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25. April 2016

Gewinner des Abends war die alemannische Sprache

Sechstklässler aus Rickenbach überzeugten die Jury am meisten.

  1. Die Schüler aus Herrischried spielten Szenen aus dem Struwwelpeter. Foto: Michael Gottstein

  2. Die Moderatoren Georg Albiez und Sandhya Hasswani Foto: Gottstein

  3. Die Grundschüler aus Strittmatt in ihrem alemannischen Theaterstück Foto: Michael Gottstein

RICKENBACH-WILLARINGEN. Mit so vielen Gästen haben nicht einmal die Organisatoren gerechnet. Als die Muettersproch-Gsellschaft und der "Aktive Hotzenwald" am Samstag zum Alemannischen Abend baten, blieb in der Gemeindehalle Willaringen kein Platz mehr frei. Besonderen Grund zur Freude hatten die Sechstklässler aus Rickenbach, die den Theaterwettbewerb für sich entscheiden konnten. Gewinner des Abends war zweifellos die alemannische Sprache.

Zum Auftakt konnten die Moderatoren Sandhya Hasswani vom "Aktiven Hotzenwald" und der Mundartdichter Georg Albiez zwei prominente Gäste begrüßen, nämlich den Dichter Markus Manfred Jung und Margarete Eckert-Schneider als Heidewiibli. In einem kurzen Theaterstück beklagt das Heidewiibli den Verfall des Alemannischen, während der Dichter (vielleicht aus Selbstschutz) meint, dass die "Junge alli no Alemannisch verschtöhn".

Wer Recht hat, wird sich zeigen, jedenfalls bedarf der Dialekt einer Förderung, weshalb die Organisatoren einen Schülerwettbewerb ausgeschrieben hatten. Die Jury stand unter Leitung von Uschi Isele, der Schriftführerin der Muettersproch-Gsellschaft in Freiburg.

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Primadonnenhaft auf Alemannisch geziert

Die dritte und vierte Klasse der Grundschule Strittmatt führten ein selbst geschriebenes Stück auf: Zwei Mädchen entdeckten einen Geldbeutel, versteckten sich hinter einem Busch und beobachteten die Reaktionen der Passanten auf die Börse. Einigen entlockten sie deftige alemannische Flüche, während eine Mädchengruppe bewies, dass man sich auch auf Alemannisch primadonnenhaft zieren kann.

Einen großen Aufwand betrieben und schöne Requisiten und Kostüme angefertigt hatten die Viertklässler aus Herrischried: Sie stellten vier Geschichten aus dem "Struwwelpeter" vor, neben dem Titelhelden den "Suppe-Chasper", den "Zabbel-Philipp" und den "Hans-lueg-in-d-Luft". Die Rollen waren überzeugend dargestellt, und die Texte wurden flüssig und verständlich rezitiert. Die Sechstklässler aus Rickenbach stellten eine Schulsituation mit Witzen und Wortspielen auf Alemannisch nach.

Der Ausstattungsaufwand war geringer, dafür rechnete die vierköpfige Jury der Klasse hoch an, dass sie das Stück selbst geschrieben hatte. Die Rickenbacher gewannen mit einem Wimpernschlag Vorsprung vor Herrischried, und Bronze ging nach Strittmatt. Zur Belohnung gab es Urkunden, CDs mit alemannischen Geschichten und Preise zwischen 150 und 250 Euro. Uschi Isele appellierte an die Kinder: "Vergesst eure Sprache nicht und lasst euch bloß nicht einreden, ihr seid weniger geschickt, nur weil ihr Alemannisch redet."

Schließlich versteigerte Sandhya Hasswani drei signierte Gedichte, welche die Mundartdichter Relinda Schmidt, Markus Manfred Jung und Georg Albiez gestiftet hatten. Luisa Abend und Jonas Matt aus Engelschwand, die Gewinner des SWR-Vorlesewettbewerbs in Mundart, präsentierten ihr Gedicht "D’Schätz vom Hotzewald".

Während der Umbaupausen steuerte das Hotzen-Chörli mehrere Lieder bei, Matthias Vogt stellte die Hauensteiner Tracht vor, und die Musikband mit Dirk Bürklin, Bernd Wallaschek, Bernd Kühnel und Uli Gottschalk zeigte, dass auch Blues und Alemannisch zusammengehen.

Die Muettersproch-Gsellschaft sammelt bis Ende Oktober Unterschriften, damit im SWR-Radio eine feste, wöchentliche Stunde für regionale Informationen und Unterhaltung auf Alemannisch eingerichtet wird. Sie hat 18 Regionalgruppen, darunter die von Erika Hirtler geleitete Gruppe Hochrhii/Hotzewald. Internet: http://www.alemannisch.de Der "Aktive Hotzenwald" plant am Samstag, 14. Mai, 20 Uhr, einen Liederabend in der Agatha-Fridolin-Kapelle in Görwihl-Rotzingen. Internet: http://www.aktiver-hotzenwald.de

Autor: Michael Gottstein