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20. März 2013

Loopings über dem Hotzenwald

Piloten-Profis kommen im September zum Flugtag Hütten-Hotzenwald / Walter und Toni Eichhorn zeigen Formationskunstflug.

HOTZENWALD. Walter Eichhorn und sein Sohn Toni aus Bad Camberg fliegen auf Airshows atemberaubenden Formationskunstflug. Früher mit zwei Jets und neu in der Flugsaison 2013 mit modernen Kunstflugmaschinen. Sie werden am 14./15. September beim Hotzenwald-Flugtag in Hütten ihr spektakuläres Programm zeigen.

Der Flugplatz Rechlin-Lärz im Nordosten der Republik liegt normalerweise in einer Art Dornröschenschlaf. An diesem Frühlingstag haben sich aber einige gut informierte Schaulustige eingefunden. Plötzlich zeigt einer von ihnen aufgeregt gen Himmel: "Da kommt er!" Wer jetzt glaubt, eine der üblichen Piper oder Cessna nähere sich zur Landung, ist überrascht: Ungewöhnlich schnell wird die Silhouette der Maschine größer, und die Geräuschkulisse wechselt ins dramatische Fach. Laut fauchend schießt der Militär-Jet im Tiefflug über die Piste, um am Ende der Runway steil nach oben zu ziehen. Top Gun mitten in Meck-Pomm?

Erst als die Maschine nach der Landung näher rollt, wird klar, dass der weißlackierte Jet zwar irgendwann mal militärisch zugelassen war, jetzt aber als ganz normales Zivilflugzeug wie eine gewöhnliche Cessna registriert ist. Und während die Zaungäste noch über den Typ rätseln, klettert ein Pilot in Overall aus dem Zweisitzer. Toni Eichhorn ist es bereits gewohnt, dass sein ungewöhnliches Flugzeug für Zuschaueraufläufe sorgt. Schließlich wissen selbst vermeintliche Luftfahrt-Experten meist nicht, dass der rassige Jet eine ganz seltene italienische Diva ist: die SIAI-Marchetti S-211.

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Toni absolvierte mit der Maschine bis 2011 Kunstflug – meistens in Formation mit Vater Walter, der ebenfalls einen älteren Jet fliegt. Wer jetzt aber meint, Kunstflug wäre kein Sport, hat noch nie erlebt, wie Loopings, Rollen, Auf- und Abschwünge an den Flugzeugführern zerren. Bis zu zehn g, also das Zehnfache des eigenen Gewichts, reißen an den Piloten. Über die angeblich hohen g-Kräfte bei einem Formel-1-Rennen können Kunstflieger deshalb nur müde lächeln. Ständiges Fitnesstraining ist deshalb für jeden Kunstflieger Pflicht, schließlich drohen gefährliche Blutverluste im Gehirn und möglicherweise ein Blackout mit fatalen Folgen, falls der Pilot nicht ausreichend trainiert ist. Und aus dem Looping geht es schon mal mit bis zu 800 Stundenkilometer abwärts – damit ist Kunstflug mit Jets die wohl schnellste Sportart der Welt.

Toni Eichhorn genießt das, denn er lebt von und für die Fliegerei. Im Hauptberuf steuert er als Pilot einen Airbus für die Lufthansa, in seiner Freizeit sah man ihn auch oft mit seinem Propellerflugzeug-Oldie vom Typ North American T-6 auf Flugtagen. Aber er hat das Flieger-Gen auch quasi vererbt bekommen: Vater Walter Eichhorn, früher Boeing-747-Kapitän bei der Airline mit dem Kranich, ist einer der profiliertesten deutschen Piloten von klassischen Flugzeugen. Sogar als Stuntpilot für Tom Cruise im Hollywood-Epos "Operation Walküre" war der Ältere der beiden Eichhorns schon im Kino in einer Messerschmitt Me 109 zu sehen. Von mehr als 2000 Fallschirmabsprüngen gar nicht zu reden.

Auch mit 70 voller Fliegerleidenschaft

Walter Eichhorn ist zwar bereits über 70, hat aber nichts von seiner Fliegerleidenschaft eingebüßt und ist top in Form. Zwar wurden die beiden Jets sowie eine der beiden T-6-Maschinen vor kurzem verkauft, dafür sind jüngst aber zwei moderne Hochleistungs-Propellerkunstflugzeuge vom Typ Extra EA 330 LT neu in den Eichhorn-Hangar gekommen.

In der Flugsaison 2013 sind Vater und Sohn deshalb mit einer ganz neuen Kunstflug-Kür auf zahlreichen Airshows in Deutschland zu sehen, darunter auch beim Hotzenwald-Flugtag in Hütten im Herbst: Dort treten sie mit ihrer spektakulären Kür am 14. und 15. September als eines der Highlights am Hotzenwaldflugtag auf.

Mehr Infos über das Programm der beiden Bad Camberger im Internet unter http://www.t6-team.de

Autor: Jürgen Schelling