Oper und Orgel kommen sich nah

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 27. Juni 2018

Rheinfelden

Irmtraud Tarr und Andrea Jarnach in der Josefskirche Herten.

RHEINFELDEN-HERTEN. Inmitten des Sommerfest-Trubels lockte am Sonntag ein außergewöhnliches Konzert die Besucher in die Josefskirche in Herten. Unter dem Titel "Organ goes Opera" bezauberten die Organistin Irmtraud Tarr und die Sopranistin Andrea Jarnach mit virtuos beschwingten Klängen und Opernpartien.

"Irmtraud Tarr holt aus einer Orgel heraus, was man kaum für möglich halten würde", stellte Christoph Dürdoth vom Vorstand des St. Josefshauses die bekannte Virtuosin aus Eichsel vor, die als Professorin am Mozarteum Salzburg unterrichtet. Von dieser Universität kennt sie die junge Sängerin Andrea Jarnach, die dort ihr Masterstudium absolviert.

Das erfrischend unkonventionelle Programm eröffnete die Organistin mit Improvisationen von Michael Burckhardt über "An hellen Tagen". Voller Verve und Vitalität, mit kräftigen Farben und heiterem Schwung spielte Tarr dieses Auftaktstück, das Fröhlichkeit und Licht in den Kirchenraum brachte. Strahlend und glockenklar schwang sich der Sopran von Andrea Jarnach in "An hellen Tagen" von Giovanni Gastoldi aus dem 16. Jahrhundert auf. In graziöser Leichtigkeit und Eleganz erhob sich Jarnachs Stimme über den hellen, lichten Orgelklang.

Wunderschön in den Verzierungen, innig und zu Herzen gehend klang Jarnachs Gesang in der Arie "Ich will dir mein Herze schenken" aus der Matthäuspassion von Bach. Es war eine Freude zu hören, wie makellos und lupenrein in der Stimmführung die junge Sopranistin diese Gesänge aus der Alten Musik und der Barockzeit gestaltete, und wie feinfühlig Irmtraud Tarr ihr Orgelspiel ganz auf diese Gesangsstimme hin abstimmte.

Im Concerto G-Dur von Bach nach Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar agierte Tarr mit dynamischem Impuls, Elan und Energie in den schnellen Ecksätzen und mit schönen, feinsinnigen Registrierungen im Grave-Satz. Ihr mitreißendes Virtuosentemperament lebte die Organistin in einer Bearbeitung des Säbeltanzes von Khatschaturian aus, einem wilden, verwegenen, spektakulären Stück, das Tarr in irrwitzig schnellem Tempo spielte: Da brachte sie die Orgel wirklich zum rasanten Tanzen.

Ein Hörvergnügen besonderer Art waren das Rezitativ und die Arie "Nun eilt herbei!" aus der komischen Oper "Die Lustigen Weiber von Windsor" von Otto Nicolai. Hinreißend sang Andrea Jarnach mit koloraturensicherer Stimme diese Arie der vom Schwerenöter Falstaff umworbenen Frau Fluth und traf perfekt den kapriziösen Ton und Charakter dieser Dame und das Kesse und Humorvolle dieser Opernszene.

Irmtraud Tarr zeigte als Orgelpartnerin und als Solistin, dass sich auf der Orgel auch Oper und Operette spielen lässt. In einer Bearbeitung der Ouvertüre zur "Fledermaus" von Johann Strauß verbreitete sie beim Publikum prickelnde Operettenstimmung.

Als Zugabe spielte Tarr noch eine Polka von Elsbeth Forrer aus dem Toggenburg. Dann schlugen die Künstlerinnen den Bogen zum Anfang und wiederholten Gastoldis "An hellen Tagen" für Sopran und Orgel, unterstützt von Überraschungsgast Edward H. Tarr an der Trompete.