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30. Mai 2017

Schönheit und Zerstörung sind Thema

Die Ausstellung "NaturWunde-R" mit 85 Bildern und Holzobjekten besticht durch Detailfreude.

  1. Petra Pompé zeigt in ihren Arbeiten die Schönheit, aber auch die Verwundbarkeit der Natur. Foto: Chris Rütschlin

HERTEN. Mit der Ausstellung "Natur-Wunde-R" möchte die Lörracher Künstlerin Petra Pompé auf die Verletzlichkeit und Schönheit zugleich der Natur hinweisen. Großes Interesse fand die im Sankt Josefshaus eröffnete Ausstellung bei der meditative Hang, Daf und Sansula Klänge (exzellent gespielt von Ferouz Falah) für eine willkommene Überraschung sorgten. Stellvertretend für die Heimleitung eröffnete Christina Kuhn, die auch die Ausstellung kurierte, die Vernissage und erinnerte daran, dass sich die Künstlerin Pompé seit zehn Jahren intensiv mit dem Thema Natur und deren Verletzlichkeit auseinandersetzt.

Hilmar Peter vom Natur- und Kulturtreff hob hervor, dass die 85 Mischtechnik-Ölbilder und Holzobjekte nicht nur die Schönheit der Natur zeigen, sondern auch ihre zerstörerischen Züge. Bildtitel wie "Tsunami, Lavastrom, Waldbrand und Supernova" illustrieren dies. Bei Letzteren handelt es sich um das finale Aufbäumen eines sterbenden, explodierenden Sterns. Bei diesem katastrophalen Ereignis strahlt der kollabierende Stern kurz zeitig so hell wie eine ganze Galaxie, was dem Zehnmilliardenfachen der Sonnenleuchtkraft entspricht.

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Dass Pompé diese kosmischen Scheinwerfer, die bis in die Tiefe des Alls zu beobachten sind, in ihre ausdrucksstarke, farbenkräftige Malerei einbaut, macht ihr vielseitiges Oeuvre um so spannender. Ganz anders das in zarten, braunen und blauen Pastelltönen gehaltene Ölbild "Winter Sadness", das die Betrachtenden in die meditative und harmonisierende Kraft des Naturerlebens führt.

Pompé verleiht den meist auf Leinwand, mal abstrakt, mal figürlich präzise gemalten Bildern eine schöne Ergänzung, indem sie mit knorrigen Hölzern und Schwemmholzobjekten die dem Naturthema gewidmete Ausstellung zu erweitern versteht. "Ich sammle die Hölzer und verändere nichts an ihnen, sie werden lediglich auf den Metallständern kunstvoll arrangiert", erzählt die Künstlerin. Und in der Tat, die von ihr sorgfältig ausgewählten Wurzeln verlangen nicht nach einer Weiterbehandlung. Ganz dem Künstlermotto gemäß: "Weniger ist mehr."

Petra Pompé malt nicht nur, sondern fotografiert auch, wie vier großformatige Aufnahmen mit Titeln wie "Tanz der Moleküle" oder "Morgen Tau" zeigen. Mit dem Blick fürs Detail entgeht ihr nicht ein hauchdünn vom weißen Morgentau überzogenes Blatt, das am Boden in moosgrün gebettet liegt. Ihre Eisbäreninstallation will sie als Mahnmal für die menschliche Naturzerstörung verstanden wissen.

"Die Bilder zeigen viel von der Künstlerin selbst", meinte ein Vernissagebesucher. Verwiesen sei hier auf das farbenfrohe, naturalistische Raubkatzenbild, das die Betrachtenden mit einem unergründlichen und durchdringenden Blick mustert. Nichts wirkt in der Malerei tiefschürfender als der Blick aus einem Augenpaar. Dieser alles verschlingende und sich einverleibende Moment, mit dem sich Kunstschaffende ihre Umgebung einverleiben, um sie hernach transformiert wieder auf das Papier oder die Leinwand zu bannen. Der Blick als Einfallstor zum Laboratorium der Seele.

Die in Lörrach wohnhafte Künstlerin dankte den Verantwortlichen des Sankt Josefshauses dafür, mit ihrer Werkschau in Herten vertreten sein zu können und lud ihre Gäste zu einem Apero und einigen Leckereien ein.

Die Ausstellung im Sankt Josefshaus Hauptstraße 1, dauert bis 23.September und ist werktags geöffnet von 9-19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 15 Uhr.

Autor: Chris Rütschlin