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23. Januar 2015

"Problem Herten ist nicht zu lösen"

Schulleitung des Georg-Büchner-Gymnasium reagiert auf die Zahlen zu den Schülerbewegungen hin zu Nachbarkommunen.

  1. Die Kirche bleibt im Dorf: Die Schulleitung des Georg-Büchner-Gymnasiums mit Agnes Pinke und Hubert Wischnewski vor einer Eichsler Ansicht von Paul Ibenthaler. Foto: Ralf Staub

RHEINFELDEN. Als Reaktion auf den BZ-Artikel über Schülerwanderungen in andere Städte und Gemeinden (BZ vom 16. Januar) hat das Georg-Büchner-Gymnasium reagiert und die Zahlen der derzeit 87 Gymnasiasten, die von Rheinfelden aus zum Lise-Meitner-Gymnasium nach Grenzach-Wyhlen fahren, analysiert: Danach kommt der allergrößte Teil dieser Schüler tatsächlich aus Herten. Als neues Phänomen sieht Oberstudiendirektor Hubert Wischnewski allerdings die Gemeinschaftsschule in Maulburg an, an der auch 45 Rheinfelder Schüler unterrichtet werden.

"Das Problem Herten wird man nie lösen können", meint Wischnewski, derzeit fahren die meisten Gymnasiasten aus dem größten Ortsteil eher in die Nachbarkommune, als nach Rheinfelden, wo momentan 59 Schüler aus Herten registriert sind, wie Agnes Pinke als stellvertretende Schulleiterin ermittelt hat. Kaum ein Dutzend wird es sein, das aus der Stadt oder anderen Ortsteilen in die Doppelgemeinde fährt – in den Klassen 8 bis 12 sind es sieben Schüler, weil es keine Grundschulempfehlung mehr gibt, gibt es für die Klassen 5 bis 7 keine Angaben.

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Verkehrswege nicht entscheidend

Aus Sicht der Schulleitung spielt für diese Schulwahl weniger das (leicht) unterschiedliche Profil zwischen den beiden Schulen eine Rolle und auch nicht die Frage der Verkehrswege, sondern in erster Linie, was organisatorisch für die Eltern besser ist: Wenn etwa die Oma in der Nachbargemeinde wohnt oder der Papa bei Hoffmann-La Roche arbeitet. Eine Rolle spiele sicher auch die Ganztagsschule, die nicht alle Eltern für ihn Kind wollen, meint der Schulleiter – das Georg-Büchner-Gymnasium ist Ganztagsschule, das Lise-Meitner-Gymnasium nicht. Als dritten Punkt bei der Schulwahl nennt er die Lage: Die Nachbarschule ist kleiner und liegt auf der grünen Wiese, Rheinfelden mitten in der Stadt. Grundsätzlich, so betont er, sei das Verhältnis zur Schule in Grenzach-Wyhlen "absolut in Ordnung", Wischnewski kann auch nachvollziehen, dass zum Ende der Grundschulzeit die Klassen geschlossen nach Grenzach-Wyhlen fahren, um sich über das dortige Schulzentrum zu informieren.

Auch die beruflichen Gymnasien sieht Wischnewski als "guter Weg", der von ihm auch unterstützt wird: Seit drei Jahren stellt sich das Umweltgymnasium der Gewerbeschule bei den Nachbarn vor, "und wir verlieren dadurch auch gute Schüler, die ohne Weiteres bei uns Abitur machen könnten", hält er fest. Grundsätzlich begrüßt Wischnewski die Durchlässigkeit des Schulsystems, "damit muss auch die Stadt leben, selbst wenn Gelder verloren gehen", meint der Oberstudiendirektor.

Als neues Phänomen sieht Wischnewski die Gemeinschaftsschule, für die sich ganz bewusst auch Kinder aus Rheinfelden entscheiden. Zur Frage, ob eine solche Schule auch in Rheinfelden eingerichtet werden sollte, wollte er sich nicht äußern: Falls sie aber kommen sollte, müsste darauf geachtet werden, dass nicht auch dort der Weg bis zum Abitur eingeschlagen werden kann: "Sonst graben wir uns gegenseitig das Wasser ab." Für ihn ist es zwingend, dass die Lehrpläne so aufeinander abgestellt werden, dass ein Wechsel problemlos möglich ist.

Das Georg-Büchner-Gymnasium arbeite stets daran, seine Attraktivität weiter zu steigern: Wischnewski nennt dabei das bilinguale Englisch, das er als "Riesenchance" ansieht. Auch der Stadt attestierte er enorme Anstrengungen, die Gebäude nach jahrelangem Stillstand jetzt auf Vordermann zu bringen. Die naturwissenschaftlichen Räume bieten seit dem vergangenen Jahr neue Möglichkeiten, in diesem Jahr werden die Planungen für neue Chemieräume vorangetrieben.

Seine Attraktivität stellt das Georg-Bücner-Gymnasium am Donnerstag kommender Woche unter Beweis, wenn die vierten Grundschulklassen zum "Tag der Naturphänomene und Sprachen" eingeladen sind. Rund 150 Grundschüler sind einen Vormittag zu Gast, nehmen am Unterricht teil und können in der Mensa zu Mittag essen, erläutert Agnes Pinke. Abends findet dann ein Informationsabend für die Eltern der Viertklässler statt.

Zahlen aus der Freien Evangelischen Schule

Reagiert auf die Anfrage nach den Zahlen von Schülern aus Rheinfelden hat zu Wochenbeginn auch die Freie Evangelische Schule: 18 Schüler aus Rheinfelden besuchen den Unterricht an der Werkrealschule, 33 an der Realschule, 56 am allgemeinbildenden Gymnasium und ein Schüler besucht das technische Gymnasium für Gestaltung und Medientechnik. Somit sind es unter dem Strich mehr als 360 Schüler aus Rheinfelden, die allgemeinbildende Schulen (ohne berufsbildende Schulen) in Nachbarkommunen besuchen.

Autor: Ralf Staub