Zurück zum alten Dorfmittelpunkt

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Mi, 24. Februar 2016

Rheinhausen

Franz Müntefering beklagt die soziale Einsamkeit vieler älterer Menschen und lobt die Konzeption von Generationenhäusern.

RHEINHAUSEN/ENDINGEN. Generationenhäuser, in denen Jung und Alt leben und kommunizieren, können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die soziale Isolation vieler älterer Menschen zu verhindern. Diese Auffassung vertrat der ehemalige Vizekanzler und frühere Bundesvorsitzende der SPD, Franz Müntefering, bei seinem Besuch am Montag in Rheinhausens Generationenhaus.

In der Endinger Kornhalle hielt er anschließend einen Vortrag zum demographischen Wandel und machte den Genossen Mut, sich am Wandel der Gesellschaft zu beteiligen.

"Große Politiker kommen, aber wir sehen sie in der Regel nicht wieder", sagte Rheinhausens Bürgermeister Jürgen Louis. Bei Franz Müntefering war das anders: Er war beim Richtfest des Generationenhauses dabei, und er kam mit der SPD-Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle, um das Haus mit seinen Angeboten unter einem Dach in Betrieb zu sehen. Louis hatte dazu eine Präsentation am Bildschirm im Café de la Vida vorbereitet.

Daniel Müller von der Caritas stellte die inklusive Arbeitsweise im Café vor, in dem Behinderte und ehrenamtliche Kräfte Hand in Hand arbeiten. Hildegard Himpel-Königer stellte die Kindertagesstätte in Sankt Josef vor, mit 30 Plätzen in der U3-Betreuung und 90 Plätzen für Drei-bis Sechsjährige. Monique Matea führte durch den Pflegebereich des Seniorenzentrums mit 36 Plätzen.

Die Besucher kamen gerade rechtzeitig, um "SeKi" mitzuerleben. Kinder und Senioren treffen sich regelmäßig an Nachmittagen für gemeinsame Spiele, für Bewegung oder zum Kochen und Backen. Am Montagnachmittag stand gemeinsames Musizieren auf dem Programm. Beide Seiten profitieren. Viele Kinder haben keine Senioren zu Hause, sagte die Kindergartenleiterin. Die Betreuer der Senioren haben die Erfahrung gemacht, dass die Bewohner in der Begegnung mit den Kindern wieder "viel mehr können".

Müntefering stellte in Rheinhausen "ganz viele Idee unter einem Dach" fest. "Die Geschichte des Generationenhauses geht weiter", sagte er. "Wir haben in Deutschland rund 450 – wir bräuchten 15 000, in jeder Gemeinde, jeder Stadt und jedem Stadtviertel." Müntefering forderte mehr sozialräumliches Denken und Handeln, ein ortsspezifisches Planen und Gestalten. Einfacher ausgedrückt: Die Grundidee sei der alte Dorfmittelpunkt, sagte er. Es sei ein vertrauter Ort und ein Platz der Begegnung, an dem man sich treffen könne. Je mehr die verschiedenen Altersgruppen in der Gesellschaft getrennt würden, um so mehr Probleme entstünden, erläuterte er. "Die Isolation älterer Menschen ist eines der größten Probleme", sagte Franz Müntefering.

Diese Aussage stand auch in seinem Vortrag zum demographischen Wandel, den Müntefering am frühen Abend in der Endinger Kornhalle hielt. "Das größte Problem der älteren Generation ist die soziale Einsamkeit", sagte er vor über 50 Zuhörern. "Das muss nicht sein – wir sind eine zeitreiche Gesellschaft", hielt er dagegen. Der SPD-Politiker fordert alle Generationen auf, "ein bisschen aufeinander zu achten". Die ältere Generation ermunterte er, "auch von sich aus etwas zu tun, um dabei zu bleiben." Dazu zählte er ehrenamtlichen Einsatz: "Überall gibt es Dinge, die man tun kann".

Aufgaben sieht Müntefering vor allem auf kommunaler Ebene. "Wir müssen die Kommunen in den Stand setzen, ihre Aufgaben zu erfüllen", sagte er. Zum besseren Miteinander trage auch das Umfeld bei, unter anderem mit der Frage, was für junge Frauen getan werde. Auch die neue Aufgabe der Integration von Flüchtlingen sieht er in diesem Zusammenhang. "Wir wissen, was kommt, und warten erst mal ab. Das ist falsch", sagte er. Sicherheit in einer sich wandelnden Welt gebe es dann, wenn man den Wandel gestalte, machte er Mut zum Mitmachen.