZ: Was heißt "Kunst to Go" und Mobiles Atelier?

Kuhn: Es sind spannende, kurze Einheiten im Bereich Kreativität für einen Personenkreis, der nicht so viel Zeit für einen Tageskurs aufbringen kann oder dessen Aufmerksamkeitsspanne nicht so groß ist. Das Kunstküchenteam bringt Material und Ideen in eine Gruppe mit Menschen (zum Beispiel die Seifenwerkstatt), die nicht so mobil sind, dass sie die Kunstküche besuchen können. Bisher haben Gruppen des St. Josefshauses angefragt, doch zunehmend kommen auch Anfragen von anderen Institutionen und für Veranstaltungen. Die dabei entstandenen Werke dürfen die Nutzer behalten.

BZ: Gibt es auch Projekte außerhalb der Kunstküche?

Kuhn: Mit Fachschülern, die im St. Josefshaus eine Lehre als Heilerziehungsassistenten absolvieren, wurden 2017 die Innenräume in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Römerstraße farblich neu gestaltet. Auch hier hat sich gezeigt, dass Kunst keiner Sprache bedarf. Junge Asylbewerber haben freudig mitgeholfen. Wir haben alle viel voneinander gelernt. Für dieses Jahr haben wir ein Projekt "Mit Farbe gegen Rassismus" geplant, zusammen mit dem SAK Quartiersmanagement in der Schwedenstraße. Die Kunst öffnet einen Weg zu Toleranz und gegenseitiger Wertschätzung.

BZ: Dürfen die Besucher am Tag der offenen Tür ebenfalls kreativ werden?

Kuhn: Am Sonntag werden einige Künstler ihre Arbeitsweise vorführen. Es werden Figuren aus Pappmaché, Acryl-Malerei und Tischlaternen mit Glasgravuren, Silberschmuck und Kohlezeichnungen präsentiert. Es gibt eine Frühlings- und Papierwerkstatt zum Mitmachen und unsere Kunstobjekte können besichtigt und gekauft werden. In der Vitrine liegt raffinierter Schmuck aus Holz bereit, den wir am Sonntag anbieten möchten.

BZ: Was hat sich für Sie in der Kunstküche verwirklicht?

Kuhn: Andere und besondere Menschen Wert zu schätzen. Hier entwickelt sich unbefangen Gemeinschaft, das viel benutzte Wort "Inklusion" wird hier gelebt. Dieses Ziel haben wir erreicht. Darüber hinaus ist die Kunstküche Herten in der Zwischenzeit weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt geworden. Wir waren beteiligt am Art-Dorf Ötlingen, hatten schon Ausstellungen in Lörrach und Weil am Rhein. Das ganze Kunstküchenteam ist sehr froh über diesen großen Erfolg.

BZ: Sie sind nicht nur die Leiterin der Kunstküche, sondern auch die Kuratorin des St. Josefshauses. Welche Pläne gibt es für Ausstellungen im Verwaltungsgebäude?

Kuhn: Die nächste Vernissage findet am 15. März statt. Die Ausstellung "Rollover" verknüpft Menschen mit und ohne Handicap miteinander. Die Ausstellung wurde bisher in Hannover gezeigt, zur Vernissage werden mehrere Künstler anwesend sein. Die Ausstellungen im Verwaltungsgebäude werden immer von vielen Kunstinteressierten besucht.

Kontakt: Mail an kunstkueche@sankt-josefshaus.de

Zur Person: Christina Kuhn, Atelier - und Werkstattpädagogin, ist Leiterin der Kunstküche und Kunstpädagogin für Schüler der Karl-Rolfus-Schule und Auszubildende der Theresia- Scherer-Schule.

Weitere Informationen unter http://mehr.bz/kunst-st-josefshaus